Mythos Erdogan-Fans: Warum die Unterstützung der Türken in Deutschland für Erdogan gar nicht so hoch ist

Von Achim Goerres

Im Juni 2018 wurden in der Türkei Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abgehalten. Im Vorfeld wurde diese enorm in den deutschen Medien diskutiert. Da lief zum einen ein sehr aktiver Wahlkampf türkischer Politiker in Deutschland ab. Solch eine intensive Ansprache von Wählern im Ausland ist eine äußerst seltene Erscheinung, da sich der Wahlkampf üblicherweise auf das eigene Land konzentriert. Zum anderen wurde die Loyalität der Türken in Deutschland zu einem autokratischen Präsidenten in einem Land kritisiert, das gemäß den allgemeinen Bewertungen des Freedom House Index (2018) von „partly free“ zu „not free“ herabgestuft worden war.

Nach der Wahl fand sich immer wieder die Zahl 62,8. 62,8 % der Stimmen aus Deutschland gingen an Erdogan; eine Mehrheit schien den autokratischen Kandidaten gewählt zu haben. Tatsächlich ist diese Zahl zwar nicht falsch, aber irreführend, weil sie die Registrierung und Wahlbeteiligung außer Acht lässt.

Die Türken in Deutschland standen ganz und gar nicht mit einer Mehrheit hinter Erdogan. In Deutschland lebten laut dem Mikrozensus 1.425.000 volljährige türkische Staatsbürger, die keine deutsche Staatsbürgerschaft hatten, sowie etwa 200.000 doppelte Staatsbürger. Insgesamt waren also 1.625.000 türkische Staatsbürger in Deutschland für die türkische Wahl wahlberechtigt. Aus dieser Gruppe waren laut den türkischen Berichten 1.400.000 Türken für die Wahl registriert, es fehlten also 225.000, von denen unklar war, ob sie noch in der Türkei oder etwa gar nicht registriert waren. Von den registrierten Wählern nahmen nur 610.000 tatsächlich an der Wahl teil, die große Mehrheit der Türken in Deutschland – je nach Berechnungsgrundlage zwischen 790.000 und 1.015.000 – hatten gar nicht an der Wahl teilgenommen.

Damit zeigt sich erst einmal überwältigend, für die Gesamtgruppe der Türken in Deutschland, eine mangelnde Bereitschaft an der türkischen Wahl teilzunehmen. Ob dies aus mangelndem Interesse oder Resignation ob der politischen Situation in der Türkei geschieht, können wir nicht beurteilen. Die politische Teilhabe türkischer Staatsbürger in Deutschland am türkischen Prozess wurde damit nur durch eine Minderheit ausgeübt.

Von den 1.625.000 volljährigen Türken in Deutschland wurden nur 383.000 Stimmen dem Kandidaten Erdogan gegeben. Dies waren dann nicht 62,8 %, sondern nur 23,5 % aller Türken in Deutschland. Damit entschieden sich nicht einmal ein Viertel aller Türken für Erdogan.

Dass die Türken in Deutschland hinter Erdogan stehen, ist ein falscher Mythos. Dieser Mythos entstand vermutlich aufgrund der einprägsamen Bilder von türkischen Fahnenmeeren, die durch die Medien gingen. Bei vielen organisierten Auftritten bereits zum Referendum 2017 und wieder bei der Wahl 2018 sah man große organisierte Menschenmassen, die türkische Fahnen in Unterstützung für Erdogan oder seine Politik schwenkten. Diese Bilder wurden fälschlicherweise als Analysegrundlage für die ganze Community genommen, gleichsam als ob man die Protestierer gegen die Abholzung des Hambacher Forsts als Querschnitt der deutschen Gesellschaft nähme.

Innerhalb der türkischen Community in Deutschland gibt es darüber hinaus große Unterschiede. Wir wissen beispielsweise vieles über deutsche Staatsbürger türkischer Herkunft, d.h. die selbst nach Deutschland eingewandert sind oder einen Elternteil haben, auf den diese Beschreibung zutrifft. Dazu habe ich mit Dennis Spies und Sabrina Mayer die erste deutsche Migrantenwahlstudie durchgeführt. Diese Gruppe deutscher Staatsbürger überlappt zum Teil mit der gerade beschriebenen, nämlich bei den doppelten türkisch-deutschen Staatsbürgern, und besteht aus weiteren Menschen türkischer Herkunft, die keine türkische Staatsangehörigkeit mehr besitzen.

In dieser Gruppe der deutschen Staatsbürger ist der Politiker Erdogan extrem unbeliebt. Auf die Frage: „Was halten Sie im Allgemeinen von Erdogan auf einer Skala von -5 bis +5?“ bewerteten sie ihn im Schnitt mit -2,5. In der Gruppe der Aleviten, einer in der Türkei benachteiligten Religionsgruppe, wurde er im Mittel mit -4,3 bewertet; in der Gruppe der Kurden wurde Erdogan durchschnittlich mit -4,2 bewertet.

Wir haben die doppelten Staatsbürger auch nach ihrer Abstimmung beim Referendum im Jahr 2017 gefragt, bei dem eine Stärkung des Präsidenten nebst einer Schwächung der Justiz vorgeschlagen war, und erfahren, dass nur 22 % von ihnen für den Vorschlag im Sinne Erdogans gestimmt haben. Unter den deutschen Staatsbürgern ohne türkische Staatsangehörigkeit hätten, wenn sie gedurft hätten, nur 16 % für den Vorschlag gestimmt. Wir sehen also auch hier keine große Unterstützung der Politik Erdogans.

Damit will ich nicht schreiben, dass es keinerlei Support für Erdogan in der Gruppe der deutschen Staatsbürger türkischer Abstammung gibt. Bei der Bundestagswahl 2017 trat die Allianz Deutscher Demokraten nur mit einer NRW-Landesliste an. Diese Partei warb mit türkischsprachigen Plakaten mit Bildern Erdogans beispielsweise in Duisburg und Köln um die Stimmen der Deutschtürken. Obwohl sie insgesamt nur 0,1 % der Zweitstimmen holte, lag ihre von uns geschätzte Unterstützung in der Gruppe der Deutschtürken bei etwa 12 % in NRW. Unsere Schätzungen zeigen auch, dass Erdogan in der Gruppe der Jüngeren etwas weniger unbeliebt war als in der Gruppe der Älteren, ein Effekt, der mit etwas stärkerer Religiosität unter den Jüngeren erklärt werden kann. Erdogan genießt also etwas mehr Unterstützung in der Gruppe der jüngeren deutschen Staatsbürger türkischer Herkunft. Doch ist diese Unterstützer-Gruppe klein, und die Zukunft wird zeigen, ob sie Erdogan dauerhaft etwas stärker favorisiert als ihre Eltern und Großeltern.

Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags erfolgte im studentischen Magazin “Hammelsprung – Magazin für politische Entscheidungen” unter: hammelsprung.net.

