Masterstudium in Leiden, Niederlande – ein Erfahrungsbericht

Von Marius Müller

Marius Müller, ehemaliger Student (BA Politikwissenschaft) der Universität Duisburg-Essen, gibt einen kurzen Einblick, warum er sich letztes Jahr für den einjährigen Masterstudiengang International Politics an der Universität Leiden (Niederlande) entschieden hat. Darüber hinaus blickt er zurück darauf, welche Aspekte der Studienzeit in Leiden das vergangene Jahr für ihn zu einer positiven Erfahrung gemacht haben, aber nennt auch kritische Punkte, die zukünftige Studenten in Leiden berücksichtigen sollten.

Bereits während meines Bachelorstudiums in Duisburg lag mein Schwerpunktinteresse im Bereich der Internationalen Beziehungen. Um in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen sind sehr gute fachliche Englischkenntnisse, vor allem im aktiven und spontanen Sprachgebrauch, nahezu unerlässlich. Da jedoch das Angebot englischsprachiger Studiengänge in Deutschland eher dürftig ist, konzentrierte ich mich zunächst auf Großbritannien und Irland.  Außerdem strebte ich einen schnellen Berufseinstieg an, sodass ich mich vornehmlich für einjährige Masterstudiengänge interessierte, welche in vielen Ländern üblich sind, aber in Deutschland selten angeboten werden.

Dazu kann ich aus persönlicher Erfahrung nun sagen, dass ein einjähriges Studium relativ arbeitsintensiv sein kann und die Lehrphase sehr kurz ist. Ich habe gelernt auch unter Zeitdruck originelle Forschungsprojekte zu entwerfen, die den Standards eines Masterstudiums gerecht werden. Zeit und Freiraum diese Projekte auch praktisch umzusetzen blieb jedoch kaum. Insofern ist ein zweijähriges Studium die richtige Wahl für jeden, der definitiv eine Karriere im akademischen Forschungsbetrieb anstrebt und seine Fähigkeiten gezielt dahingehend entwickeln möchte.

Auf meiner Suche nach interessanten Studiengängen im englischsprachigen Raum wurde mir allerdings schnell bewusst, dass Studiengebühren bis zu 15.000 Euro pro Jahr schwer zu finanzieren sind. Universitätseigene Stipendien sind oft nur mit Glück zu erlangen und angebotene Studienkredite unterscheiden sich kaum von gewöhnlichen Krediten. Tatsächlich sollte man sehr frühzeitig, mindestens ein Jahr vor einem theoretischen Studienbeginn, alle in Frage kommenden Stipendien und deren Bewerbungsfristen kennen, denn die meisten Stipendien werden deutlich vor den Bewerbungsverfahren der Universitäten vorläufig vergeben.

Mit den finanziellen Überlegungen und positiven Erfahrungen von Freunden im Hinterkopf rückten schließlich die Niederlande in den Fokus meiner Bewerbungsbemühungen. Leiden als älteste und renommierteste Universität war mir schon seit längerem bekannt, aber auch insgesamt ist die Qualität und Dichte der Universitäten sehr hoch. Im Vergleich zu englischen Universitäten sind außerdem die Kosten mit circa 2000 Euro jährlichen Studiengebühren und zahlreichen staatlichen Finanzierungshilfen deutlich überschaubarer.

Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung in Leiden zu studieren. Mein Masterstudium in Leiden bot größtenteils sehr gute und abwechslungsreiche Lehrveranstaltungen, in denen Studenten auch oft in aktuelle Debatten und Forschungen des Lehrpersonals einbezogen wurden. Allerdings wird mir, vielleicht auch aufgrund der Kürze eines einjährigen Master, mehr die gesamte Studienatmosphäre in Erinnerung bleiben.

Leiden mit seinen 120.000 Einwohnern, aber fast 30.000 Studenten bietet eine Vielzahl von Aktivitäten und ein Nachtleben, welches man wohl nie von einer so kleinen Stadt inmitten der Randstad erwarten würde. Ganz besonders bleibt mir jedoch die sehr internationale und weltoffene Atmosphäre der Stadt und der Universität in Erinnerung. Die Universität Leiden hat in den letzten zehn Jahren wie kaum eine andere Universität auf eine internationalere Ausrichtung hingearbeitet, die sich sowohl im Lehrpersonal als auch unter den Studierenden deutlich abzeichnet. Die Vielzahl unterschiedlicher Ansichten und Ansätze bei einem Anteil von circa 50% internationaler Studenten in meinem Studiengang hat meine Denk- und Herangehensweise für viele der diskutierten Themen verändert und ist abgesehen vom fachlichen Mehrwert eine Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann – insbesondere denjenigen mit Interesse an einer Laufbahn im Bereich Internationale Beziehungen.

Zu dieser Gesamterfahrung hat definitiv auch die Universität als ganzes viel beigetragen. So wurden die internationalen Studenten bereits vor dem Studienbeginn aktiv eingebunden und an die Vielzahl möglicher Aktivitäten und Vereinigungen (auch speziell für Belange internationaler Studenten) herangeführt. Dadurch war man von Beginn an voll integriert und konnte bei etwaigen Problemen auf ein breites soziales Umfeld zurückgreifen und die kurze Studienzeit voll und ganz nutzen.

Neben dieser einzigartigen Atmosphäre haben mir auch die vielen berufsbezogenen Angebote des Masterprogamms gefallen. Gerade bei einjährigen Masterprogrammen halte ich diesen praxisorientierten Ansatz für sehr hilfreich, da der Berufseinstieg sehr schnell näher rückt.

Trotz allen Lobes möchte ich auch noch einige kritische Dinge anmerken. So sehr ich die internationale Atmosphäre schätze, muss man doch zugeben, dass die Universität dem starken Wachstum der letzten Jahre nicht mit Studentenwohnheimen Rechnung getragen hat. Es wird zwar kontinuierlich gebaut, aber die Chancen einen Platz in einem Wohnheim zu ergattern sind äußerst gering und auch allgemein herrscht Wohnraumknappheit.

Für den Studiengang International Politics lässt sich noch anmerken, dass dieser letztes Jahr zum ersten Mal angeboten wurde und es des Öfteren zu vermeidbaren organisatorischen und kommunikationsbedingten Schwierigkeiten gekommen ist. Für meine uneingeschränkte Empfehlung des Studiengangs muss sich hier noch einiges verbessern. Ich bin allerdings guter Dinge, da die Studiengangsleiter immer offen für Feedback waren und einige Dinge schon im nachfolgenden Masterjahrgang im Februar verbessert wurden.

Abschließend kann ich jedem Bachelorstudenten nur empfehlen ein Masterstudium im Ausland in Erwägung zu ziehen. Dieser Abschnitt des Studiums bietet sich in meinen Augen besonders dafür an und die Erfahrungen und Eindrücke akademischer und menschlicher Art sind es immer wert. Das gilt ohne Frage für fast jede Universität und jedes Land, auch wenn ich die Universität Leiden aufgrund meiner persönlichen Erfahrung natürlich ganz besonders empfehlen kann.

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