Klasse, Themen, Kontext: Wer wählt die Alternative für Deutschland?

Von Achim Goerres, Dennis C. Spies, Staffan Kumlin

„Neue Arbeiterpartei“, „Volkspartei“ oder „Partei der Globalisierungsverlierer“? In einer Analyse wird untersucht, wie sich die Wählerschaft der Alternative für Deutschland (AfD) zusammensetzt. Während regionale Unterschiede kaum eine Rolle spielen, zeigt sich, dass neben kulturellen auch wirtschaftliche Überzeugungen einen grossen Einfluss haben können. Die Studie zu diesem Beitrag finden Sie hier.

Die Anfang 2013 gegründete Alternative für Deutschland (AfD) muss bereits aus heutiger Perspektive als eine der elektoral erfolgreichsten Parteineugründungen der bundesrepublikanischen Geschichte gelten. Während die AfD bei ihrer ersten Bundestagswahl die für die parlamentarische Repräsentation notwendige Fünf-Prozent-Hürde knapp verfehlte, konnte sie – trotz intensiv geführter parteiinterner Auseinandersetzungen – zuletzt bei der Bundestagswahl 2017 12,6% aller Stimmen auf sich vereinen und ist nun in 14 von 16 Landtagen vertreten. Angesichts ihres anhaltenden Wahlerfolgs und ihrer polarisierenden, EU-skeptischen und migrationsfeindlichen Programmatik, ist es wenig überraschend, dass die AfD auch in der Parteien- und Wahlforschung auf grossßes Interesse gestoßen ist.

Ausgehend von der etablierten Literatur zu Radikal Rechten Parteien (RRPs) in Westeuropa, untersuchen Achim Goerres, Dennis C. Spies und Staffan Kumlin in einer aktuellen Studie die Motive und Bestimmungsfaktoren von AfD-Unterstützern. Diese umfassen (1) deren sozio-ökonomisches Profil, (2) politische Einstellungen und (3) die Rolle von wirtschaftlichen und politischen Kontextvariablen. Wie die quantitative Analyse einer Umfrage aus dem Jahr 2016 zeigt, lassen sich auch die Wähler der AfD mit diesen aus der internationalen Forschung hergeleiteten Erklärungsansätzen recht gut beschreiben. Gleichzeitig erweisen sich jedoch einige, vermeintlich bewährte Erklärungsansätze als nur wenig erklärungskräftig.

So stellen die Autoren fest, dass es – bis auf die überproportionale Unterstützung durch Männer – keine signifikanten sozio-ökonomischen Effekte hinsichtlich der AfD-Wahlentscheidung schlichtweg nicht gibt. Interpretationen der AfD als „neue Arbeiterpartei“ oder aber als „Partei der Globalisierungsverlierer“ sind deswegen insofern irreführend, als dass der sozio-ökonomische Status keinen Erklärungsanteil liefert, sobald für die politischen Einstellungen der Befragten kontrolliert wird. Ob man daraus einen Status als „Volkspartei“ ableiten kann – wie dies verschiedene AfD-Politiker bereits getan haben – ist jedoch ebenfalls fragwürdig, denn die politischen Einstellungen der AfD-Wähler unterscheiden sich deutlich von denen des deutschen Durchschnittswählers.

Wenig überraschend sind die Unterstützer der AfD migrations- und asylkritischer, desillusioniert von etablierten Parteien und Medien und allgemein kulturell sehr konservativ eingestellt. Hinsichtlich des Wohlfahrtsstaates zeigen sie sich zwar kritisch gegenüber stark umverteilenden Programmen, sind aber etwa der beitragsbasierten deutschen Rentenversicherung gegenüber durchaus wohlwollend eingestellt. Diese wirtschaftlichen Überzeugungen sind ein bisher kaum betrachtetes aber sicherlich zukunftsträchtiges Forschungsfeld, vor allem vor dem Hintergrund einer erkennbaren sozialpolitischen Neuausrichtung der zuvor marktliberalen AfD. Auf jeden Fall kann eine Einstufung der AfD-Wähler als inhaltsleere „Protestwähler“ auf Basis der empirischen Ergebnisse nicht aufrechterhalten werden.

Dementgegen erweisen sich vermeintlich etablierte Kontextfaktoren — wie die regionale Arbeitslosenquote und der Ausländeranteil – als nicht erklärungskräftig. Während Beiträge über die starke Zustimmung für die AfD in Extremfällen wie Neukölln (hohe Arbeitslosigkeit) und dem sächsischen Pirna (geringer Ausländeranteil) ganz massßgeblich die mediale Berichterstattung bestimmen, finden die Autoren hier keine signifikanten Effekte. Zwar findet die AfD im Osten der Republik allgemein mehr Zustimmung als im Westen, diese Unterschiede bleiben jedoch auch unter Kontrolle für die unterschiedlichen wirtschaftlichen und demografischen Verhältnisse in beiden Regionen bestehen. Neben diesem Ost/West-Gegensatz scheint zudem der langfristige politische Kontext einen starken Einfluss auf die AfD-Unterstützung zu haben, denn die Partei findet deutlich mehr Unterstützung in jenen Regionen, in denen bereits in den 1990er Jahren die Republikaner erfolgreich waren. Die Erforschung der kausalen Mechanismen für diese auffällige Konstante wäre ebenfalls ein lohnendes Feld für zukünftige Arbeiten.

Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags erfolgte am 07. August 2018 unter:
https://www.defacto.expert/2018/08/07/klasse-themen-kontext-wer-waehlt-die-alternative-fuer-deutschland/

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Masterstudium in Leiden, Niederlande – ein Erfahrungsbericht

Von Marius Müller

Marius Müller, ehemaliger Student (BA Politikwissenschaft) der Universität Duisburg-Essen, gibt einen kurzen Einblick, warum er sich letztes Jahr für den einjährigen Masterstudiengang International Politics an der Universität Leiden (Niederlande) entschieden hat. Darüber hinaus blickt er zurück darauf, welche Aspekte der Studienzeit in Leiden das vergangene Jahr für ihn zu einer positiven Erfahrung gemacht haben, aber nennt auch kritische Punkte, die zukünftige Studenten in Leiden berücksichtigen sollten.

Bereits während meines Bachelorstudiums in Duisburg lag mein Schwerpunktinteresse im Bereich der Internationalen Beziehungen. Um in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen sind sehr gute fachliche Englischkenntnisse, vor allem im aktiven und spontanen Sprachgebrauch, nahezu unerlässlich. Da jedoch das Angebot englischsprachiger Studiengänge in Deutschland eher dürftig ist, konzentrierte ich mich zunächst auf Großbritannien und Irland.  Außerdem strebte ich einen schnellen Berufseinstieg an, sodass ich mich vornehmlich für einjährige Masterstudiengänge interessierte, welche in vielen Ländern üblich sind, aber in Deutschland selten angeboten werden.

Dazu kann ich aus persönlicher Erfahrung nun sagen, dass ein einjähriges Studium relativ arbeitsintensiv sein kann und die Lehrphase sehr kurz ist. Ich habe gelernt auch unter Zeitdruck originelle Forschungsprojekte zu entwerfen, die den Standards eines Masterstudiums gerecht werden. Zeit und Freiraum diese Projekte auch praktisch umzusetzen blieb jedoch kaum. Insofern ist ein zweijähriges Studium die richtige Wahl für jeden, der definitiv eine Karriere im akademischen Forschungsbetrieb anstrebt und seine Fähigkeiten gezielt dahingehend entwickeln möchte.

Auf meiner Suche nach interessanten Studiengängen im englischsprachigen Raum wurde mir allerdings schnell bewusst, dass Studiengebühren bis zu 15.000 Euro pro Jahr schwer zu finanzieren sind. Universitätseigene Stipendien sind oft nur mit Glück zu erlangen und angebotene Studienkredite unterscheiden sich kaum von gewöhnlichen Krediten. Tatsächlich sollte man sehr frühzeitig, mindestens ein Jahr vor einem theoretischen Studienbeginn, alle in Frage kommenden Stipendien und deren Bewerbungsfristen kennen, denn die meisten Stipendien werden deutlich vor den Bewerbungsverfahren der Universitäten vorläufig vergeben.

Mit den finanziellen Überlegungen und positiven Erfahrungen von Freunden im Hinterkopf rückten schließlich die Niederlande in den Fokus meiner Bewerbungsbemühungen. Leiden als älteste und renommierteste Universität war mir schon seit längerem bekannt, aber auch insgesamt ist die Qualität und Dichte der Universitäten sehr hoch. Im Vergleich zu englischen Universitäten sind außerdem die Kosten mit circa 2000 Euro jährlichen Studiengebühren und zahlreichen staatlichen Finanzierungshilfen deutlich überschaubarer.

Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung in Leiden zu studieren. Mein Masterstudium in Leiden bot größtenteils sehr gute und abwechslungsreiche Lehrveranstaltungen, in denen Studenten auch oft in aktuelle Debatten und Forschungen des Lehrpersonals einbezogen wurden. Allerdings wird mir, vielleicht auch aufgrund der Kürze eines einjährigen Master, mehr die gesamte Studienatmosphäre in Erinnerung bleiben.

Leiden mit seinen 120.000 Einwohnern, aber fast 30.000 Studenten bietet eine Vielzahl von Aktivitäten und ein Nachtleben, welches man wohl nie von einer so kleinen Stadt inmitten der Randstad erwarten würde. Ganz besonders bleibt mir jedoch die sehr internationale und weltoffene Atmosphäre der Stadt und der Universität in Erinnerung. Die Universität Leiden hat in den letzten zehn Jahren wie kaum eine andere Universität auf eine internationalere Ausrichtung hingearbeitet, die sich sowohl im Lehrpersonal als auch unter den Studierenden deutlich abzeichnet. Die Vielzahl unterschiedlicher Ansichten und Ansätze bei einem Anteil von circa 50% internationaler Studenten in meinem Studiengang hat meine Denk- und Herangehensweise für viele der diskutierten Themen verändert und ist abgesehen vom fachlichen Mehrwert eine Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann – insbesondere denjenigen mit Interesse an einer Laufbahn im Bereich Internationale Beziehungen.

Zu dieser Gesamterfahrung hat definitiv auch die Universität als ganzes viel beigetragen. So wurden die internationalen Studenten bereits vor dem Studienbeginn aktiv eingebunden und an die Vielzahl möglicher Aktivitäten und Vereinigungen (auch speziell für Belange internationaler Studenten) herangeführt. Dadurch war man von Beginn an voll integriert und konnte bei etwaigen Problemen auf ein breites soziales Umfeld zurückgreifen und die kurze Studienzeit voll und ganz nutzen.

Neben dieser einzigartigen Atmosphäre haben mir auch die vielen berufsbezogenen Angebote des Masterprogamms gefallen. Gerade bei einjährigen Masterprogrammen halte ich diesen praxisorientierten Ansatz für sehr hilfreich, da der Berufseinstieg sehr schnell näher rückt.

Trotz allen Lobes möchte ich auch noch einige kritische Dinge anmerken. So sehr ich die internationale Atmosphäre schätze, muss man doch zugeben, dass die Universität dem starken Wachstum der letzten Jahre nicht mit Studentenwohnheimen Rechnung getragen hat. Es wird zwar kontinuierlich gebaut, aber die Chancen einen Platz in einem Wohnheim zu ergattern sind äußerst gering und auch allgemein herrscht Wohnraumknappheit.

Für den Studiengang International Politics lässt sich noch anmerken, dass dieser letztes Jahr zum ersten Mal angeboten wurde und es des Öfteren zu vermeidbaren organisatorischen und kommunikationsbedingten Schwierigkeiten gekommen ist. Für meine uneingeschränkte Empfehlung des Studiengangs muss sich hier noch einiges verbessern. Ich bin allerdings guter Dinge, da die Studiengangsleiter immer offen für Feedback waren und einige Dinge schon im nachfolgenden Masterjahrgang im Februar verbessert wurden.

Abschließend kann ich jedem Bachelorstudenten nur empfehlen ein Masterstudium im Ausland in Erwägung zu ziehen. Dieser Abschnitt des Studiums bietet sich in meinen Augen besonders dafür an und die Erfahrungen und Eindrücke akademischer und menschlicher Art sind es immer wert. Das gilt ohne Frage für fast jede Universität und jedes Land, auch wenn ich die Universität Leiden aufgrund meiner persönlichen Erfahrung natürlich ganz besonders empfehlen kann.