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Welche Erklärungskraft zum politischen Verhalten besitzt der lokale Kontext gegenüber einer individuellen Ressourcenausstattung?

Von Jakob Schuchardt

Jakob Schuchardt erwarb seinen Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Seine Abschlussarbeit schrieb er am Lehrstuhl für Empirische Politikwissenschaft bei Prof. Dr. Achim Goerres. In diesem Blogbeitrag diskutiert er die wichtigsten Ergebnisse seiner Arbeit.

„When only part of the people participate, the government is likely to be directed so as to violate the interests of the nonparticipators.“

So beschreibt Lester W. Milbrath (1972: S.142) ein zentrales Problem der politischen Partizipation. Wer innerhalb eines demokratischen Systems nicht partizipiert, dessen Interessen werden unter Umständen von den Regierenden übergangen. Ausgehend von dieser Problemstellung bildete sich in der Politikwissenschaft ein breiter Forschungsstrang zur Partizipation heraus. Einen vielbeachteten Ansatz zur Erklärung des Partizipationsverhaltens stellt das Ressourcenmodell politischer Partizipation von Henry E. Brady, Sidney Verba und Kay Lehman Schlozman (1995) dar, welches auf der Betrachtung der individuellen Ressourcen Zeit, Geld und bürgerlichen Fähigkeiten fußt.

Ziel des 1995 entworfenen Ressourcenmodells war es, die politische Partizipation in der amerikanischen Gesellschaft auf Basis der verfügbaren Ressourcen des Individuums zu erklären. Ausgangspunkt für die Forscher war der sozioökonomische Status (eng.: SES – socioeconomic status), der vor allem auf Bildung, Einkommen und Beruf der Individuen basiert. Dieser Statusbegriff kann verstanden werden als „Bündelung mehrerer Merkmale, um die Platzierung in der gesellschaftlichen Hierarchie zu bestimmen“ (Ditton und Maaz 2015: S.229). Bekannte Ansätze, die auf einer früheren Form des SES basieren, sind beispielsweise die Klassenmodelle von Karl Marx und Max Weber oder Schichtungstheorien, wie etwa von Ralf Dahrendorf (ebd.: S.229-230). Das Ressourcenmodell knüpft daran an und verlinkt dreierlei verschiedene Formen von Ressourcen mit dem SES: Zeit, Geld und bürgerliche Fähigkeiten. Die Verlinkung verläuft da-bei in zwei Richtungen, einerseits rückwirkend zum Ausgangspunkt, da beispielsweise Ein-kommen in Form des verfügbaren Geldes auch ein elementarer Bestandteil des SES ist und andererseits einen Schritt weitergehend, indem der Effekt individueller Ressourcen auf die Partizi-pationsart geschätzt wird. Insgesamt kann der Ressourcenansatz als Zusammenspiel aus zwei Theorieschulen verstanden werden, der soziologische Schichtungstheorien mit wirtschaftswissenschaftlichen Rational-Choice Theorien verbindet.

Das Ressourcenmodell wurde dann um Kontextmerkmale erweitert. Die Merkmale einer einzelnen Person nicht losgelöst vom Kontext zu betrachten, ist keine gänzlich neue Idee und wurde schon in anderen Publikationen thematisiert:

„Für die Einstellungen der Bürger gegenüber Politik und Demokratie – ihre Wahrnehmung der politischen Wirklichkeit, ihre Bewertung und Verhaltensabsichten – scheinen neben individuellen Merkmalen insbesondere (a) die lokalpolitischen Verhältnisse, (b) die lokale Gesellschaft und (c) die lokalen Wirtschaftsbedingungen wichtig zu sein“ (van Deth u. Tausendpfund 2013: S.12).

In methodischer Hinsicht wurde das ursprüngliche Modell auf den ALLBUS 2014 (Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften) übertragen und für die verfügbaren Variablen angepasst. Abbildung 1 modelliert dabei das neu operationalisierte Ressourcenmodell.

Erweiterung-Ressourcenmodell

Neben den Informationen aus dem ALLBUS wurden in der Arbeit außerdem Regionaldaten verwendet, die auf dem Regionalstatistischen Datenkatalog und dem Regio-Stat-Sonderprogramm der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder beruhen. Die Benutzung dieser Daten ist kostenfrei und online abrufbar (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2018).

Zur Verbindung des selbsterstellten Datensatzes auf Kreisebene mit dem ALLBUS war der Zugriff auf den Amtlichen Gemeindeschlüssel von Nöten, der unter den Datenschutz der sensitiven Regionaldaten fällt. Der ALLBUS-Datensatz mit dem Amtlichen Gemeindeschlüssel ist im Secure Data Center (SDC) beim GESIS Datenarchiv für Sozialwissenschaften in Köln zugänglich. Um Zugang zu den Daten zu erhalten, sind Forscher verpflichtet einen speziellen Datennut-zungsvertrag zu unterzeichnen und in einer individuell eingerichteten sicheren, virtuellen Arbeitsumgebung zu arbeiten. Ein Großteil der Ergebnisse dieses Beitrages, sowie der zu Grunde liegenden Abschlussarbeit, ist daher nur in Zusammenarbeit mit dem SDC replizierbar.

Im Vordergrund der Analyse stand die Partizipation an Demonstrationen, wobei die Partizipationsform als abhängige Variable in einer logistischen Regression fungiert. Auf Grundlage der Regressionsanalyse lässt sich erkennen, dass die individuelle Ausstattung der Ressourcen entscheidender für die politische Partizipation ist, als die Einbettung in den lokalen Kontext.

In der nachfolgenden Abbildung 2 finden sich die Ergebnisse von drei logistischen Regressionen. Das Ressourcenmodell umfasst dabei lediglich jene Variablen, die auf das ursprüngliche Modell von Verba et al. zurückgehen. Das Kreisebenenmodell bildet einen Teil des lokalen Kontextes der Individuen ab, während das Gesamtmodell beide vorherigen Modelle miteinander verbindet.

Regression - Blogbeitrag - Jakob Schuchardt_v3

Die Effektstärken der einzelnen unabhängigen Variablen können anhand von Odds-Ratio-Werten (ORs) beschrieben werden. Dabei wird ersichtlich, dass sich innerhalb des Ressour-cenmodells ein signifikanter Effekt der Bildungsjahre ergibt. Dieser ist so zu interpretieren, dass die Wahrscheinlichkeit zur Beteiligung an Demonstrationen, für die Befragten innerhalb der Grundgesamtheit des ALLBUS, mit jedem Bildungsjahr im Schnitt um den Faktor 1,272 steigt. Vergleicht man nun Befragte, die Abitur besitzen mit jenen Befragten, die einen Bachelorab-schluss besitzen, so ergibt sich, bei einer zu Grunde liegenden Regelstudienzeit von 3 Jahren, eine um den Faktor 2,058 (1,2723) erhöhte Wahrscheinlichkeit für Bachelorabsolventen gegenüber Abiturienten an Demonstrationen teilzunehmen.

Ähnlich wie bei diesem Beispiel angeführt, lassen sich alle anderen Odds-Werte interpretieren. Bei vorliegender Dummy-Kodierung müssen die Werte allerdings in Bezug zur Referenzkategorie betrachtet werden. ORs unter 1 drücken einen negativen Zusammenhang aus, bei dem es sich zur besseren Vergleichbarkeit mit positiven Werten anbietet, den Kehrwert zu bilden.

Bei der Betrachtung des Modellfit-Blocks wird ersichtlich, dass das angepasste Pseudo-R² zu-nächst darauf hindeutet, dass es sich lohnt, die Kontextvariablen mit aufzunehmen, da der Wert für das Gesamtmodell am höchsten ist. Dieser Befund findet zwar durch den geringer werdenden AIC-Wert Bestätigung, der BIC-Wert steigt allerdings und unterstützt die vorherigen Be-funde daher nicht. Das alleinstehende Kreisebenmodell hat nur eine sehr geringe Erklärungskraft. Insgesamt lässt sich daraus schließen, dass die individuellen Ressourcen im Schnitt einen größeren Einfluss auf die Partizipation an Demonstrationen haben, als die lokale Einbettung. Unter Berücksichtigung von Sparsamkeit und Reichweite einer Theorie scheint es bei den vorliegenden Daten aber ratsam, das Ressourcenmodell als robust gegenüber einer Hinzunahme von Kontextdaten auf Kreisebene zu bezeichnen.

Referenzen:

Ditton, Hartmut; Maaz, Kai (2015):VIII-4 Sozioökonomischer Status und soziale Ungleich-  heit. In: Heinz Reinders, Hartmut Ditton, Cornelia Gräsel und Burkhard Gniewosz        [Hrsg.] (2015): Empirische Bildungsforschung. Wiesbaden, S. 229–244.

GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (2015):Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften ALLBUS 2014. GESIS Datenarchiv, Köln. ZA5240 Datenfile Version 2.1.0, doi:10.4232/1.12288.

GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (2017):Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften ALLBUS Sensitive Regionaldaten. GESIS Datenarchiv, Köln. ZA5260 Datenfile Version 3.0.0, doi: 10.4232/1.12928.

Milbrath, Lester W. (1972):Political Participation. How and why do people get involved in    politics? 6. pr. Rand Mac Nally political science series. Chicago.

Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2017a):Arbeitslose nach ausgewählten Personengruppen. Jahresdurchschnitt – regionale Tiefe: Kreise und krfr. Städte 2014. Quelle: Arbeitsmarkstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Abrufbar unter:https://www.regionalstatistik.de/genesis/online/data;jsessionid=9E0E990893EB21EF671D6509BF73AB7E.reg1?operation=abruftabellenVerzeichnis, Stand: 13.11.2017.

Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2017b): Bevölkerungsstand: Bevölkerung nach Geschlecht, Nationalität und Altersgruppen (21). Stichtag 31.12. (ab 2011) regionale Tiefe: Kreise und krfr. Städte 2014. Abrufbar unter:https://www.regionalstatistik.de/genesis/online/data;jsessionid=9E0E990893EB21EF671D6509BF73AB7E.reg1?operation=abruftabellenVerzeichnis, Stand: 13.11.2017.

Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2017c): Allgemeinbildende Schulen: Absol-venten/Abgänger nach dem Schulabschluss – Schuljahr – regionale Tiefe: Kreise und krfr. Städte 2014. Abrufbar unter: https://www.regionalstatistik.de/genesis/online/data;jsessionid=9E0E990893EB21EF671D6509BF73AB7E.reg1?operation=abruftabellenVerzeichnis, Stand:13.11.2017.

Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2017d): Bundestagswahl: Wahlberechtigte und -beteiligung, Gültige Zweitstimmen nach Parteien regionale Tiefe: Kreise und krfr. Städte 2013. Abrufbar unter: https://www.regionalstatistik.de/genesis/online/data;jsessionid=9E0E990893EB21EF671D6509BF73AB7E.reg1?operation=abruftabellenVerzeichnis, Stand: 19.12.2017.

Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2017e): Bruttoinlandsprodukt/Bruttowertschöpfung (WZ 2008). Jahressumme – regionale Tiefe: Kreise und krfr. Städte 2014. Berechnungsstand des Statistischen Bundesamtes: August 2015. Quelle: Arbeitskreis „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“. Abrufbar unter: https://www.regionalstatistik.de/genesis/online/data;jsessionid=9E0E990893EB21EF671D6509BF73AB7E.reg1?operation=abruftabellenVerzeichnis, Stand: 13.11.2017.

Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2018):Regionaldatenbank Deutschland – Startseite. Abrufbar unter: https://www.regionalstatistik.de/genesis/online;jsessionid=05E6E6270316B5C7BCA432DD1D5F40BE.reg1?Menu=Willkommen,    Stand 13.05.2018.

van Deth, Jan W.; Tausendpfund, Markus (2013): Einführung: Ist alle Politik lokale Politik? In: van Deth,Jan W.; Tausendpfund, Markus [Hrsg.](2013): Politik im Kontext: Ist alle Politik lokale Politik? Wiesbaden, S.9-31

Verba, Sidney; Schlozmann, Kay Lehman, Brady, Henry E. (1995a): Beyond Ses: A Re      source Model of Political Participation. In: The American Political Science Review (Vol. 89, Nr. 2 (Jun., 1995)), S. 271–294.

Ergänzende Anmerkungen:

Der vorliegende Blogbeitrag beruht auf der Bachelorarbeit des Autors, welche am Lehrstuhl für Empirische Politikwissenschaft von Prof. Dr. Achim Goerres und Hayfat Hamidou, M.A. be-treut wurde. Der Titel der Arbeit lautet:

Das Ressourcenmodell politischer Partizipation angereichert: Eine Analyse von Individuen im lokalen Kontext anhand des Allbus 2014 Extended Use File

Innerhalb der Arbeit wurden neben weiteren logistischen Regressionen zu den Partizipationsformen „Wahlbeteiligung“ und „Beteiligung an Unterschriftensammlungen“ auch Interaktionen zwischen Variablen des Ressourcenmodells und Variablen des Kreisebenenmodells berechnet, um die Erkenntnisse stärker validieren zu können. Die Interaktionen bestätigen den Befund, dass das Ressourcenmodell relativ robust gegenüber einer Hinzunahme von Kontextvariablen ist.

Zusätzlich zu den Interaktionen fanden Regressionsdiagnostiken für die Gesamtmodelle Anwendung, aus denen einige Verbesserungsmöglichkeiten für nachfolgende Arbeiten hervorgehen.

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Erfahrungsbericht: Ein Semester in New Orleans, Louisiana (USA)

Von Lukas Fiege

Lukas Fiege ist Student der Politikwissenschaft im Bachelor an der Universität Duisburg-Essen und studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für empirische Politikwissenschaft. Hier berichtet er von seinem Studienaufenthalt an der Tulane University in den Vereinigten Staaten.