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Die (derzeitigen) Ergebnisse der Migrantenwahlstudie im Video

Am 06. Juni 2018 war Prof. Achim Goerres in der interdisziplinären Ringvorlesung der Universität Duisburg-Essen “Die kleine Form” zu Gast und präsentierte die derzeitigen Ergebnisse der Migrantenwahlstudie. Das Video davon gibt es jetzt hier im Blog zu sehen:

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Politicians in ageing democracies are catering to a grey interest constituency that does not exist

This essay is the last in a series written by Achim Goerres for the project “Ageing Democracies? Political Participation and Cultural Values Among the Elderly in Europe” financed by the Open Society Foundation. The complete project report with all essays and the reports written by the other project members can be found here. 

“With 20 million voters over the age of 50, isn’t it time politicians stopped just kissing babies?”

Age Concern England, 2005 British General Election Campaign

The above quotation is a typical example taken from an election campaign by an organisation representing the particular interests of elderly people. In many European countries, there are several of such organisations that provide social help or promote self-help for older people. These social old-age interest organisations tend to have at least small political offices that try to influence political outcomes. However, they are mostly social organisations providing club benefits to its members. There are no systematic analyses of these old age interest organisations across Europe yet. They tend to be much smaller in size and in political influence compared to the Association for Retired Persons in the United States, most likely due to Europe’s stronger trade unions. However, some of these organisations have a large number of members benefitting from various club goods, such as cheaper insurance. For instance, DaneAge in Denmark had 650,000 members in 2014 (28% of citizens aged 50 and over). The historical roots of these organisations do not lie in the dynamics of accelerated population ageing since the 1970s, but very often in the veterans’ organisations and pensioners’ organisations of the first half of the 20th century (for details see Doyle 2015: chap. 3).

In Europe, there is no evidence that these organisations have any political influence that is close to that of the big political players, such as business interest organisations or trade unions. However, they seem to form an alliance with the media whenever a national election is coming up. What tends to happen is the following: they call attention to the number of older voters in the next election, and they remind the political actors of the cross-age importance of old age issues, such as pensions, health and social inclusion. In other words, they will always point out that these issues concern citizens of all ages, since everyone aspires to become old and is somehow connected to individuals of other ages, usually through their families. Very often, organisations will also contact the older people’s spokespeople in the political parties for public events to ensure they hit their messages home. Sometimes, these old age interest organisations are seconded or overtaken by pensioners’ parties, i.e. political parties that explicitly appeal to older people. For instance, in 2017, the party 50PLUS entered the second chamber in the Netherlands with 4 out of 150 seats.  Senior parties remain notoriously weak, however, and only gain prominence if they shift their programme away from old age (Hanley 2012; Goerres 2009: chap. 4).

The media are keen to cover the initiatives of these organisations or pensioner parties because they can conjure up images of a block of older people that are implicitly or explicitly behind these campaigns. Thus, the media fall prey to a strategic manipulation of public perception because the images that can be sold are much more attractive to the media market than the nuanced tales of heterogeneity and complexity that, for instance, are conveyed in this report and the academic literature.

Another logic that one might speculate about is the disproportionate influence on public discourse of scientists whose primary expertise is in public policies for older people, such as pension policy. Many of these experts know very little about the social and political preferences of older people. Among economists, especially, there seems to be a widespread assumption that older people are united in their interest for public pensions, are happy to change their vote whenever something seems to alter the amount received and that the salience of this issue is the same for everyone in this age group. The reason for this misconception lies in the fact that all economic models of public policy require untested assumptions. The homogeneity of interests of older people is one such simplifying assumption. However, the fact that it is an untested assumption often remains untold and is instead presented as a fact (example of this assumptions in scientific papers can be found in Sanderson and Scherbov 2007; Sinn and Uebelmesser 2002).

Elected politicians are thus confronted with a public discourse that is tilted towards an image of older people as a homogenous group with a unified political interest in “the” older people’s issues. We know very little about what politicians actually think about the “grey vote”. There is some evidence from Ireland that elected politicians, as reported by interviewed civil servants, seem to have a stronger sense of the need of “age-targeting” social policy, thus catering to older people as one group instead of orienting their social policy efforts at needs that cross-cut age (Doyle and Timonen 2013).

As with any elite group, it is very difficult to survey politicians. Even if one had the chance to ask them about their beliefs regarding older people as a political group, politicians like any other respondent would give a constructed story, possibly with some strategic intention. There is one study about the age segmentation of the voter market by political parties in the 2005 British General election (Davidson 2005). Nevertheless, anecdotal evidence seems to suggest that politicians have an overly simplistic view of older people as a political group.

The outcomes of this speculated state of affairs are in line with the following findings. Politicians tread very carefully around any changes to the pension system. Changing demographics objectively necessitate changes to systems that were put in place under very different circumstances decades or even centuries ago. For instance, politicians prefer small-scale, swift changes to the pension system over large fundamental ones (Tepe and Vanhuysse 2012). Alternatively, politicians delegate the development of policy proposals to experts in a cross-party alliance. They pursue this strategy if they are convinced that reforms must be enacted, but there is no electoral win from this (Hering 2012). Seemingly, elected politicians are afraid of facing any electoral backlash by the grey vote for implementing out these reforms.

What politicians believe about older people must be extended to the certainty that is associated with it. Even if politicians had a pretty sound idea about what the political preferences of an ageing democracy were, the institutional set-up of representative democracies would always make elected politicians err on the side of caution. Politicians have a maximum of four or five years before the next election. Almost all of them care about re-election. Imagine a policy proposal that would make the pension systems financially viable for the next 20 years. If the elected politicians would expect with 90% certainty that the majority of older people would go with this proposal and with 10% certainty that they would oppose it and as a consequence change their votes, they would not go through with the proposal. The inner logic of liberal democracies requires politicians to think about their personal re-election in the short-term first, a feature that politicians should not be blamed for. They behave very rationally given the democratic system they operate in.

What can be done? There are a variety of remedies that can be taken:

  • Politicians and the public need to be educated about older people and members of other age groups. This is a task for social scientists to bring their findings into the public discourse and to repeatedly show the complex reality about social structures and political preferences of all age groups in a society. There is a simple litmus test to see whether politicians and journalists are on a higher level of understanding. If they are aware of the existence of cohort effects versus life cycle effects in political behaviour, there is already progress being made. If they can, for instance, accept that young people can be more conservative than older people due to cohort socialisation (as seen in the vote for the Alternative for Germany in the 2013 Bundestag election or the Front National in the French 2015 local election), this would already be a sign of deeper understanding.
  • Politicians and public officials are obliged to understand social structures and political preferences in ageing democracies. Thus, it is also their responsibility to seek out and to try to understand the complex findings of social science research.
  • Politicians and public officials must take families seriously, not as a normatively charged term that separates conservatives from progressives, but as an intergenerational transmission belt that keeps age groups together. As long as voters interact intensively with other age groups in the family, they will always be aware of the political interests of those with whom they are closely connected. Even the growing group of childless people interacts intensively with other age groups, namely their own parents and so called social children. Looking at older or younger people without their family contexts suggests an atomised view of political beings that is not helpful.
  • Constitutional rules need to be changed to allow generationally sensitive policy-making. Whereas those who are grown-ups today can seek existing ways of making themselves heard, it is especially children and future cohorts that have yet to be born who are most affected by today’s policy decisions. An easy solution is the idea of an elected ombudsperson to represent these groups. These ombudspersons must be given the right to be heard in all legislative decisions and the resources to substantiate their positions. There are a variety of parliamentary commissions on the rights of future generations, such as in Brazil, Chile, Finland, Germany or Israel. However, the way forward should be a single person with a resourceful apparatus that must be heard. This may be the better way to go as it is likely to have a higher impact. Wales (since 2015) and Hungary (since 2012) are currently the forerunners of such an office in Europe.
  • There needs to be a shift away from older people in the discussion about the politics of ageing democracies. Population ageing implies that other age groups are changing in size, too, and these changes may affect their social and political positions. For example, in Germany, old age poverty is a vivid image in the minds of many Germans with 57% fearing a much lower living standard at old age (Tagesschau 2016). But old age poverty is a small problem in Germany with only 17.2% of 65+-citizens living in poor households in 2015 compared to a mean of 19.7 % in 27 EU-countries. Child poverty with 18.6 % of all 0-16 year old is a bigger problem that is talked about far less (Eurostat 2017). Also, population ageing does not take place independently of other processes: changes in income inequality, changes in the ethnic composition of a society, changes in the labour market – all of these happen alongside population ageing and are intrinsically interwoven with it. An overly strong focus on older people in the politics of ageing democracies is short-sighted and will likely distort any valid conclusions.

 

REFERENCES

Davidson, Scott. 2005. “Grey Power, School Gate Mums and the Youth Vote: Age as a Key Factor in Voter Segmentation and Engagement in the 2005 UK General Election.” Journal of Marketing Management 21 (9-10):1179-92.

Doyle, Martha. 2015. The Politics of Old Age: Older People’s Interest Organisations and Collective Action in Ireland. Manchester: Manchester University Press.

Doyle, Martha, and Virpi Timonen. 2013. “Powerless Observers? Policymakers’ Views on the Inclusion of Older People’s Interest Organizations in the Policy Process in Ireland.” In The Making of Aging Policy: Theory and Practice in Europe, ed. T. S. Linden and R. Ervik. Cheltenham and Northampton: Edgar Elgar.

Eurostat. People at Risk of Poverty or Social Exclusion by Age and Sex  2017 [cited. Available from http://appsso.eurostat.ec.europa.eu.

Goerres, Achim. 2009. The Political Participation of Older People in Europe: The Greying of Our Democracies. Basingstoke: Palgrave Macmillan.

Hanley, Sean. 2012. “Explaining the Success of Pensioners’ Parties: A Qualitative-Comparative Analysis of 31 European Democracies.” In Ageing Populations in Post-Industrial Democracies: Comparative Studies of Policies and Politics, ed. P. Vanhuysse and A. Goerres. London: Routledge.

Hering, Martin. 2012. “Live Longer, Work Longer? Intergenerational Fairness in Retirement Age Reforms in Germany and the United Kingdom.” In Ageing Populations in Postindustrial Democracies, ed. P. Vanhuysse and A. Goerres. Abingdon: Routlege.

Sanderson, Warren C., and Sergei Scherbov. 2007. “A Near Electoral Majority of Pensioners: Prospects and Policies.” Population and Development Review 33 (3):543-54.

Sinn, Hans-Werner, and Silke Uebelmesser. 2002. “Pensions and the Path to Gerontocracy in Germany.” European Journal of Political Economy 19:153–8.

Tagesschau. 2017. Deutsche fürchten sich vor Altersarmut  2016 [cited 19 April 2017]. Available from https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend-543.html.

Tepe, Markus, and Pieter Vanhuysse. 2012. “Accelerating Smaller Cutbacks to Delay Larger Ones? The Politics of Timing and Alarm Bells in OECD Pension Generosity Retrenchment.” In Ageing Populations in Postindustrial Democracies, ed. P. Vanhuysse and A. Goerres. Abingdon: Routlege.

 

 

 

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How the young get more than the elderly out of society – but not out of the state

Pieter Vanhuysse, University of Southern Denmark

Accusations levelled against the baby boomer generation for hoarding too much wealth and wielding too much “grey power” in an age of “gerontocracy” have become commonplace across Europe. At the centre of this debate lies the question of what resources different generations pass on to each other – and what is fair.

But in a new research paper on intergenerational transfers, demographers Robert Gal, Lili Vargha and I argue that it’s misleading to portray older people as benefiting more from society than younger people.

Complaints of intergenerational unfairness are often based purely on analysis of how much public money is spent on people at different stages of their lives. There are lots of available statistics on these state transfers, which makes them easier to analyse. But focusing on this public spending means researchers often ignore the massive resources that families themselves transfer among generations, in cash and in time.

We found that by looking at the amount of cash and time working aged people give to their own family members, it’s actually the young who turn out to get the most from society – but mainly from their parents, not states.

So much valuable time is spent within families in unpaid household labour, for instance, spent raising children and cooking, cleaning, and caring for them. And it’s often also spent caring for grandparents or great grandparents too if they become frailer.

In our research, we analysed both public policies around state transfers, as well as family cash transfers and time transfers for ten European countries in the early 21st century, including France, Germany, Italy, Spain, Finland and Sweden, and the UK. We found that welfare state spending in all these countries is indeed biased towards the elderly. States do devote significantly more resources per capita to the old than to the young.

But once we also took into account family transfers of cash and time, the picture changes radically. European societies actually transfer more than twice as many per capita resources overall to children as they do to older people. In other words, Europe is a continent of pro-elderly welfare states, embedded within societies composed of strongly child oriented families.

Time is of the essence

Net time transfers from one generation to another are highest among newborns. Quite naturally, babies need the most time intensive care. During their first year of life, European babies receive on average more per capita in time alone than a person in the prime of their working life would earn in a year. In other words, they receive in time transfers the equivalent of more money than an average man aged 30 to 49 working in that country would receive as take home pay.

These time transfers subsequently decrease, but they remain substantial for a long time. In time transfers alone, five-year-olds still receive the equivalent of more than seven months’ wages of the average worker aged between 30 and 49. Children still receive more than a third of this income at age ten, and more than a fifth at age 15. Europeans only start giving time – mainly to children – from age 25.

The largest net time contributors are in their thirties to mid-forties. This is the notorious “rush hour of life”, when many adults are simultaneously at the most stressful point in their careers and also shoulder the heaviest household and family care duties. Adults in Europe keep giving – rather than receiving – time from age 25 right until age 79. This reflects the housework, grandparenting, and other civil society activities undertaken by Europeans in their sixties and seventies.

Childhood lasts until 25

When we combined all three types of intergenerational transfer – public policies financed by taxes and social security contributions, and families’ transfers of both cash and time – we could then calculate the full net balance of all resources received at any stage of life.

All in all, children between birth and age nine receive the equivalent of between 12 and 17 months of what an average worker in the prime of their working life tends to earn in their country. This is more than even the very oldest receive – those aged 90 and above. Young Europeans still receive more than three quarters of that income, right until they reach age 17 – close to official voting age.

Our method allows us to define stages of the life cycle according to what we call “net total resource dependency” – the total resources people consume, minus their total contributions. The findings strongly question the conventional idea that childhood lasts until age 18, and old age starts from age 65. Instead, our research showed that childhood in Europe lasts on average until age 25, while old age starts at age 60.

So the key question is why don’t states take a greater role in helping families raise children? After all, children are public goods. Their future taxes, innovations and other contributions will later benefit all of society, including people who don’t become parents.

Since the start of the 21st century, politicians across the EU have increasingly proclaimed state investment in human capital as the new social policy paradigm. The EU continues to emphasise the importance of “social investment” among its member states.

Yet despite much political rhetoric, actual state investment in children is still comparatively small in most of Europe, except for Scandinavian countries. In my research on early human capital investment, I’ve shown that in the first decade of the 21st century, state spending on early childhood education and care averaged only 0.6% of GDP in the Western EU member states, and 0.4% in Eastern member states. This is a tiny fraction of state spending on unemployment, pensions or health care.

The ConversationRemember that children are public goods. Since they are also ever scarcer in ageing societies, the case is even stronger for a lot more state investment in their skills and human capital.

Pieter Vanhuysse, Professor of Comparative Welfare State Research, University of Southern Denmark

This article was originally published on The Conversation. Read the original article.

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There will never be a political age conflict between the young and the old.

This essay is the fifth in a series written by Achim Goerres for the project “Ageing Democracies? Political Participation and Cultural Values Among the Elderly in Europe” financed by the Open Society Foundation. The complete project report with all essays and the reports written by the other project members can be found here. In this essay Achim Goerres argues that there is no such thing as an age cleavage, and that it is highly unlikely to ever become a conflict line along to which the political system organises.

It seems plausible that population ageing in Europe will lead to a permanent conflict between young and old. Most European countries have extensive and therefore expensive welfare states that need to be financed. If an increasing number of pensioners live on the resources being paid into the system, a competition for scarce public resources between them and all other people should result from this. However, I argue that such a conflict does not materialise in the true sense of a political conflict and is unlikely to ever arise.

Social scientists have studied political conflicts for a long time. They have developed the notion of a political cleavage, a permanent line of conflict about material or normative claims. A typical cleavage is the one between workers/employees on the one hand and business owners on the other hand. A cleavage has a number of constituent elements that we will go through one by one in order to see if there really is an age cleavage (Fabbrini 2001). I will show that basically none of the constituent elements is met for an age conflict.

First, we have a clear, objective definition of the groups with opposing interests. Pensioners seem to be a clearly defined group with shared material interests. However, their shared material interests are moderated to a large extent by their overall income situation. Rich pensioners and poor pensioners do not share a lot of interests. And even if they did, who is the opposing group? People of working age may be the obvious answer. They have to pay more into the welfare state while pensioners take resources out of it. However, someone who is within a year of retirement probably has more in common with pensioners than with people in the workforce. Also, the boundary between these two groups is transient. Working middle-aged people aspire to become old and therefore become part of the “opposing group”.

Second, specific demands on the state must be shared within the group and be differed between groups. Many studies have looked at areas of social policy where differences between age groups might be expected (Busemeyer et al. 2009). When you ask people whether they think there should be more, less or the same amount of spending in education, there are some age-related interests, with younger people being more in favour of education spending than older people. However, the differences are remarkably small. In 1996, the highest estimated difference in Europe between pensioners aged sixty and over and those working between ages 30 and 59 was about 12 percentage points for education spending in France. In the same study, the highest difference in spending preferences in education was in Canada, Australia and the USA, where higher education is largely privatized and the welfare state redistributes very little in this area. In some countries, the difference was actually zero, meaning that there were absolutely no attitudinal differences between potentially opposing groups.

Surely, age matters in explaining policy attitudes, but the differences are not that great and they vary significantly across countries, with the largest differences lying outside of Europe. Moreover, the evidence presented stems from a simple survey question where people have to decide on one issue alone with no trade-off towards other issues and no inter-temporal consideration. This is a very rare political situation in actual democratic politics. It is comparable to referenda on social policy issues with age-related relevance. These exist in very few countries with such referenda. In Europe, the most important example is Switzerland. There, studies on referendum voting do reveal a small, but clear age differences in voting on things such as reforms to pension systems (Bonoli and Häusermann 2009). In other words, these small preferential differences would matter politically in a direct-democratic setting. However, since almost all of Europe consists of representative democracies with only fractions of direct democracy, these differences do not play out.

This argument is not to be mistaken with age differences in referendum results per se. For instance, the early analyses of the Brexit vote showed a higher likelihood to vote “Leave” among older voters (Hobolt 2016; Goodwin and Heath 2016). However, these tendencies are more likely to be due to cohort differences, as we discussed previously in the essay 3 on conservatism, as due to life cycle differences. Cohort differences come and go. A real age cleavage necessitates preferences due to life cycle differences.

Third, members of the group need to share an awareness of their mutual material interests. As mentioned in the essay on social inequalities at old age, rich pensioners and poor pensioners are unlikely to share a common perception of the same interests. Among workers, the situation is highly stratified by education, income and education as well. The low-paid, low-skilled worker is unlikely to share interests with a highly-paid, highly-skilled worker. A rich middle-aged person has little interest in state investment whereas a poor middle-aged person does have exactly that interest. So, even when people are in the same position age-wise, they have very different interests in the state paying in the educational area, for instance. The rich person wants to buy education by him or herself and not pay taxes for others to benefit, the poor person wants to benefit from the redistribution of educational possibilities in the public system.

Fourthly, there must be little day-to-day interactions between social groups for a conflict to fully develop (Collins and Annett 1975). Having as little interaction as possible increases the chances of demonising members of the other group and developing stereotypes that further the antagonism between them. In contrast, if people meet members of a socially constructed group in a unforced manner as equals with common goals and no competition (Pettigrew 1998), stereotypes are dissolved.

Social interactions between age groups are rare in everyday European life, a pattern that should facilitate an age conflict. Social circles of friends and work colleagues are often characterised by a high level of age homogeneity (Verbrugge 1977; Feld 1982). In the former case, this is because we like to surround ourselves by people like us and use age to inform that decision. In the latter case, it is because age correlates with seniority, which often structures the workplace. So, if people were only to associate with friends and work colleagues, age-stereotyping would be facilitated. However, there remains one locus of age-heterogeneous interaction: the family. Within the family, people engage in conversations, in exchanges of money and time across age groups (Albertini et al. 2007). The family is crucial for preventing them from further developing stereotypes about other age groups. This is not to mean that individuals with families do not hold age stereotypes, but these stereotypes are unlikely to demonise family members as members of an adversarial age group with whom one is competing for public resources.

Voluntary childlessness is a very striking development across Europe and could potentially affect this line of argument. If people choose not to have children, the interaction line with the lower age group is broken. However, studies of the social behaviour of childless people reveal that they tend to substitute the lack of their own children with “social children”, often the children of a preferred sibling (Albertini and Kohli 2009; Kohli and Albertini 2009). The patterns of exchange that are observed between the childless and their social children are very similar, albeit less intense, to those observed for parents and their offspring.

Finally, there must be an elite that organises the political interests of the groups in conflict. This elite must be able to claim some sort of leadership to defend the political interests of their group. It must be able to unify the group, increase awareness of shared interests among its members and take political action. Which organisations would do this in case of an age conflict? Trade unions may be the natural representatives of the working population. However, trade unions do not represent the self-employed and sometimes go a long way towards representing pensioners’ interests as well (Gumbrell-McCormick and Hyman 2013). Seniors’ organisations exist in all European countries, but their organisational structures and political power vary quite a lot (see also the upcoming sixth essay of this series on politicians catering to a non-existent constituency). Some countries, like Germany, have a very heterogeneous landscape of pensioner organisations where not one federation or one organisation can claim to represent a homogenous set of pensioners’ interests. Thus, there is no sign of organisational mobilisation for a potential age conflict.

What remains of the supposed political age conflict? Diffuse lines separating potential groups in conflict, little agreement over common interests within age groups, no organisational structures to represent “the old” or “the young”. However, there remain some attitudinal differences that can be explained by the position in the life cycle. If political outcomes were only determined by direct-democratic means, these attitudinal differences would matter politically. Since almost all political outcomes are based on decisions in representative democracies, however, this is not the case.

 

REFERENCES

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Verbrugge, Lois M. 1977. “The Structure of Adult Friendship Choices.” Social forces 56 (2):576-97.

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Migranten auf dem Stimmzettel: Eine Vignettenanalyse zur Untersuchung der Wirkung der ethnischen Herkunft von politischen Kandidaten in Verbindung mit weiteren Kandidateneigenschaften auf die Kandidatenevaluation der Wähler

Von Erik Wenker

Dem Beitrag liegt die Bachelorarbeit des Autors zugrunde, die am Lehrstuhl für Empirische Politikwissenschaft von Dr. Sabrina Mayer und Prof. Dr. Achim Goerres betreut wurde.

Während Migranten medial, politisch und wissenschaftlich zunehmend als relevante Wählergruppe wahrgenommen werden und auf dem politischen Parkett ankommen, um beispielsweise als Parteivorsitzende zu amtieren (Street 2014: 375), sind sie in Deutschland und Europa gleichzeitig parlamentarisch unterrepräsentiert (Bird/Saalfeld/Wüst 2011; Bloemraad/Schönwälder 2013).

Um diese Benachteiligung von Migranten zu erklären, lässt sich neben der Angebotsseite der Parteien – in diesen identifiziert Street etwa Hürden für Angehörige von Minderheiten – auch die Nachfrageseite der Wähler betrachten (Street 2014: 375). Wird ein Kandidat mit Migrationshintergrund von den Wählern ethnisch belohnt oder leidet er im Gegenteil unter einer ethnischen Bestrafung? Neigen Wähler dazu, Kandidaten positiver zu evaluieren, wenn sie mit diesen die gleiche ethnische Herkunft teilen, bzw. wenn sie wie diese einen bzw. keinen Migrationshintergrund haben? Oder sind weitere Kandidateneigenschaften, etwa die von einem Kandidaten vertretenen politischen Positionen, wichtiger für die Beurteilung des selbigen?