Das Wintersemester 2017/18, mein fünftes Fachsemester im Bachelorstudiengang Politikwissenschaft, verbrachte ich an der Tulane University in New Orleans, Louisiana, USA. Ich durfte die stadtspezifische sowie amerikanische Südstaaten-Kultur kennenlernen, mein wissenschaftliches Englisch verbessern und vor allem die Vorteile des amerikanischen Universitätssystems nutzen.

Die Tulane University ist eine private Universität, was sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar macht. Die Kurse sind klein, die Betreuung durch Dozenten und Professoren hervorragend, was akademische Beziehungen zu ihnen möglich macht, und der Campus bildhübsch. Große Rasenflächen und viele Sitzgelegenheiten unter alten Südstaaten-Eichen bilden eine inspirierende Kulisse für Arbeit und Muße. Die Ausstattung der alten Universitätsgebäude trägt durch modernstes Gerät, viele Arbeitsplätze und hohe Internetgeschwindigkeit zu einer guten Lernatmosphäre bei.

Das amerikanische Universitätssystem unterscheidet sich vom deutschen System deutlich: Arbeitsleistungen werden über das ganze Semester verteilt erbracht. Dazu sind Anwesenheitspflicht sowie mündliche Beteiligung Teil des Bewertungsschemas, was die studentische Vorbereitung und das Engagement generell erhöht. Das führt zu produktiveren Diskussionen, bedeutet mit größerem Lesepensum aber auch ein deutlich höheres Arbeitspensum. Zusätzlich sind Studiengänge inhaltlich weniger strikt festgelegt, sodass ich theoretisch sämtliche Kurse fachfremd belegen hätte können. Ich habe die Gelegenheit genutzt, mir einerseits einen historisch-politischen Wissensstamm zu den Vereinigten Staaten aufzubauen, sowie andererseits mein Interesse im Bereich politischer Theorie und Philosophie zu vertiefen. Dabei kann an der Tulane University aus einer für deutsche Verhältnisse ungewöhnlichen Vielzahl von Kursangeboten ausgewählt werden. Es lohnt sich, diese Freiheit und Möglichkeit zur Spezialisierung auszunutzen; besonders, weil die Anrechnungsmöglichkeiten von Leistungen für Studenten der Politikwissenschaft im letzten Jahr verbessert wurden. Durch gute Vorbereitung in vorherigen Semestern und Planung (etwa in Form eines Learning Agreements) kann das Studium trotz Verfolgung der eigenen Interessen immer noch in sechs Semestern abgeschlossen werden.

Grundsätzlich ist das Leben und Studieren in den USA an einer privaten Universität kostenintensiver als in Deutschland oder in den meisten europäischen Ländern. Mietkosten und Lebenshaltungskosten sind deutlich höher. Es lohnt sich, außerhalb des Campus zu leben und auf die angebotene Essensflatrate zu verzichten – denn selbst ohne diese Ausgaben und die erlassenen Studiengebühren schrauben Flug, Visum, Reisekosten, Unternehmungen, Lehrbücher und Auslandskrankenversicherung die Kosten in die Höhe. Gute Planung hilft: Das Due-Mobil Stipendium, etwaiges Auslands-Bafög und weitere mögliche Stipendien können dies ausgleichen. Dennoch empfehle ich, etwas Reserve anzusparen oder sich anderweitige Unterstützung zu sichern.

Das studentische Leben an der Tulane University ist campuszentriert. Die meisten Studierenden leben auf dem Campus oder nicht weit entfernt und verbringen ihre gesamte Zeit dort oder in unmittelbarer Nähe – es ist auch alles geboten: Sport-Ereignisse, Bars, Partys, Restaurants, weitläufige Rasenflächen und Parks sowie studentische Aktivitäten aller Art. Dennoch lohnt es sich meiner Erfahrung nach, den Campus bisweilen zu verlassen und New Orleans zu erkunden: Die im Herbst immer noch unfassbar schwüle und heiße Stadt bietet für jeglichen Geschmack etwas: Jazz-Bars, Basketball- und American Football-Spiele, Clubs, Cajun-Food, historische Gebäude und Museen, jede Menge Geschichte, die erlernt werden will und vor allem ein Mix aus Kulturen, der einzigartig und gar nicht typisch ist für den „Deep South“ der USA. Um amerikanische Kultur kennen zu lernen und sich selbst herauszufordern, empfehle ich, sich mit (möglichst lokalen) US-Amerikanern anzufreunden und deutschen/europäischen Studenten, so sehr sie einem natürlich auch verbunden sind, nicht zu viel Zeit zu widmen. Eine Einladung zum traditionellen Thanksgiving-Dinner ist eine unschlagbare Erfahrung.

Einblick in die Atmosphäre an der Tulane University in New Orleans. (Foto: Lukas Fiege)

Einblick in die Atmosphäre an der Tulane University in New Orleans. (Foto: Lukas Fiege)

In der 30-tägigen „Grace Period“ nach Ende des Studienprogramms bietet es sich an, auf dem Weg zurück nach Europa einen Abstecher in die Metropolen der Ostküste der USA zu machen: Washington D.C., Boston und New York liegen auf dem Weg. Aber auch ein Besuch der Westküste der USA ist machbar – ich habe es sehr genossen, beide Küsten im Anschluss an das arbeitsreiche Semester zu erkunden und meinen kulturellen Eindruck der USA zu vertiefen.

Ich kann folglich eine klare Empfehlung für folgende Studierende aussprechen, ein oder zwei Semester an der Tulane University zu verbringen: Wen ein hohes Arbeitspensum und ebensolche Kosten nicht abschrecken, sondern als Herausforderung motivieren, wird eine enorme persönliche und fachliche Entwicklung nehmen. Gerade für Studierende mit Ambitionen, wissenschaftliches Englisch für eine akademische oder englischsprachige Karriere zu erlernen, sowie mit akademischem Interesse an US-Politik bietet sich diese Erfahrung an. Mein eines Semester an der Tulane University war mit Sicherheit das produktivste meiner Studienzeit und elementar für meine persönliche und akademische Entwicklung.

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Welche Faktoren bedingen die Wahlentscheidung von Russlanddeutschen?

Von Achim Goerres, Sabrina J. Mayer, Dennis C. Spies

Wähler/innen mit Migrationshintergrund gegen ihren Willen? Eine Fokusgruppenanalyse von Identifikationen, politischen Themen und Bindungen der Russlanddeutschen während des Bundestagswahlkampfs 2017. Im Artikel, der kürzlich im Journal of Ethnic and Migration Studies erschienen ist, auch verfügbar auf researchgate.net, untersuchen wir die politischen Bindungen von Russlanddeutschen. Der folgende Beitrag ist eine Kurzfassung der zentralen Ergebnisse.

“Russlanddeutsche”, die aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland migriert sind, stellen heute mit knapp 2,4 der 6,3 Millionen Wähler/innen die größte Gruppe von Wähler/innen mit Migrationshintergrund (Destatis 2017).