Wie wirkt also die ethnische Herkunft von politischen Kandidaten auf die Kandidatenevaluation der Wähler?

Eine Antwort auf diese Frage könnte die von Tajfel und Turner (1979) sowie Tajfel (1982b) entwickelte Theorie der sozialen Identität (SIT) geben, die folgende Kernargumentation enthält: Individuen bedürfen einer positiven Bewertung ihrer selbst (Tajfel 1982a: 101). Damit das Individuum ein positives Selbstkonzept erreichen kann, nimmt es unter anderem für sich günstige Vergleiche zwischen den Eigengruppen (beispielsweise der ethnischen Gruppe, der es angehört) und Fremdgruppen vor. Diese Unterscheidung zwischen Eigen- und Fremdgruppen und somit auch das Wissen um die Gruppenmitgliedschaften und die Behaftung dieser mit einem Wert, bilden einen Teil des individuellen Selbstkonzepts, der soziale Identität genannt wird (Tajfel 1982a: 102). Da die Individuen im Rahmen ihrer sozialen Vergleiche eines positiven Vergleichsergebnisses bedürfen, werden Gruppenmitglieder ihrer eigenen Gruppen im Vergleich zu anderen Gruppen positiv wahrgenommen (Phenice/Griffore 2000: 29ff.), die Ingroups also gegenüber den Outgroups bevorzugt.

Auf der Grundlage der SIT kann somit angenommen werden, dass Wähler ihre Wahlentscheidung nicht policy-, sondern identitätsbasiert treffen. Im Hinblick auf die formulierte Forschungsfrage richtet sich der Fokus dabei auf die ethnische Identität der Wähler, wobei der Zusammenhang mit der ethnischen Identifikation der Wähler und der Kandidatenevaluation untersucht wird. Wenn Wähler ein Mitglied ihrer Ingroup wählen, wird also nicht die Perspektive der Policies eingenommen. Vielmehr bietet die Bevorzugung der Ingroup in Wahlen dem individuellen Wähler im Rahmen seiner sozialen Identität die Möglichkeit, eine positive Selbstbewertung zu erzielen. Gemäß den Implikationen der SIT wird also von der Erwartung ausgegangen, dass etwa Menschen mit deutscher Herkunft Kandidaten mit deutscher Herkunft positiver beurteilen als Kandidaten mit einer anderen ethnischen Herkunft. Die SIT eignet sich somit dazu, das sogenannte koethnische Wählen zu erklären (Sigelman/Sigelman 1982).

Allerdings ist zu beachten, dass die ethnische Identität der einzelnen Individuen einer ethnischen Gruppe nicht gleichermaßen hoch sein muss. Weil die SIT koethnisches Wählen als Folge der Bevorzugung der Eigengruppe erklärt, ist zu erwarten, dass „ethnic minority citizens with a stronger ethnic identity should be less likely to vote for an ethnic minority candidate, and that those with a weakest ethnic identity should not be more likely to support the minority candidate“ (Murakami 2014: 24). Somit ist also auch der Grad der ethnischen Identifikation zu berücksichtigen.

Im Rahmen der folgenden Untersuchung reicht es analytisch und argumentativ aus, nicht zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen zu unterscheiden, sondern Menschen mit und ohne Migrationshintergrund als soziale Gruppen aufzufassen. Schließlich teilen Migranten etwa mit Blick auf ihre Migrationserfahrung ein gemeinsames Schicksal, wenn die Immigrationsgeschichte auch je spezifisch ausgestaltet ist. Den verschiedenen Migrantengruppen ist zudem gemeinsam, dass sie der ethnischen Majorität der Menschen mit einer deutschen Herkunft gegenüberstehen.

Folgende Hypothesen, die auf der Grundlage von Daten einer Befragung überprüft werden sollen, können letztlich aus der SIT abgeleitet werden:

H1: Befragte ohne Migrationshintergrund bzw. mit deutscher Herkunft, die sich stärker mit ihrer ethnischen Herkunft identifizieren, bewerten Kandidaten ohne Migrationshintergrund bzw. mit deutscher Herkunft durchschnittlich positiver als Kandidaten mit Migrationshintergrund bzw. mit nicht-deutscher Herkunft.

H2: Befragte mit Migrationshintergrund bzw. mit einer nicht-deutschen ethnischen Herkunft, die sich stärker mit ihrer ethnischen Herkunft identifizieren, bewerten Kandidaten mit Migrationshintergrund bzw. mit einer nicht-deutschen Herkunft durchschnittlich positiver als Kandidaten ohne Migrationshintergrund bzw. mit deutscher Herkunft.

Zur Überprüfung dieser Hypothesen eignet sich besonders die Methode der Vignettenanalyse, da sie die Komplexität der Eigenschaften von Kandidaten gut auffangen kann. Dabei werden den Befragten im Rahmen einer Umfrage kurze Personen- oder Situationsbeschreibungen, die als Vignetten bezeichnet werden, präsentiert. Im Fall der vorliegenden Untersuchung handelt es sich um fiktive Kandidatenbeschreibungen.

Innerhalb dieser Vignetten werden verschiedene Merkmale, die sogenannten Vignettendimensionen (in diesem Fall verschiedene Kandidateneigenschaften), in ihren Ausprägungen variiert. Den Befragten wird dann beispielsweise eine Vignette wie in Abbildung 1 gezeigt. Die Kandidatenbewertung wird mittels der Frage gemessen, für wie wahrscheinlich es der Befragte hält, dass er den jeweiligen Kandidaten wählen würde.

 Abbildung 1: Beispielvignette

Im September 2017 bewirbt sich Frau Worobjowa für den Bundestag. Sie sitzt seit zehn Jahren im Landtag und möchte sich im Bundestag für eine Erhöhung der Zahlungen an Langzeitarbeitslose einsetzen.Die Kandidatin spricht sich außerdem gegen eine Obergrenze für Flüchtlinge aus, ist muslimisch und lebt seit der Geburt in Deutschland.

 Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie diese Kandidatin wählen würden?

Bitte antworten Sie auf einer Skala zwischen ‚0‘ „sehr unwahrscheinlich“ und ‚10‘ „sehr wahrscheinlich“.

„sehr unwahrscheinlich“ 0 ☐☐☐☐☐☐☐☐☐☐ 10 „sehr wahrscheinlich“

Das Vignettenexperiment wurde als Online-Umfrageexperiment mit nach Datenbereinigung 279 Interviews durchgeführt, wobei hinzuzufügen ist, dass der Umfrage keine repräsentative Stichprobe zugrunde liegt, die Studie daher also zunächst eher explorativen Charakter hat.

Die Ergebnisse der Auswertung werden im Folgenden ausschnittartig und mit Blick auf die oben formulierten Hypothesen vorgestellt.

In einem ersten Schritt wurde eine OLS-Regression mit clusterrobusten Standardfehlern durchgeführt, welche nur die Vignettendimensionen als unabhängige Variablen einbezieht (Modell 1). In den weiteren Modellen wurden auch die Befragtenmerkmale des Alters (Modell 2), der Bildung (Modell 3) und der Links-Rechts-Einstufung (Modell 4) als Kontrollvariablen hinzugefügt.

Wie sehen nun also die Effekte der unabhängigen Variablen auf die abhängige Variable der Kandidatenevaluation aus? Entsprechend den Hypothesen werden die Ergebnisse für die Gruppen der Menschen ohne und mit Migrationshintergrund getrennt analysiert. Zunächst zur Gruppe der Menschen ohne Migrationshintergrund (Tabelle 1).

Tabelle 1: Vergleich verschiedener Regressionsmodelle der Kandidatenevaluation für Befragte ohne Migrationshintergrund (OLS-Regression mit clusterrobusten Standardfehlern)

Kandidatenevaluation
Modell 1 Modell 2 Modell 3 Modell 4 Modell 5
Vig.: Geschlecht: männlich 0,00 0,00 0,00 0,00 0,05
  (0,01) (0,01) (0,01) (0,01) (0,12)
Vig.: Ethnische Herkunft: deutsch 0,01 0,01 0,01 0,01 -0,64*
  (0,01) (0,01) (0,01) (0,01) (0,28)
Vig.: Landtagserfahrung: zehn Jahre 0,04** 0,03** 0,03** 0,03** 0,37**
  (0,01) (0,01) (0,01) (0,01) (0,14)
Vig.: Sozioökonomische Policy: für Erhöhung -0,01 -0,01 -0,01 -0,01 -0,13
  (0,02) (0,02) (0,02) (0,02) (0,18)
Vig.: Migrationsspez. Policy: für Obergrenze -0,20*** -0,20*** -0,20*** -0,20*** -2,20***
  (0,02) (0,02) (0,02) (0,02) (0,22)
Vig.: Religion: muslimisch -0,02* -0,02* -0,03* -0,02* -0,26
  (0,01) (0,01) (0,01) (0,01) (0,13)
Vig.: Aufenthalt in Deutschland: seit zwanzig Jahren 0,01 0,01 0,01 0,01 0,10
  (0,01) (0,01) (0,01) (0,01) (0,12)
Resp.: Alter -0,16 -0,22* -0,20* -0,03*
  (0,10) (0,10) (0,10) (0,01)
Resp.: Bildung -0,14 -0,13 -0,23
(0,09) (0,08) (0,16)
Resp.: Links-Rechts-Einstufung 0,08 0,09
(0,05) (0,06)
Resp.: Identifikation mit Deutschland
2. kaum 0,12
  (0,77)
3. mittelmäßig 0,50
  (0,69)
4. stark 0,23
  (0,70)
5. sehr stark 0,19
  (0,76)
Interaktionseffekt

Resp.: Identifikation mit Deutschland x vig.: Ethnische Herkunft: deutsch      2. kaum x deutsch    0,77     (0,51)3. mittelmäßig x deutsch    0,83*     (0,34)4. stark x deutsch    0,65     (0,34)5. sehr stark x deutsch    1,06**     (0,40)Konstante0,54***0,60***0,73***0,69***9,23*** (0,02)(0,03)(0,08)(0,09)(1,31)N (Vignetten)19541909190919091902R20,1450,1530,1550,1580,163Adj. R20,1420,1500,1510,1540,155

***: p < 0,001, **: p < 0,01, *: p < 0,05; Variablen in Modell 1-4 standardisiert.

Mit Blick auf die Annahmen der SIT ist vor allem bemerkenswert, dass die Policy-Positionierung des Kandidaten einen stärkeren Effekt als die ethnische Herkunft hat. Offenbar beeinflusste die Policy die Bewertung der Befragten also stärker als die Kandidatenherkunft. Hier kommt die Idee einer Überstrahlung der Kandidateneigenschaften durch Policy-Positionen zum Ausdruck (etwa Sigelman et al.: 1995). Allerdings muss hinzugefügt werden, dass der Effekt der sozioökonomischen Policy sehr gering ist.

Um Hypothese 1 zu testen, wurde in Modell 5 eine Erweiterung um das Befragtenmerkmal der Identifikation mit Deutschland und den Interaktionseffekt zwischen letzterer und der deutschen Herkunft der Kandidaten vorgenommen.

Hinsichtlich der ersten Hypothese, die auf die Gruppe der Menschen deutscher Herkunft zielt, lag teilweise empirische Evidenz vor. Befragte ohne Migrationshintergrund, die eine sehr starke Identifikation mit Deutschland aufwiesen, bewerteten koethnische Kandidaten durchschnittlich positiver als Kandidaten mit Migrationshintergrund. Da der Effekt bei den sich stark mit Deutschland identifizierenden Befragten nicht signifikant ist, sind die Ergebnisse zunächst nicht hinreichend deutlich. Allerdings liegt bei mittelmäßiger Identifikation ein signifikanter Effekt vor, der eine positive Richtung aufweist. Offenbar besteht jedoch kein linearer Zusammenhang. Zumindest sind die Ergebnisse für Menschen deutscher Herkunft, die sich stark, mittelmäßig oder kaum mit Deutschland identifizieren, nicht eindeutig genug.

Die weitere Analyse konzentriert sich auf die Ergebnisse der Regressionen für die Subgruppe der Menschen mit Migrationshintergrund (Tabelle 2). Ziel ist die Überprüfung von Hypothese 2.

Tabelle 2: Vergleich verschiedener Regressionsmodelle der Kandidatenevaluation für Befragte mit Migrationshintergrund (OLS-Regression mit clusterrobusten Standardfehlern)

Kandidatenevaluation
Modell 1 Modell 2 Modell 3 Modell 4 Modell 5
Vig.: Geschlecht: männlich 0,01 0,02 0,02 0,02 0,18
  (0,02) (0,02) (0,02) (0,02) (0,23)
Vig.: Ethnische Herkunft: deutsch 0,00 0,02 0,02 0,02 -0,14
  (0,02) (0,02) (0,02) (0,02) (0,54)
Vig.: Landtagserfahrung: zehn Jahre -0,01 -0,04 -0,03 -0,02 -0,26
  (0,02) (0,02) (0,02) (0,02) (0,21)
Vig.: Sozioökonomische Policy: für Erhöhung 0,02 0,04 0,04 0,04 0,47
  (0,02) (0,03) (0,03) (0,03) (0,36)
Vig.: Migrationsspez. Policy: für Obergrenze -0,10** -0,12** -0,12** -0,12** -1,39**
  (0,03) (0,04) (0,04) (0,04) (0,42)
Vig.: Religion: muslimisch 0,00 0,01 0,01 0,01 0,06
  (0,02) (0,02) (0,02) (0,02) (0,17)
Vig.: Aufenthalt in Deutschland: seit zwanzig Jahren 0,00 -0,02 -0,02 -0,02 -0,19
  (0,01) (0,02) (0,02) (0,02) (0,20)
Resp.: Alter -0,41** -0,58*** -0,62** -0,07*
  (0,14) (0,16) (0,18) (0,03)
Resp.: Bildung -0,59 -0,61 -0,81
(0,31) (0,36) (0,62)
Resp.: Links-Rechts-Einstufung 0,10 0,11
(0,10) (0,12)
Resp.: Identifikation mit dem Herkunftsland
2. kaum 0,86
  (0,59)
3. mittelmäßig 0,64
  (0,61)
4. stark -0,11
  (0,62)
5. sehr stark 0,17
  (0,75)
Interaktionseffekt

Resp.: Identifikation mit dem Herkunftsland x vig.: Ethnische Herkunft: deutsch      2. kaum x deutsch    0,22     (0,99)3. mittelmäßig x deutsch    0,40     (0,65)4. stark x deutsch    -0,41     (0,68)5. sehr stark x deutsch    0,91     (0,70)Konstante0,50***0,65***1,19***1,17***11,83** (0,03)(0,05)(0,27)(0,32)(3,79)N (Vignetten)983632620620608R20,0410,0950,1050,1100,141Adj. R20,0340,0830,0920,0950,115

***: p < 0,001, **: p < 0,01, *: p < 0,05; Variablen in Modell 1-4 standardisiert.

Mit Blick auf Hypothese 2 wurden in Modell 5 die Identifikation mit dem Herkunftsland sowie der Interaktionseffekt zwischen dieser und der deutschen Herkunft der Kandidaten integriert.

Hinsichtlich des Interaktionseffekts liegen keine signifikanten Effekte vor. Zwar evaluieren die Migranten, die sich stark mit ihrem Herkunftsland identifizieren, Kandidaten ohne Migrationshintergrund durchschnittlich negativer, diskriminieren mithin also die Fremdgruppe. Migranten, die sich sehr stark mit ihrem Herkunftsland identifizieren, bewerten Kandidaten deutscher Herkunft hingegen im Schnitt positiver. Hypothese 2 findet somit keine vorläufige Bestätigung. Die Ergebnisse widersprechen insgesamt betrachtet den Annahmen der SIT, zumal die Effekte schlicht nicht signifikant sind.

Diese Ergebnisse sind sicherlich vor dem Hintergrund zu interpretieren, dass das Sample vor allem aus Migranten jüngeren Alters bestand, mithin also aus Migranten der zweiten oder dritten Generation. Einen Erklärungshinweis gibt die assimilation theory, auf die Wolfinger (1965) rekurriert und so ethnisches Wählen mit einem Zeitfaktor verknüpft. Somit steigt die Identifikation mit der ethnischen Majorität vor dem Hintergrund einer zunehmenden Ausdifferenzierung der politischen Interessen von Migranten und Auflösung einer vorher womöglich existenten Homogenität. Es ist also davon auszugehen, dass bei den jüngeren Migranten im Rahmen der Assimilation bereits eine stärkere Identifikation mit Deutschland und somit gemäß der theoretischen Ausarbeitung auch mit deutschen Kandidaten vorliegt.

Zudem zeigte die univariate Analyse, dass ein wesentlicher Teil der Befragten den Hintergrund der Russischen Föderation bzw. Ehemaligen Sowjetunion aufwies. In ihrem Selbstverständnis stellen diese vermutlich die ethnische Gemeinsamkeit mit Deutschen in den Vordergrund und identifizieren sich somit (auch) als Deutsche. Schließlich wurden ca. 26 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund als Aussiedler identifiziert.

Nicht zu vergessen ist darüber hinaus, dass die Zahl der Migranten im Sample recht gering ist, was die statistische Kraft der Ergebnisse infrage stellt.

Die geringe Erklärungskraft der Modelle verweist einerseits darauf, dass weitere Befragten- und Vignettenmerkmale in künftige Analysen einbezogen werden sollten, und stellt andererseits die Bedeutung der ethnischen Herkunft als Kandidateneigenschaft infrage. Sind etwa die Policy-Positionen entscheidender für die Kandidatenevaluation?

Weitere Untersuchungen könnten zur Präzisierung der Effekte zudem eine repräsentative Befragtenauswahl vornehmen und das N des Samples erhöhen. Außerdem sollte eine größere Varianz der Befragten erreicht werden, indem zum Beispiel mehr ältere Teilnehmer rekrutiert werden.

Referenzen

Bird, Karen/Saalfeld, Thomas/Wüst, Andreas M. (2011): The Political Representation of Immigrants and Minorities. Voters, Parties and Parliaments in Liberal Democracies. London, New York: Routledge.

Bloemraad, Irene/Schönwälder, Karen (2013): Immigrant and Ethnic Minority Representation in Europe: Conceptual Challenges and Theoretical Approaches. In: West European Politics, 36 (3): 564-579.

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Phenice, Lillian A./Griffore, Robert J. (2000): Social Identity of Ethnic Minority Families. An Ecological Approach for the New Millennium. In: Michigan Family Review, 5 (1): 167-171.

Sigelman, Lee/Sigelman, Carol K. (1982): Sexism, Racism, and Ageism in Voting Behavior. An Experimental Analysis. In: Social Psychology Quarterly, 45 (4): 263-269.

Sigelman, Carol K./Sigelman, Lee/Walkosz, Barbara J./Nitz, Michael (1995): Black Candidates, White Voters. Understanding Racial Bias in Political Perceptions. In: American Journal of Political Science, 39 (1): 243-265.

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Tajfel, Henri (1982b): Social Psychology of Intergroup Relations. In: Annual Review of Psychology, 33 (1): 1-39.

Tajfel, Henry/Turner, John (1979): An Integrative Theory of Intergroup Conflict. In: Austin, William G./Worchel, Stephen (Hrsg.) (1979): The Social Psychology of Intergroup Relations. Monterey, Calif: Brooks/Cole Pub. Co: 33-47.

Wolfinger, Raymond E. (1965): The Development and Persistence of Ethnic Voting. In: The American Political Science Review, 59 (4): 896-908.

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Welchen Einfluss haben persönliche Veränderungen auf die Bereitschaft nicht-institutionell politisch zu partizipieren?

von Florian Gerls.

Die Teilhabe am politischen Prozess ist zweifellos Grundpfeiler einer jeden Demokratie. Klassisch durch Wahlen realisiert fand in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Zunahme von, bis dahin als unkonventionell bezeichneten, Formen politischer Partizipation statt. Demonstrationen, Bürgerinitiativen und Unterschriftenaktionen wurden zunehmend als Möglichkeit zur Ergänzung und später auch als Alternative zur Beteiligung an Wahlen eingeschätzt. Es lässt sich also eine Forderung nach weiteren politischen Einflussmöglichkeiten zu dieser Zeit konstatieren, welche schon von Willy Brand in seiner Regierungserklärung mit den Worten „Mehr Demokratie wagen“ aufgegriffen wurde. Heutzutage scheint die Teilnahme an Demonstrationen, das Unterschreiben von Petitionen und ein Engagement in Bürgerinitiativen, welche sich als Formen nicht-institutionalisierter Partizipation benennen lassen, beinahe selbstverständlich in der politischen Auseinandersetzung zu sein.

Auch wenn etwa bei Demonstrationen gegen Stuttgart 21 partizipierende Personen abwertend als „Wutbürger“ bezeichnet wurden, so liegen genannten Partizipationsinstrumenten wichtige demokratische Potentiale wie etwa eine Ventilfunktion zugrunde (Wagschal 2015; S.99). Zudem können durch nicht verfasste Formen politischer Partizipation bestimmte Interessen zum Ausdruck gebracht und diese anschließend in den politischen Prozess eingespeist werden (Lauth; Pickel; Pickel 2014; S.248). Daneben wird die Unzufriedenheit mit der „politischen Klasse“ besser identifiziert, was eine Stärkung der Demokratie zur Folge hat (Offe 2012; S.43). Auf Basis der Funktionen für die Demokratie als solche ist es wenig verwunderlich, dass nicht-institutionalisierte politische Partizipation schon vor einiger Zeit in den politikwissenschaftlichen Fokus gerückt ist.

Auffallend dabei ist, dass in der Fülle an Studien der Forschungsgegenstand vorwiegend im Querschnitt analysiert wird. In diesen wird untersucht, inwieweit Unterschiede bezüglich verschiedener Merkmale zwischen Menschen die Partizipationsbereitschaft selbiger beeinflussen. Doch zweifelsohne variieren viele für die Partizipation wichtige Merkmale im Lebensverlauf einer Person. Der Notwendigkeit, den Einfluss von individuellen Veränderungen auf die Bereitschaft nicht-institutionalisiert zu partizipieren zu untersuchen, wurde in der bisherigen Forschung bei weitem nicht zur Genüge Rechnung getragen, sodass eine Forschungslücke konstatiert werden muss. Doch über diese wissenschaftsinterne Notwendigkeit hinaus ergeben sich auch gesellschaftliche und politische Anforderungen, einen methodischen Perspektivwechsel vorzunehmen, um ein Gefühl dafür zu erlangen, an welchen Stellen politische Maßnahmen greifen könnten, um zu verhindern, dass Veränderungen der Lebenslagen von Menschen ihr Partizipationspotential negativ beeinflussen.

Aus der Literatur lassen sich drei Gruppen von möglichen Einflussfaktoren herausarbeiten. Die erste Gruppe umfasst soziodemografische Merkmale, wie etwa Bildung, Alter und Einkommen. Bereits in der Studie Participation in America, welche von Verba und Nie vorgelegt wurde, ließ sich ein nicht unwesentlicher Effekt postulieren (Verba; Nie 1987). Das entworfene sozioökonomische Standardmodell implizierte, dass Menschen mit höherem sozioökonomischem Status eher partizipieren als Menschen mit geringem Status. Hierauf aufbauend wurde (1995) von Verba, Schlozman und Brady das Civic-Voluntarism-Modell entwickelt. Über einen entscheidenden Einfluss von sozioökonomischen Ressourcen hinaus wurde auch ein Effekt von Motivationen und politischen Orientierungen auf die Partizipation eines Individuums suggeriert. In meiner Arbeit habe ich die Gruppe von Determinanten durch eine Auswahl von Variablen politischer Unterstützung (Easton 1965), (Norris 1999) und (Pickel; Pickel 2016) ergänzt. Die letzte theoretisch interessante Merkmalsgruppe umfasst Variablen, die die Integration eines Individuums in soziale Netzwerke darstellen. Die Wichtigkeit der sozialen Kontakte auf die Partizipationsbereitschaft fußt ebenfalls auf den Überlegungen des Civic-Voluntarism-Modells.