Bei dieser Wählergruppe handelt es sich in mehrerlei Hinsicht um eine besondere Gruppe. Obwohl sie selbst nach Deutschland migrierten und sich mit dem deutschen Arbeitsmarkt und Lebensumfeld neu arrangieren mussten, sehen sie sich mehrheitlich als Deutsche, deren Wurzeln in der Auswanderungswelle in das zaristische Russland des 18. Jahrhunderts liegen. Diese Einschätzung wurde von der deutschen Regierung lange geteilt, die Aussiedlern nach der Ankunft die deutsche Staatsbürgerschaft gewährte, sodass hinsichtlich der politischen Partizipationsmöglichkeiten dieser Migrant/innengruppe keine Beschränkungen bestanden. Auch mit Blick auf ihr Wahlverhalten sind Russlanddeutsche anders als andere Gruppen von Wähler/innen mit Migrationshintergrund (Heath et al. 2013). Während diese mehrheitlich linke Parteien unterstützen, zeigten Studien aus den frühen 2000er Jahren, dass die Mehrheit der Russlanddeutschen der CDU/CSU nahesteht. Diese Bindung nahm in den letzten 15 Jahren jedoch stetig ab: Während 2002 noch 73 % der Russlanddeutschen angaben, die CDU/CSU gewählt zu haben (Wüst 2004), hat sich dieser Anteil bis 2016 fast halbiert (SVR 2016). Stattdessen wurde im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 vielfach diskutiert, ob die traditionell starke Bindung der Russlanddeutschen an die CDU/CSU bei Teilen der Gruppe abnimmt und durch eine Re-Orientierung hin zur AfD ersetzt wurde.

In unserem Artikel analysieren wir, welche Faktoren die Unterstützung der Russlanddeutschen für die CDU/CSU bedingen, ob und warum diese Unterstützung abnimmt und ob sich Russlanddeutsche nun vermehrt der AfD zuwenden. Dazu führten wir Anfang 2017 insgesamt vier Fokusgruppendiskussionen mit jeweils 5-6 Teilnehmer/innen in Duisburg und Köln durch. Aufgrund der beschränkten Teilnehmerzahlen sind dabei keine repräsentativen Aussagen über die gesamte Gruppe der Russlanddeutschen möglich. Unser Erkenntnisinteresse liegt in diesem Artikel daher auch nicht in der Überprüfung genereller Hypothesen. Stattdessen sind wir an der Identifikation möglicher kausaler Zusammenhänge zwischen Determinanten und der Wahlentscheidung, die spezifisch für Russlanddeutsche sind, interessiert, um Hypothesen für weiterführende Studien zu entwickeln.

Die Teilnehmer/innen-Rekrutierung erfolgte dabei über verschiedene Kanäle, wie Aushänge an universitären Instituten in Bochum, Duisburg und Köln, Versendung über Mailinglisten, Facebook-Aufrufe über die Seite des Lehrstuhls für Empirische Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen sowie Plakate in russischen und türkischen Supermärkten in Duisburg und Mülheim. All unsere 22 Teilnehmer/innen sind in Ländern der ehemaligen Sowjetunion geboren und selbst nach Deutschland migriert (1. Migrationsgeneration). Drei der vier Gruppen waren künstlich zusammengesetzt und bestanden aus 20- bis 49-jährigen Teilnehmer/innen, die sich vorher nicht kannten. Die Mitglieder dieser Gruppen erlebten den Migrationsprozess im Wesentlichen in sehr jungen Jahren an der Seite ihrer Eltern. Die vierte Gruppe bestand aus Mitgliedern eines russlanddeutschen Chors im Alter von 60 bis 74 Jahren, die erst als Erwachsene nach Deutschland kamen.

Zur Analyse der politischen Bindungen von Russlanddeutschen greifen wir auf das sozialpsychologische Modell (Campbell et al. 1960) zurück, das in der Wahlforschung eines der zentralen Modelle zur Erklärung der Wahlentscheidung darstellt. Hierbei ist die Parteiidentifikation – eine langfristige Bindung an eine politische Partei, die in der Regel im Elternhaus erworben wird – zentrales Kernstück des Ansatzes.

Die Identifikation mit einer Partei beeinflusst das politische Verhalten entscheidend: Parteianhänger wählen die Identifikationspartei wesentlich häufiger als Nicht-Anhänger. Sie entscheiden sich zudem früher, welche Partei sie bei einer Wahl wählen werden, sind sich in ihrer Wahlentscheidung sicherer und stimmen seltener mit Erst- und Zweistimme für unterschiedliche Parteien. Für die Wahlentscheidung selbst spielt aber nicht nur die Parteiidentifikation eine Rolle, sondern auch kurzfristige Faktoren können die Wahl beeinflussen: So ist es für Wähler auch von Bedeutung, welche Partei in ihren Augen geeignet ist, die aktuell wichtigsten Probleme in Deutschland zu lösen und wie sie die Kandidaten der Parteien einschätzen. Da die Parteiidentifikation in der Regel bereits im Elternhaus erworben wird, ist bei Personen mit Migrationshintergrund unklar, wie diese eine solch langfristige Bindung aufbauen können. Wir erweitern das sozialpsychologische Modell daher um die Annahme, dass die Bindung an die eigene Herkunftsgruppe die Parteibindung beeinflusst. So nehmen wir an, dass ein starkes Gruppenbewusstsein als Russlanddeutsche/r besteht, welches durch die gemeinsamen Sozialisations- und Migrationserfahrungen sowie Diskriminierungserfahrungen im Herkunftsland und in Deutschland beeinflusst wird. Die Willkommenspolitik in den 1980er und frühen 1990er Jahren der Regierung Kohl gegenüber den Russlanddeutschen sowie das Staatsbürgerschaftsrecht, das Russlanddeutschen nach der Ankunft die deutsche Staatsbürgerschaft sicherte, führten zu einer Verbindung zwischen der ethnischen Gruppe der Russlanddeutschen und der CDU/CSU (Joppke 2005).

Mögliche Gründe für eine Änderung des politischen Verhaltens von Russlanddeutschen können so präzise verortet werden: Es ist möglich, dass die Identifikation als Russlanddeutsche/r abnimmt, aber auch denkbar, dass die Bindung der Russlanddeutschen an die CDU/CSU nachlässt oder kurzfristige Faktoren zu einer (zeitweisen) Abkehr von der CDU/CSU führen.