Um das Forschungsvorhaben zu realisieren, wurde auf einen Individualdatensatz der Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009 zurückgegriffen. Ein aufaddierter Index von zwei Variablen, welche die Bereitschaft an einer Demonstration teilzunehmen und die Bereitschaft sich in einer Bürgerinitiative zu engagieren messen, wurde als abhängige Variable verwendet. Ein höherer Wert stellt eine höhere Partizipationsbereitschaft dar. Für die Determinanten wurde zum großen Teil auf gängige Operationalisierungen zurückgegriffen. Gegeben des Forschungsinteresses wurden verschiedene Arten von Panelregressionstechniken (Random Effects-, First Difference- und Fixed Effects Regression) verwendet. Gerade letztgenannte bieten den wesentlichen Vorteil, unbeobachtete Heterogenität zu kontrollieren. Dies bedeutet, dass Effekte von unbeobachteten Drittvariablen auf die interessierenden statistischen Beziehungen ausgekoppelt und dadurch kausale Effekte besser gesichert werden können. In einer Random Effects Regression werden auch Unterschiede zwischen Personen erfasst. Diese Technik ist also als Kompromiss eines Längsschnitt- und eines Querschnittmodells zu verstehen. Zusätzlich wurden sogenannte gepoolte Modelle berechnet, in welchen Quer- und Längsschnittdaten zusammengefasst werden und welche als OLS-Regressionsmodelle zu interpretieren sind. Dies wurde deshalb realisiert, damit reine Längsschnitteffekte mit Querschnittseffekten unmittelbar verglichen werden können. Für Leserinnen und Leser, die in dem Umgang mit den verwendeten Regressionstechniken nicht vertraut sind, befindet sich im Anhang eine Interpretationshilfe.

Abbildung 1
Abbildung 1: Verteilung der abhängigen Variable. Anmerkung: Die gelbe vertikale Linie ist der Mittelwert, die rote Linie stellt den Median dar. Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009

Aus meiner empirischen Analyse ging eine Vielzahl interessanter Befunde hervor. Zunächst ist hervorzuheben, dass sich die Betrachtung der Längsschnittdimension in allen berechneten Modellen statistisch lohnt. Gerade das Modell mit politischen Orientierungen, Unterstützung und Interessen weist ein hohes Erklärungspotential auf. Als besonders relevant für die Erklärung einer Variation im individuellen Partizipationsverhalten zeigt sich die Wichtigkeit postmaterialistischer Werte. Ernüchternd ist jedoch, dass die Modelle zwar im Ganzen signifikant sind, sich die Effekte einzelner Variablen jedoch häufig nicht bei gängigen Signifikanzniveaus absichern lassen. Umso interessanter ist es, die signifikanten Längsschnitteffekte (Fixed Effects Modell) hervor zu heben. Querschnittsbefunde, die nahelegen, dass eine höhere Bildung das Partizipationsverhalten steigert, kann für die Längsschnittdimension nicht ohne Einschränkungen übertragen werden. Zwar haben alle Koeffizienten der Dummy Variablen, die alle eine höhere Bildung darstellen als die Referenzgruppe (noch Schüler, kein Abschluss oder Hauptschulabschluss), positive Vorzeichen, jedoch lässt sich der Effekt nur bei der Dummy Variable „Mittlere Reife“ hinreichend absichern. Der Effekt des Haushaltseinkommens hingegen ist in allen Modellen signifikant und positiv. Das heißt, eine positive Veränderung des Haushaltseinkommens hat im Schnitt auch eine positive Veränderung der Partizipationsbereitschaft zur Folge. Besonders unerwartet sind die Befunde bei der Schichtzugehörigkeit von Personen. Ein sozialer Aufstieg von der Arbeiterschicht in die Mittel- und auch in die Oberschicht vermindert tendenziell die Bereitschaft nicht-institutionell zu partizipieren.

Part.Index

(OLS)

(RE)

(FE)

Bildung (RG geringe Bildung)
   Mittlere Reife

0.53***

0.56***

0.37*

(0.09)

(0.09)

(0.21)

   Abitur

1.24***

1.23***

0.40

(0.12)

(0.12)

(0.27)

   Studium (Uni/FH)

1.42***

1.36***

0.38

(0.11)

(0.12)

(0.29)

Haushaltseinkommen

0.05***

0.05***

0.06***

(0.01)

(0.01)

(0.02)

Schicht (RG Arbeiterschicht)
   Mittelschicht

0.09

0.07

-0.29**

(0.08)

(0.08)

(0.14)

   Oberschicht

-0.30

-0.22

-0.82**

(0.25)

(0.24)

(0.40)

Alter

0.06***

0.05***

0.04

(0.01)

(0.01)

(0.04)

Alter quadriert

-0.001***

-0.001***

-0.0002

(0.0001)

(0.0001)

(0.0004)

Konfession

-0.12

-0.08

-0.02

(0=konfessionslos, 1=in Konfession

(0.08)

(0.08)

(0.21)

Konstante

4.68***

4.86***

(0.27)

(0.29)

Beobachtungen

4,806

4,806

4,806

R2

0.13

0.08

0.01

Angepasstes R2

0.13

0.08

0.01

F Statistik

79.09***

(df = 9; 4796)

41.03***

(df = 9; 4796)

2.34**

(df = 9; 1534)

Tabelle 1: Soziodemografisches Modell. Anmerkung: *p<0.1; **p<0.05; ***p<0.01; Quelle: Eigene Berechnung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009

Die Effekte des politischen Interesses, der Wichtigkeit postmaterialistischer Werte und der Zufriedenheit mit der Regime Performance sind hypothesenkonform und signifikant und stimmen zudem in allen Modellen überein. Während ein Steigen des politischen Interesses und der Wichtigkeit postmaterialistischer Werte im Zeitverlauf die Partizipationsbereitschaft durchschnittlich erhöht, sinkt selbige tendenziell bei Ansteigen der Demokratiezufriedenheit. Unerwarteterweise brachten andere Variablen politischer Unterstützung (Vertrauen in politische und rechtsstaatliche Institutionen, Regierungszufriedenheit und die Legitimität der politischen Gemeinschaft), ebenso wie Variablen zur Darstellung der internen und externen Efficacy und der eigenen Links-Rechts Verortung im reinen Längsschnitt (Fixed Effects) keine signifikanten Effekte hervor.

Part.Index

(OLS)

(RE)

(FE)

Politisches Interesse

0.49***

0.50***

0.33***

(0.03)

(0.04)

(0.08)

Links-Einstufung

0.18***

0.16***

0.05

(1=rechts; 11=links)

(0.02)

(0.02)

(0.03)

Interne Efficacy

0.46***

0.41***

0.09

(0.04)

(0.04)

(0.06)

Externe Efficacy

0.01

-0.0004

-0.01

(0.04)

(0.04)

(0.07)

Vertrauen in pol. Inst.

-0.02

-0.001

0.04

(0.03)

(0.03)

(0.04)

V. in rechts. Institutionen

0.45***

0.37***

0.33

(0.13)

(0.13)

(0.26)

V. in rechts. Inst. (quadriert)

-0.02**

-0.02*

-0.01

(0.01)

(0.01)

(0.02)

Demokratiezufriedenheit

-0.16***

-0.17***

-0.19***

(0.04)

(0.04)

(0.07)

Zufriedenheit mit BundesR.

0.04**

0.03*

-0.01

(0.01)

(0.01)

(0.02)

Stolz Deutscher zu sein

-0.24***

-0.23***

0.01

(0.03)

(0.03)

(0.06)

Konstante

1.35***

1.69***

(0.50)

(0.50)

Beobachtungen

4,806

4,806

4,806

R2

0.16

0.10

0.03

Angepasstes R2

0.16

0.10

0.03

F Statistik

93.06***

(df = 10; 4795)

52.36***

(df = 10; 4795)

4.44***

(df = 10; 1533)

Tabelle 2: Modell mit Orientierungen, Motivation und politischer Unterstützung. Anmerkung: *p<0.1; **p<0.05; ***p<0.01; Quelle: Eigene Berechnung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009

 

Part.Index

(OLS)

(RE)

(FE)

Postmaterialismus.Index

0.55***

0.52***

0.14**

(0.03)

(0.03)

(0.06)

Konstante

3.32***

3.43***

(0.12)

(0.13)

N

3,904

3,904

3,904

R2

0.11

0.08

0.01

Angepasstes R2

0.11

0.08

0.01

F Statistik

472.18***

(df = 1; 3902)

320.67***

(df = 1; 3902)

5.55**

(df = 1; 640)

Tabelle 3: Modell mit der Wichtigkeit postmaterialistischer Werte. Anmerkung: *p<0.1; **p<0.05; ***p<0.01; Quelle: Eigene Berechnung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009

Die Integration in Netzwerke (Mitglieds- oder Amtsträgerschaft in Parteien, Berufsvereinigungen und Gewerkschaften) erhöht tendenziell hypothesenkonform die Bereitschaft zur nicht institutionellen Partizipation (Referenzgruppe: Kein Mitglied). Es muss allerdings erwähnt sein, dass lediglich die Effekte im Querschnittsmodell signifikant sind. In einem berechneten First Difference Modell brachte nur die Gewerkschaftsvariable einen signifikanten positiven Effekt hervor.

Part.Index

(OLS)

(FD)

(FE)

Partei

0.87***

0.41

0.35

(0.14)

(0.31)

(0.30)

Berufsvereinigung

0.62***

0.21

0.20

(0.14)

(0.22)

(0.22)

Gewerkschaft

0.71***

0.39*

0.26

(0.10)

(0.21)

(0.20)

Konstante

5.94***

0.35 ***

(0.04)

(0.07)

N

4,806

1,543

4,806

R2

0.03

0.005

0.003

Angepasstes R2

0.03

0.003

0.001

F Statistik

46.52*** (df = 3; 4802)

2.32* (df = 3; 1539)

1.52 (df = 3; 1540)

Tabelle 4: Modell mit der Integration in Netzwerke. Anmerkung: *p<0.1; **p<0.05; ***p<0.01; Quelle: Eigene Berechnung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass sich die Betrachtung der Längsschnittdimension in allen berechneten Modellen rein statistisch in jedem Falle lohnt. Trotz der mangelnden Signifikanz der einzelnen Längsschnitteffekte konnten interessante Wirkungsmechanismen identifiziert werden, die teilweise von den Querschnittsbefunden abweichen. Die vermutete Wichtigkeit eines methodischen Perspektivwechsels lässt sich letztendlich bestätigen.

Technischer Anhang

Für die empirische Analyse wurden Daten des Langfristpanel 2002 bis 2009 der Bundestagswahlstudien (englisch: German Longitudinal Election Study) verwendet, welche von dem Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften auf dessen Homepage bereitgestellt werden.

Für besseres Verständnis der Regressionsergebnisse ist untenstehend eine Interpretationshilfe dargestellt.

Variante Interpretation der Koeffizienten
Fixed Effects Wie stark verändert sich Y über die Zeit hinweg durchschnittlich pro Person, wenn X um eine Einheit steigt.
Random Effects Durchschnittlicher Effekt von X auf Y, wenn X über die Zeit hinweg und zwischen Personen um eine Einheit variiert.
First Difference Wie verändert sich Y im Schnitt, zu dem Zeitpunkt, an dem sich X um eine Einheit verändert.

Tabelle 5: Erklärung der Interpretation der Koeffizienten. Quelle: Eigene Darstellung; Angelehnt an (Torres-Reyna 2010; S.12-14) und (Giesselmann; Windzio 2012; S.61)

Um die Querschnittseffekte besser nachvollziehen zu können (OLS-Regressionsmodelle) sind selbige untenstehend visualisiert.

Abbildung 2: Querschnittsbefunde des soziodemografischen Modells. Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009
Abbildung 2: Querschnittsbefunde des soziodemografischen Modells. Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009

 

Abbildung 3: Querschnittsbefunde des Modells mit Orientierungen, Motivationen und politischer Unterstützung. Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009
Abbildung 3: Querschnittsbefunde des Modells mit Orientierungen, Motivationen und politischer Unterstützung. Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009
Abbildung 4: Querschnittsbefunde des Modells mit der Wichtigkeit postmaterialistischer Werte. Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009
Abbildung 4: Querschnittsbefunde des Modells mit der Wichtigkeit postmaterialistischer Werte. Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009
Abbildung 5: Querschnittsbefunde des Modells mit der Integration in Netzwerke. Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009
Abbildung 5: Querschnittsbefunde des Modells mit der Integration in Netzwerke. Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung; Datenbasis: Bundestagswahlstudie 2002 bis 2009

 

Verwendete Literatur:

Easton, David (1965): A systems analysis of political life. New York/London/Sydney: John Wiley & Sons.

Giesselmann, Marco; Windzio, Michael (2012): Regressionsmodelle zur Analyse von Paneldaten. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Lauth, Hans-Joachim; Pickel, Gert; Pickel, Susanne (2014): Vergleich politischer Systeme. Paderborn: Schöningh [u.a.] (UTB, 4000 : Politikwissenschaft).

Norris, Pippa (1999): Introduction: The Growth of Critical Citizens? In: Norris, Pippa (Hg.): Critical Citizens. Global Support for Democratic Governance. Repr. Oxford: Oxford Univ. Press, S. 1–30.

Offe, Claus (2012): Political disaffection as an outcome of institutional practices? Some post Tocquevillean speculations. In: Torcal, Mariano; Montero, José R. (Hg.): Political disaffection in contemporary democracies. Social capital, institutions and politics. Paperback ed. London: Routledge (Routledge research in comparative politics, 13), S. 23–45.

Pickel, Susanne; Pickel, Gert (2016): Politische Kultur in der Vergleichenden Politikwissenschaft. In: Lauth, Hans-Joachim; Kneuer, Marianne; Pickel, Gert (Hg): Handbuch Vergleichende Politikwissenschaft. Wiesbaden. Springer VS, S. 541-556.

Torres-Reyna, Oscar (2010): Getting Started in Fixed/Random Effects Models using R. Princeton University. Online verfügbar unter: https://www.princeton.edu/~otorres/Panel101R.pdf.

Verba, Sidney; Nie, Norman H. (1987): Participation in America. Political democracy and social equality. Repr. [der Ausg.] New York: Harper & Row, 1972, 1. [Dr.]. Chicago: Univ. of Chicago Press.

Verba, Sidney; Schlozman, Kay L.; Brady, Henry E. (1995): Voice and Equality. Civic Voluntarism in American Politics, Cambridge, Mass.: Harvard University Press.

Wagschal, Uwe (2015): Direkte Demokratie: Instrumente – Policy-Wirkungen – neue Formen der Bürgerbeteiligung. In: Wagschal, Uwe; Wenzelburger, Georg; Jäckle, Sebastian (Hg.): Einführung in die Vergleichende Politikwissenschaft. Institutionen – Akteure – Policies. 1. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer Verlag, S. 85–102.

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Social inequalities within the group of older people impede the formation of a politically uniform bloc of older people

This essay is the third in a series written by Achim Goerres for the project “Ageing Democracies? Political Participation and Cultural Values Among the Elderly in Europe” financed by the Open Society Foundation. The complete project report with all essays and the reports written by the other project members can be found here.

There are various examples of older people’s political protests in Europe. In Spain, the Iaioflautas movement is one of older people who protest on multiple political issues related to the labour market, education, health, gender and basic income. They use new modes of swift communication and conduct political actions defying stereotypes of old age, mirroring other older people’s social movements such as the Raging Nannies in Canada and the USA (Blanche-Tarragó and Fernández-Ardèvol 2014). In 2004 and 2005 in England, political protests against the Council Tax were mainly led by older people, as they were disproportionally affected by it (Goerres 2009: chap. 7). In the early 1990s, older people in Poland, Czechoslovakia and Hungary protested in favour of acceptable pension deals after the political transitions of their respective countries (Vanhuysse 2006).

But there is a common misperception in the public discourse about political protests among older people. There is an inherent portrayal of older people as a generally homogenous political group. Visuals of older people protesting seem to strengthen this conclusion, since they involve individuals who are united in their common course. Yet, these images only represent a fraction of all older people and only one particular course. To draw conclusions about older people from those images is comparable to seeing a group of top athletes long-jumping and extrapolating from this that all humans can jump that far.

Discussions about the political participation and views of older people could benefit from shifting our focus to the immense social heterogeneity that exists within the group of older people. This social heterogeneity also translates into political heterogeneity, both in terms of activism and in terms of interests. Let us consider four major social lines of stratification that are particularly relevant for politics: education, income, gender and health.

Education and income are the main social dividing lines between individuals across Europe, stratifying the social position that an individual has in a society as well as his or her political preferences and behaviour. A rich, highly educated older person is miles away from a poor, low-educated older person, both in terms of social as well as political experience. The fact that both are pensioners and therefore recipients of public pensions is not a strong bond. For the rich senior, a public pension is likely to be a smaller fraction of his or her disposable income than for the poor senior. The rich, highly educated senior is more likely to have diversified his or her pension income across a diverse set of assets and different kinds of pensions.

Let us look at the relationship between household income and support for redistribution from the rich to the poor by the state. We will use this attitude to get a sense of where people see themselves on the classic economic scale from very left to very right. Across all older people, 73% think that it is the role of the government to decrease income differences between the rich and the poor. However, when we divide older people by income groups, we get exactly the pattern that we see among younger people. Those with higher income support this notion less often than those with lower income. More concretely, among older people whose household income is in the lowest 30% of their respective country’s income distribution, the proportion that supports income redistribution by the state lies at 79%. Among the highest 30% of household incomes, that estimate lies at 62%. In other words, income divides older people as to their demand for one of the core functions of the modern state in the same way it divides younger people.

Gender is another factor which stratifies the social experience of modern life to a great extent. At old age, the accumulation of these experiential differences becomes greatest and intersects with different mortality rates. All over the world, women are on average more likely to live longer than men (Barford et al. 2006). The gap in life expectancy between men and women has been decreasing in Europe over the last two decades, yet it still varies widely (Van Oyen et al. 2010). This means that the older the age group is, the more female it is. We know of some gender-related differences in political preferences. Women tend to place more emphasis on some policy issues over others (Campbell 2004). They are also less likely to vote for right-wing parties (Norris 2005) and more likely to support social policy expenditure (Jaime-Castillo et al. 2016; Hatemi et al. 2012). Thus, the composition of political behaviour and preferences is affected by there being more women at old age.

Health is another important line of division among older people. Health discrepancies in old age are striking. As a result, pension age can typically be divided into a first period, when pensioners are still capable of many things and a second period characterised by multi-morbidity, incapacitating them in many ways. The first period is referred to as the “third age” or “young old” and the second as the “fourth age” or “old old”. The age at the time of transition from the first period to the second period varies greatly among individuals. Health is an important predictor of political participation (Mattila et al. 2013; Sund et al. 2016; Söderlund and Rapeli 2015). Yet it predicts participation in different ways. Voting can be made accessible to individuals with health problems in various ways like proxy voting (someone votes for you), postal voting and mobile voting booths (in hospitals for example), mitigating the impact of health problems. But other forms of participation, such as writing letters or demonstrating in the streets, are much more demanding in terms of cognitive and physical abilities. Health inequalities thus translate more into political inequalities among older people for those political actions that are more demanding.

We can explore this using 2014 survey data for 20 European countries. In that survey, people were asked whether they were hampered in their daily activities by any illness or disability. Among the young old (people between 60 and 74 years old), 27% said that they were to some extent hampered, while 9% said that they were hampered very much. In the group of the old-old (people aged 75 and older), 34% said that they were hampered to some extent and 18% that they were hampered a lot. This pattern is mirrored in their political activity levels.

In Figure 1, we can see two mosaic plots that classify four types of political activity and the degree of self-perceived constraint, once for the young-old and once for the old-old. Each tile of the mosaic represents the sub-group of one activity type and one type of self-assessed constraint. The four types of activities are: non-active, only voting, voting and more, and only non-institutionalised political participation.

In the previous on political participation in general, we saw that older people who only vote are the largest group followed by the very active group of voters and more, followed by the non-active and those who only use non-institutionalised forms of participation. In this plot, we can now explore how the different activity types intersect with the level of self-perceived health constraints.

Each tile is the size of the sub-group defined by the two levels of the two variables. So, in each sub-panel, the lowest tile on the left is the group that feels hampered heavily by health issues and is politically active. This share is much bigger in the group of the old-old compared to the young-old. The blue tiles are the sub-groups who do not feel hampered at all in their everyday lives. We see that the unhampered group is represented more in higher-activity groups than in the passive groups. We also see that the largest group among the young-old and the old-old are the ones that feel fine and just go to the polls. These are older people who are not constrained by their health and only partake in politics through voting. However, among the old-old, this group is smaller than among the young-old. Overall, the politically passive and those who only vote are more common among the old-old than among the young -old. The group whose members use voting in addition to other forms of political participation is smaller among the old-old than among the young-old.

In a nutshell, we see that health structures the ways in which older people participate in politics. Worse health is associated with less or no political activity. Non-institutionalised participation plays a small role among older people to begin with, and it becomes almost non-existent among the old-old.

Figure 1: Proportion of sub-groups by activity types and whether they feel hampered by health issues in their daily activities, 20 European countries in 2014

Proportion of sub-groups by activity types and whether they feel hampered by health issues in their daily activities, 20 European countries in 2014

Proportion of sub-groups by activity types and whether they feel hampered by health issues in their daily activities, 20 European countries in 2014

We have thus confirmed that older people are a divided group. They are divided by differences in attitudes and resources that relate to income, education, gender and health. These differences not only structure the social position of older people, but also what they do and want in politics. Socio-economic inequality among older people translates into political inequality among older people, a fact that is often very much neglected in public debate.

 

REFERENCES

Barford, Anna, Danny Dorling, George Davey Smith, and Mary Shaw. 2006. “Life Expectancy: Women Now on Top Everywhere.” British Medical Journal 332 (7545):808.

Blanche-Tarragó, D., and M. Fernández-Ardèvol. 2014. “The Iaioflautas Movement in Catalonia: A Seniors’ Networked Social Movement.” In 5th ECREA European Communication Conference. Lisbon.

Campbell, Rosie. 2004. “Gender, Ideology and Issue Preference: Is There such a Thing as a Political Women’s Interest in Britain?1.” The British Journal of Politics & International Relations 6 (1):20-44.

Goerres, Achim. 2009. The Political Participation of Older People in Ageing Europe. Basingstoke: Palgrave.

Hatemi, Peter K., Rose McDermott, J.Michael Bailey, and Nicholas G. Martin. 2012. “The Different Effects of Gender and Sex on Vote Choice.” Political Research Quarterly 65 (1):76-92.

Jaime-Castillo, Antonio M., Juan J. Fernández, Celia Valiente, and Damon Mayrl. 2016. “Collective religiosity and the gender gap in attitudes towards economic redistribution in 86 countries, 1990–2008.” Social Science Research 57:17-30.

Mattila, Mikko, Peter Söderlund, Hanna Wass, and Lauri Rapeli. 2013. “Healthy voting: The effect of self-reported health on turnout in 30 countries.” Electoral Studies 32 (4):886-91.

Norris, Pippa. 2005. Radical right: Voters and parties in the Electoral Market. Cambridge: Cambridge University Press.

Söderlund, Peter, and Lauri Rapeli. 2015. “In sickness and in health.” Politics and the Life Sciences 34 (1):28-43.

Sund, Reijo, Hannu Lahtinen, Hanna Wass, Mikko Mattila, and Pekka Martikainen. 2016. “How voter turnout varies between different chronic conditions? A population-based register study.” Journal of Epidemiology and Community Health:jech-2016-208314.

Van Oyen, Herman, Bianca Cox, Carol Jagger, Emmanuelle Cambois, Wilma Nusselder, Clare Gilles, and Jean-Marie Robine. 2010. “Gender Gaps in Life Expectancy and Expected Years with Activity Limitations at Age 50 in the European Union: Associations with Macro-level Structural Indicators.” European Journal of Aging 7 (4):229-37.

Vanhuysse, P. 2006. Divide and Pacify: Strategic Social Policies and Political Protests in Post-Communist Democracies. Budapest: Central European University Press.

 

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As we age, we do not grow politically more conservative. Age differences in political preferences are almost exclusively due to the ways different cohorts grew up.