Bei der Betrachtung der Gruppenidentifikation zeigte sich, dass in allen Gruppen ähnliche historische Ereignisse für die Bildung der Identität als Russlanddeutsche genannt wurden (die Einladung durch Katharina der Großen, die fortwährende Nutzung der deutschen Sprache in der Familie, die Russifikation unter Stalin, sowie das Bewusstsein innerhalb der Familie, dass Deutschland die ursprüngliche Heimat sei). Wichtig ist auch die Rolle von Diskriminierungen, die in diesem Fall eine doppelte Diskriminierungserfahrung darstellen: Die Befragten wurden im Herkunftsland als Deutsche, aber in Deutschland als Fremde gesehen („in Russland waren wir Deutsche. […] Und hier sind wir Russen.” III.2, Frau, 60-64 Jahre; “In der Grundschule wurde ich halt … war ich immer die Russin. In Kasachstan waren wir halt ja immer die Deutschen.“ I.3, Frau, 30-34 Jahre; „Und dann kommt man nach Deutschland, wo man denkt, ja, jetzt bin ich ja Deutscher und dann sagen die, du bist ein Ausländer.“ IV.1, Frau, 25-29 Jahre). In der Analyse zeigte sich, dass die Identifikation als Russlanddeutscher nicht abnimmt, sondern bei jüngeren Befragten möglicherweise noch ausgeprägter ist.

Bei unserer Betrachtung der Bindung der Russlanddeutschen an die CDU/CSU stellten wir fest, dass eine solche Bindung, die auf Gefühlen der Dankbarkeit beruht, vor allem bei älteren Befragten zu finden ist. (“Ich denke, die Russlanddeutschen, warum sie für die CDU/CSU sind, weil es war auch der Helmut Kohl an der Spitze, an der Macht, als die Russlanddeutschen diese die Grenze wurde dann aufgemacht. Dann konnten die Russlanddeutschen nach Deutschland kommen. Und das zählt.“ III.3, Mann, 65-69 Jahre). Für die jüngeren Befragten spielt sie hingegen eine weniger wichtige Rolle („Deswegen bin ich natürlich froh, dass ich hier bin. Bin aber jetzt nicht wirklich der Meinung, dass ich der CDU zu Dank verpflichtet.“ IV.3, Frau, 20-24 Jahre). Es scheint daher, dass diese Bindung vor allem bei Russlanddeutschen besteht, die den Migrationsprozess nach Deutschland bewusst miterlebten, während wir in der jüngeren Alterskohorte eine weniger ausgeprägte Bedeutung dieser politischen Entscheidungen für die eigenen Einstellungen beobachten können.

Vor allem die Analyse der kurzfristigen Faktoren lieferte wertvolle Hinweise hinsichtlich einer politischen Umorientierung der Russlanddeutschen. Während Kandidatenbewertungen kaum eine Rolle spielten, sind vor allem politische Themen von Bedeutung. Zum einen ist den Befragten eine freundschaftliche Politik zu Russland wichtig, dem sie sich historisch selbst verbunden fühlen und wo sie oftmals noch Verwandte und Bekannte im Land haben, die von den Sanktionen betroffen sind. Zum anderen wird vielfach das Thema Immigration als wichtigstes politisches Thema genannt. Die Immigrationspolitik der Bundesregierung und das Verhalten von Angela Merkel in der Flüchtlingskrise werden oftmals negativ bewertet („Nur das, was passiert ist, 2015, also hat meine Sicherheit, meine persönliche Sicherheit zu Politik, Merkel speziell etwas erschüttert“ III.3, Mann, 65–69 Jahre). Die hohe Bedeutung des Themas Immigration besteht natürlich nicht nur für Russlanddeutsche und entspricht dem Muster für Wähler/innen ohne Migrationshintergrund. Spezifisch für Russlanddeutsche ist jedoch der Punkt, dass sie in diesem Zusammenhang ihre eigenen Migrationserfahrungen mit den Erfahrungen der Migranten in der aktuellen Situation vergleichen. Ergebnis dieses Vergleichsprozesses kann das Gefühl sein, heutige Migrantengruppen hätten es einfacher („Wir haben Riesenprobleme gehabt, um reinzukommen. Und andere Leute, die haben das ganz einfach. Die werden einfach durchgewunken.“ III.3, Mann, 65-69 Jahre). Dabei grenzen sie sich mit dem Hinweis auf die eigene Geschichte und kulturelle Herkunft klar von den Neuankömmlingen ab (“aber trotzdem, wir sind Christen und klar sind wir dann näher am Deutschen.” IV.5, Frau, 25-29 Jahre). Daraus entsteht das Bild, “irgendwie einen legitimen Grund zu haben, warum man aus dem Ausland nach Deutschland kommt” (II.1, Mann, 35-39 Jahre), der für die Gruppe der neuangekommenen Flüchtlinge nicht bestehe.

Die AfD zeichnete sich im Vergleich zu den anderen Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 besonders durch die gezielte Ansprache von Russlanddeutschen aus. Neben der Gründung eines Netzwerks für Russlanddeutsche in der AfD wurde die Lockerung der Sanktionen gegenüber Russland im Wahlprogramm verankert. Zudem wurden Russlanddeutsche durch die Übersetzung des Wahlprogramms ins Russische und gezielte Ansprachen im Wahlkampf, auch in sozialen Medien, als ethnische Deutsche klar gegenüber Flüchtlingen und anderen Migrantengruppen abgegrenzt. Dieser Einsatz der AfD wurde von den Russlanddeutschen wahrgenommen und positiv bewertet (“[ein] ziemlich wichtiger Punkt, dass man sich von einer Partei ganz anders beachtet und wertgeschätzt fühlt.“ II.3, Mann, 20-24 Jahre). Durch ihre gezielte Ansprache und die Unzufriedenheit einiger Russlanddeutschen mit der Immigrationspolitik sowie vorallem die daraus resultierende Unsicherheit hinsichtlich des eigenen Gruppenstatus, zeigt sich, dass die AfD für einige Russlanddeutsche als wählbare Alternative erscheinen kann. Ob es sich hierbei um einen kurzfristigen Rückgang der Unterstützung der CDU/CSU oder eine langfristige Abkehr handelt, ist noch nicht abzusehen, hierfür sind die nächsten Wahlen abzuwarten.

Referenzen

Heath, A. F., S. D. Fisher, G. Rosenblatt, D. Sanders, and M. Sobolewska. 2013. The Political Integration of Ethnic Minorities in Britain. Oxford: Oxford Univ. Press.

Joppke, C. 2005. Selecting by Origin. Ethnic Migration in the Liberal State. Cambridge, Mass: Harvard University Press.

Sachverständigenrat für Integration und Migration. 2016. Schwarz, rot, grün – welche Parteien bevorzugen Zuwanderer? Policy Brief des SVR-Forschungsbereichs. (2016-5).

Statistisches Bundesamt (Destatis). 2017. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2016.

Wüst, A. M. 2004. Naturalised Citizens as Voters: Behaviour and Impact. German Politics 13 (2): 341–359.

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Klasse, Themen, Kontext: Wer wählt die Alternative für Deutschland?

Von Achim Goerres, Dennis C. Spies, Staffan Kumlin

„Neue Arbeiterpartei“, „Volkspartei“ oder „Partei der Globalisierungsverlierer“? In einer Analyse wird untersucht, wie sich die Wählerschaft der Alternative für Deutschland (AfD) zusammensetzt. Während regionale Unterschiede kaum eine Rolle spielen, zeigt sich, dass neben kulturellen auch wirtschaftliche Überzeugungen einen grossen Einfluss haben können. Die Studie zu diesem Beitrag finden Sie hier.

Die Anfang 2013 gegründete Alternative für Deutschland (AfD) muss bereits aus heutiger Perspektive als eine der elektoral erfolgreichsten Parteineugründungen der bundesrepublikanischen Geschichte gelten. Während die AfD bei ihrer ersten Bundestagswahl die für die parlamentarische Repräsentation notwendige Fünf-Prozent-Hürde knapp verfehlte, konnte sie – trotz intensiv geführter parteiinterner Auseinandersetzungen – zuletzt bei der Bundestagswahl 2017 12,6% aller Stimmen auf sich vereinen und ist nun in 14 von 16 Landtagen vertreten. Angesichts ihres anhaltenden Wahlerfolgs und ihrer polarisierenden, EU-skeptischen und migrationsfeindlichen Programmatik, ist es wenig überraschend, dass die AfD auch in der Parteien- und Wahlforschung auf grossßes Interesse gestoßen ist.

Ausgehend von der etablierten Literatur zu Radikal Rechten Parteien (RRPs) in Westeuropa, untersuchen Achim Goerres, Dennis C. Spies und Staffan Kumlin in einer aktuellen Studie die Motive und Bestimmungsfaktoren von AfD-Unterstützern. Diese umfassen (1) deren sozio-ökonomisches Profil, (2) politische Einstellungen und (3) die Rolle von wirtschaftlichen und politischen Kontextvariablen. Wie die quantitative Analyse einer Umfrage aus dem Jahr 2016 zeigt, lassen sich auch die Wähler der AfD mit diesen aus der internationalen Forschung hergeleiteten Erklärungsansätzen recht gut beschreiben. Gleichzeitig erweisen sich jedoch einige, vermeintlich bewährte Erklärungsansätze als nur wenig erklärungskräftig.

So stellen die Autoren fest, dass es – bis auf die überproportionale Unterstützung durch Männer – keine signifikanten sozio-ökonomischen Effekte hinsichtlich der AfD-Wahlentscheidung schlichtweg nicht gibt. Interpretationen der AfD als „neue Arbeiterpartei“ oder aber als „Partei der Globalisierungsverlierer“ sind deswegen insofern irreführend, als dass der sozio-ökonomische Status keinen Erklärungsanteil liefert, sobald für die politischen Einstellungen der Befragten kontrolliert wird. Ob man daraus einen Status als „Volkspartei“ ableiten kann – wie dies verschiedene AfD-Politiker bereits getan haben – ist jedoch ebenfalls fragwürdig, denn die politischen Einstellungen der AfD-Wähler unterscheiden sich deutlich von denen des deutschen Durchschnittswählers.

Wenig überraschend sind die Unterstützer der AfD migrations- und asylkritischer, desillusioniert von etablierten Parteien und Medien und allgemein kulturell sehr konservativ eingestellt. Hinsichtlich des Wohlfahrtsstaates zeigen sie sich zwar kritisch gegenüber stark umverteilenden Programmen, sind aber etwa der beitragsbasierten deutschen Rentenversicherung gegenüber durchaus wohlwollend eingestellt. Diese wirtschaftlichen Überzeugungen sind ein bisher kaum betrachtetes aber sicherlich zukunftsträchtiges Forschungsfeld, vor allem vor dem Hintergrund einer erkennbaren sozialpolitischen Neuausrichtung der zuvor marktliberalen AfD. Auf jeden Fall kann eine Einstufung der AfD-Wähler als inhaltsleere „Protestwähler“ auf Basis der empirischen Ergebnisse nicht aufrechterhalten werden.

Dementgegen erweisen sich vermeintlich etablierte Kontextfaktoren — wie die regionale Arbeitslosenquote und der Ausländeranteil – als nicht erklärungskräftig. Während Beiträge über die starke Zustimmung für die AfD in Extremfällen wie Neukölln (hohe Arbeitslosigkeit) und dem sächsischen Pirna (geringer Ausländeranteil) ganz massßgeblich die mediale Berichterstattung bestimmen, finden die Autoren hier keine signifikanten Effekte. Zwar findet die AfD im Osten der Republik allgemein mehr Zustimmung als im Westen, diese Unterschiede bleiben jedoch auch unter Kontrolle für die unterschiedlichen wirtschaftlichen und demografischen Verhältnisse in beiden Regionen bestehen. Neben diesem Ost/West-Gegensatz scheint zudem der langfristige politische Kontext einen starken Einfluss auf die AfD-Unterstützung zu haben, denn die Partei findet deutlich mehr Unterstützung in jenen Regionen, in denen bereits in den 1990er Jahren die Republikaner erfolgreich waren. Die Erforschung der kausalen Mechanismen für diese auffällige Konstante wäre ebenfalls ein lohnendes Feld für zukünftige Arbeiten.

Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags erfolgte am 07. August 2018 unter:
https://www.defacto.expert/2018/08/07/klasse-themen-kontext-wer-waehlt-die-alternative-fuer-deutschland/

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Masterstudium in Leiden, Niederlande – ein Erfahrungsbericht

Von Marius Müller

Marius Müller, ehemaliger Student (BA Politikwissenschaft) der Universität Duisburg-Essen, gibt einen kurzen Einblick, warum er sich letztes Jahr für den einjährigen Masterstudiengang International Politics an der Universität Leiden (Niederlande) entschieden hat. Darüber hinaus blickt er zurück darauf, welche Aspekte der Studienzeit in Leiden das vergangene Jahr für ihn zu einer positiven Erfahrung gemacht haben, aber nennt auch kritische Punkte, die zukünftige Studenten in Leiden berücksichtigen sollten.

Bereits während meines Bachelorstudiums in Duisburg lag mein Schwerpunktinteresse im Bereich der Internationalen Beziehungen. Um in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen sind sehr gute fachliche Englischkenntnisse, vor allem im aktiven und spontanen Sprachgebrauch, nahezu unerlässlich. Da jedoch das Angebot englischsprachiger Studiengänge in Deutschland eher dürftig ist, konzentrierte ich mich zunächst auf Großbritannien und Irland.  Außerdem strebte ich einen schnellen Berufseinstieg an, sodass ich mich vornehmlich für einjährige Masterstudiengänge interessierte, welche in vielen Ländern üblich sind, aber in Deutschland selten angeboten werden.

Dazu kann ich aus persönlicher Erfahrung nun sagen, dass ein einjähriges Studium relativ arbeitsintensiv sein kann und die Lehrphase sehr kurz ist. Ich habe gelernt auch unter Zeitdruck originelle Forschungsprojekte zu entwerfen, die den Standards eines Masterstudiums gerecht werden. Zeit und Freiraum diese Projekte auch praktisch umzusetzen blieb jedoch kaum. Insofern ist ein zweijähriges Studium die richtige Wahl für jeden, der definitiv eine Karriere im akademischen Forschungsbetrieb anstrebt und seine Fähigkeiten gezielt dahingehend entwickeln möchte.