This essay is the third in a series written by Achim Goerres for the project “Ageing Democracies? Political Participation and Cultural Values Among the Elderly in Europe” financed by the Open Society Foundation. The complete project report with all essays and the reports written by the other project members can be found here.

One of the great myths about ageing and older people in politics is that individuals become more conservative with age. There is the commonly known bon mot that “if you’re not a liberal when you’re 25, you have no heart. If you’re not conservative by the time you’re 35, you have no brain.” This saying, which cannot be traced unequivocally to one source but seems to have been expressed first with slightly different age groups and adjectives by John Adams in a 1799 diary entry, seems to ring a bell with many observers of our European societies (Shapiro 2011).

The simple and, to some people, very appealing idea behind this is plainly wrong. Yet there seems to be something intuitively accurate about the phrase, which might explain why it has lasted so long despite the fact that there are very concrete empirical problems with it. In modern Europe, the period between an individual’s twenties and thirties is one of many changes for many people. They settle into their jobs, maybe they start a family, they start using different services provided by the public and private sector. Thus, it seems to make sense that political preferences change, too, during this period.

To begin with, political conservatism can mean several things. It can mean a generally held belief or a set of political values that are called “conservative”. Political science differentiates between two dimensions along which political preferences are usually grouped in Europe and to which political parties and candidates respond in terms of what they offer voters. The first is the economic dimension, which is associated by most people in Europe with the idea of left and right. Individuals who are more leftist on this dimension tend to believe in a strong role of the state in regulating the economy and redistributing between various social groups, most importantly from the rich to the poor. People who are more rightist on the economic dimension tend to believe in a lean role of the state both in regulating the market and in redistribution. The second dimension is the cultural one. People who are leftist here tend to support diversity with regard to sexual orientation, religion, ethnic background, language and other defining markers, and believe that the state should provide regulations to allow such diversity. Those on the cultural right are more supportive of a dominant way of living one’s life that is typically linked to a specific and narrow set of markers, such as one ethnic origin, one type of religion and one family structure. These two dimensions are not fully independent from another. Those people who are more conservative economically tend to be more conservative culturally, the relationship between the two dimensions is, however, not very strong. This is the reason why it makes sense for parties to explore the full two-dimensional room on these dimensions. For instance, the Dutch left-liberal party D66 (Democraten 66) and the right-liberal party VVD (Volkspartij voor Vrijheid and Democraties) are both economically conservative, but they differ on the cultural dimension with the D66 being more progressive culturally than VVD.

We can analyse these dimensions of political values by looking at some public opinion data from 2010 to 2014 from the European Social Survey. To measure the economic dimension, we will use support for the idea that the government should redistribute from the rich to the poor.

Table 1 shows the two demographically oldest European societies and the two youngest alongside support for the above statement as expressed in the European Social Survey. The first column shows estimated support across all age groups, the second the level of support among the 60+ group, the third the level among those under 30 and the last column the ratio of column 2 to 3. Again, if the ratio stands at one, there is no difference in support levels between the two age groups.

In Germany, 70% of the adult population think that the state should redistribute from the rich to the poor, while 73% of older people and 70% of young people think so. So, in Germany, younger people are actually more likely to be economically conservative than older people, but only very slightly. Older people are 1.04 times more likely to be supportive of redistribution than young people. The same pattern prevails in Italy, which is demographically the most similar society to Germany in Europe. It also holds in Ireland and Slovakia, the two youngest societies in our sample.

Table 1: Support for income redistribution by age group

 
Income diff reduce overall
Income diff reduce 60+
Income diff reduce 18-29
Ration old by young
Germany7073701.04
Ireland7782731.12
Italy8385781.09
Slovakia7682731.13

Let us now look at the cultural dimension. Table 2 shows similar evidence about whether individuals support the idea that homosexuals should be able to live as they want. The numbers are levels of support for the culturally progressive position. In Germany, for example, 85% of the adult population believe that homosexuals should live their lives as they wish, while 77% of older people and 88% of young people believe the same. Older people are thus 12% less likely to support this view. All four countries show the same inter-age group pattern, namely that older people tend to be culturally more conservative than young people. The only striking difference in Table 2 is between Slovakia and the other three countries, since Slovakia has a strongly culturally conservative populace with stark age group differences and an age ratio of 0.50.

Table 2: Support for free expression of homosexual life styles in two oldest and youngest democracies

 
Homosexual lifest accept overall
Homosexual lifest accept 60
Homosexual lifest accept 18-29
Homosexual accept old by young
Germany8577880.88
Ireland8678890.88
Italy7367740.90
Slovakia4227540.50

Figure 2 gives us an overview of all European countries in terms of the differences between older and young people with respect to the economic and cultural views described above. The picture is divided by the two parity lines at the value 1. The biggest quadrant is to the top left: older people are economically less and culturally more conservative than young people. Four countries deviate from this pattern: Austria, Switzerland, Great Britain (i.e., United Kingdom without Northern Ireland) and the Netherlands. In the first three, older people are on average both economically and culturally more conservative than young people. In the Netherlands, however, older people are less conservative than young people on both dimensions, although only slightly so in the cultural dimension.

The countries are also marked by different symbols depending on their time of democratisation. Those countries that have been democratised before or slightly after World War II tend to show a smaller age ratio in the cultural dimension than the other countries. This means that the difference between older people and the young in terms of the cultural dimension is much smaller in more established democracies.

In a nutshell based on our measures, older people are on average and in most European countries economically less conservative than young people. They are also culturally more conservative, broadly, than their young country peers.

Are there any explanations for these patterns? First of all, the distribution of certain social characteristics is different among the elderly than it is among younger people. For instance, the group of older people is more female than younger groups due to gender-specific mortality rates and less well educated due to recent expansions of educational possibilities. Being female and lower educated are both associated with less economic conservatism than being male or higher-educated. At the same time, women and lower educated people are also less likely to be economically conservative, supporting the notion that the differences observed may be due to the composition of the groups.

Figure 1: Age ratios of support for redistribution (economic progressivism) and support for diversity of sexual orientation (cultural progressivism)

Figure 1Legend: Diamonds=Democracies since before 1945, rectangles=democracies since after 1945 and before 1961, circles=democracies since the 1970s, crosses= democracies since 1989. For country acronyms, see appendix.

There are further explanations for age-related differences with regard to political values. Most importantly, older people are members of a different cohort than younger people. This means that individuals who grew up during the same time, given the same historical context, share similar experiences that shapes them in late adolescence and early adulthood. Political scientists use the term “political generations” to refer to causal mechanism. These common experiences are tremendously shaped by national circumstances and political history. Being a member of a birth cohort in one country can shape an individual rather differently than being the member of the same birth cohort in another country. If these experiences were all idiosyncratic to a national context, we would not see such a common pattern across countries. Instead, there are some cohort experiences that have a similar political effect across European countries. World War II and its aftermath is one such common experience. We know that the experience of death and violence in World War II shaped the collective experience in Eastern Europe and the longing for safety in the European Union.

More importantly in the context of our discussion about conservatism, there have been broad developments in Europe that shaped the ways in which members of different cohorts relate to politics. One of these broad developments is socio-economic modernisation and democratisation (Inglehart 1997). This is a broad development at the social, economic and political level through which individuals grow more individualistic, more cosmopolitan and more accepting of diversity. This development catches cohorts differently, such that it is mostly those cohorts whose members are still young and can still be shaped by this change. When we look at a snap shot of younger and older people as we did with our data, this can explain the varying degrees of cultural conservatism among older people. Their cohorts have been less impacted by this development than cohorts of younger people. Thus, it is not a coincidence that the richer and, according to this theory, socio-economically more developed countries in Europe (Western Europe) tend to be more on the right of the x-axis in Figure 1. The further along societies are in the process of socio-economic development, the smaller the gap in cultural conservatism between younger and older people is. Lithuania, Greece, Estonia and Slovakia show culturally much more conservative older people relative to younger people in their countries because they are, according to this theory, less developed (with GDP per capita being a simple indicator of that). Iceland, the Netherlands and Belgium, in contrast, show a rather low level of difference.

This co-evolution with socio-economic development is remarkable because the social status of older people tends to decline with increasing modernisation. In pre-modern society, the social status of older men (not women!) as the heads of households was still high (Foner 1984). This status declined with increasing industrialisation and was finally removed altogether with the introduction of the modern welfare state, which allowed all individuals to seek their own material fortunes without the family having to be the main safety net.

In other words, if older people are more conservative than younger people, this is much more likely due to their cohort membership than to where they are in the life cycle. But these differences are not stable across time. For instance, analyses of the Brexit vote in the United Kingdom demonstrate that older people in 2016 were much more likely to vote for the Leave option than for the Remain option, most likely because older people belonged to cohorts that were more fond of the traditional nation-state than the supranational structure of EU governance (Goodwin and Heath 2016; Hobolt 2016).

So, is there anything left to say about older people and conservatism? There is some evidence about voters being more open to newer parties in the first elections of their lives. Later, if these parties do not make it into the establishment, they tend to shift to more established parties. As voters have had more opportunities to cast a vote, they grow increasingly disenchanted with wasting their votes on new parties. However, this effect, which one might call status-quo conservatism, is small and can only be demonstrated for countries with proportional representation systems (Goerres 2009).

Appendix

Table 3: Support for income redistribution by age group

Country Name
Country Code
Overall
Level among older people (60+)
Level among middle-aged (30-59 yrs)
Level among young (18-29 yrs)
Ratio old by young
IcelandIS738673591.46
NorwayNO576655471.42
FinlandFI758173641.27
NetherlandsNL566454511.27
Czech RepublicCZ616960551.27
SwedenSE687565621.21
EstoniaEE788576711.19
PolandPL788577731.17
BelgiumBE717770661.16
CroatiaHR858886781.13
CyprusCY849083801.13
SlovakiaSK768275731.13
IrelandIE778277731.12
FranceFR757875701.12
LithuaniaLT909489851.11
ItalyIT838584781.09
SloveniaSI879185851.08
BulgariaBG879186851.07
DenmarkDK394137381.06
GermanyDE707369701.04
GreeceGR828283801.03
PortugalPT929392911.03
HungaryHU878787861.02
SpainES848682851.01
AustriaAT838382831.00
SwitzerlandCH656663670.99
BritainGB636262650.96
Mean757974711.13
Minimum394137380.96
Maximum929492911.46

Table 4: Support for free expression of homosexual life styles

Country Name
Country Code
Overall
Level among older people (60+)
Level among middle-aged (30-59 yrs)
Level among young (18-29 yrs)
Ratio old by young
NetherlandsNL939194901.01
SwitzerlandCH817684810.95
DenmarkDK918893930.94
BelgiumBE868288880.94
SwedenSE908791930.93
IcelandIS948796940.93
BritainGB857987880.90
ItalyIT736777740.90
FranceFR827584840.89
GermanyDE857788880.88
IrelandIE867889890.88
AustriaAT767177840.84
NorwayNO857687920.83
FinlandFI756778830.81
SpainES847188910.78
PolandPL514155530.78
CyprusCY584960670.73
HungaryHU473950530.73
Czech RepublicCZ635265720.72
BulgariaBG564760660.71
CroatiaHR413441490.70
SloveniaSI574660660.69
PortugalPT695474860.63
EstoniaEE433046580.52
SlovakiaSK422745540.50
GreeceGR523256680.47
LithuaniaLT201320300.41
Mean696172750.78
Minimum201320300.41
Maximum949196941.01

 

References

Foner, Nancy. 1984. Ages in Conflict: A Cross-Cultural Perspective on Inequality between Old and Young. New York: Columbia University Press.

Goerres, Achim. 2009. The Political Participation of Older People in Europe: The Greying of Our Democracies. Basingstoke: Palgrave Macmillan.

Goodwin, Matthew J, and Oliver Heath. 2016. “The 2016 Referendum, Brexit and the Left Behind: An Aggregate‐level Analysis of the Result.” The Political Quarterly 87 (3):323-32.

Hobolt, Sara B. 2016. “The Brexit Vote: a Divided Nation, a Divided Continent.” Journal of European Public Policy 23 (9):1259-77.

Inglehart, Ronald. 1997. Modernization and Postmodernization. Cultural, Economic, and Political Change in 43 Societies. Princeton: Princeton University Press.

Shapiro, Fred. 2011. John Adams Said it First  [cited 18 April 2017].

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