Auf meiner Suche nach interessanten Studiengängen im englischsprachigen Raum wurde mir allerdings schnell bewusst, dass Studiengebühren bis zu 15.000 Euro pro Jahr schwer zu finanzieren sind. Universitätseigene Stipendien sind oft nur mit Glück zu erlangen und angebotene Studienkredite unterscheiden sich kaum von gewöhnlichen Krediten. Tatsächlich sollte man sehr frühzeitig, mindestens ein Jahr vor einem theoretischen Studienbeginn, alle in Frage kommenden Stipendien und deren Bewerbungsfristen kennen, denn die meisten Stipendien werden deutlich vor den Bewerbungsverfahren der Universitäten vorläufig vergeben.

Mit den finanziellen Überlegungen und positiven Erfahrungen von Freunden im Hinterkopf rückten schließlich die Niederlande in den Fokus meiner Bewerbungsbemühungen. Leiden als älteste und renommierteste Universität war mir schon seit längerem bekannt, aber auch insgesamt ist die Qualität und Dichte der Universitäten sehr hoch. Im Vergleich zu englischen Universitäten sind außerdem die Kosten mit circa 2000 Euro jährlichen Studiengebühren und zahlreichen staatlichen Finanzierungshilfen deutlich überschaubarer.

Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung in Leiden zu studieren. Mein Masterstudium in Leiden bot größtenteils sehr gute und abwechslungsreiche Lehrveranstaltungen, in denen Studenten auch oft in aktuelle Debatten und Forschungen des Lehrpersonals einbezogen wurden. Allerdings wird mir, vielleicht auch aufgrund der Kürze eines einjährigen Master, mehr die gesamte Studienatmosphäre in Erinnerung bleiben.

Leiden mit seinen 120.000 Einwohnern, aber fast 30.000 Studenten bietet eine Vielzahl von Aktivitäten und ein Nachtleben, welches man wohl nie von einer so kleinen Stadt inmitten der Randstad erwarten würde. Ganz besonders bleibt mir jedoch die sehr internationale und weltoffene Atmosphäre der Stadt und der Universität in Erinnerung. Die Universität Leiden hat in den letzten zehn Jahren wie kaum eine andere Universität auf eine internationalere Ausrichtung hingearbeitet, die sich sowohl im Lehrpersonal als auch unter den Studierenden deutlich abzeichnet. Die Vielzahl unterschiedlicher Ansichten und Ansätze bei einem Anteil von circa 50% internationaler Studenten in meinem Studiengang hat meine Denk- und Herangehensweise für viele der diskutierten Themen verändert und ist abgesehen vom fachlichen Mehrwert eine Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann – insbesondere denjenigen mit Interesse an einer Laufbahn im Bereich Internationale Beziehungen.

Zu dieser Gesamterfahrung hat definitiv auch die Universität als ganzes viel beigetragen. So wurden die internationalen Studenten bereits vor dem Studienbeginn aktiv eingebunden und an die Vielzahl möglicher Aktivitäten und Vereinigungen (auch speziell für Belange internationaler Studenten) herangeführt. Dadurch war man von Beginn an voll integriert und konnte bei etwaigen Problemen auf ein breites soziales Umfeld zurückgreifen und die kurze Studienzeit voll und ganz nutzen.

Neben dieser einzigartigen Atmosphäre haben mir auch die vielen berufsbezogenen Angebote des Masterprogamms gefallen. Gerade bei einjährigen Masterprogrammen halte ich diesen praxisorientierten Ansatz für sehr hilfreich, da der Berufseinstieg sehr schnell näher rückt.

Trotz allen Lobes möchte ich auch noch einige kritische Dinge anmerken. So sehr ich die internationale Atmosphäre schätze, muss man doch zugeben, dass die Universität dem starken Wachstum der letzten Jahre nicht mit Studentenwohnheimen Rechnung getragen hat. Es wird zwar kontinuierlich gebaut, aber die Chancen einen Platz in einem Wohnheim zu ergattern sind äußerst gering und auch allgemein herrscht Wohnraumknappheit.

Für den Studiengang International Politics lässt sich noch anmerken, dass dieser letztes Jahr zum ersten Mal angeboten wurde und es des Öfteren zu vermeidbaren organisatorischen und kommunikationsbedingten Schwierigkeiten gekommen ist. Für meine uneingeschränkte Empfehlung des Studiengangs muss sich hier noch einiges verbessern. Ich bin allerdings guter Dinge, da die Studiengangsleiter immer offen für Feedback waren und einige Dinge schon im nachfolgenden Masterjahrgang im Februar verbessert wurden.

Abschließend kann ich jedem Bachelorstudenten nur empfehlen ein Masterstudium im Ausland in Erwägung zu ziehen. Dieser Abschnitt des Studiums bietet sich in meinen Augen besonders dafür an und die Erfahrungen und Eindrücke akademischer und menschlicher Art sind es immer wert. Das gilt ohne Frage für fast jede Universität und jedes Land, auch wenn ich die Universität Leiden aufgrund meiner persönlichen Erfahrung natürlich ganz besonders empfehlen kann.

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Die (derzeitigen) Ergebnisse der Migrantenwahlstudie im Video

Am 06. Juni 2018 war Prof. Achim Goerres in der interdisziplinären Ringvorlesung der Universität Duisburg-Essen “Die kleine Form” zu Gast und präsentierte die derzeitigen Ergebnisse der Migrantenwahlstudie. Das Video davon gibt es jetzt hier im Blog zu sehen:

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Politicians in ageing democracies are catering to a grey interest constituency that does not exist

This essay is the last in a series written by Achim Goerres for the project “Ageing Democracies? Political Participation and Cultural Values Among the Elderly in Europe” financed by the Open Society Foundation. The complete project report with all essays and the reports written by the other project members can be found here. 

“With 20 million voters over the age of 50, isn’t it time politicians stopped just kissing babies?”

Age Concern England, 2005 British General Election Campaign

The above quotation is a typical example taken from an election campaign by an organisation representing the particular interests of elderly people. In many European countries, there are several of such organisations that provide social help or promote self-help for older people. These social old-age interest organisations tend to have at least small political offices that try to influence political outcomes. However, they are mostly social organisations providing club benefits to its members. There are no systematic analyses of these old age interest organisations across Europe yet. They tend to be much smaller in size and in political influence compared to the Association for Retired Persons in the United States, most likely due to Europe’s stronger trade unions. However, some of these organisations have a large number of members benefitting from various club goods, such as cheaper insurance. For instance, DaneAge in Denmark had 650,000 members in 2014 (28% of citizens aged 50 and over). The historical roots of these organisations do not lie in the dynamics of accelerated population ageing since the 1970s, but very often in the veterans’ organisations and pensioners’ organisations of the first half of the 20th century (for details see Doyle 2015: chap. 3).

In Europe, there is no evidence that these organisations have any political influence that is close to that of the big political players, such as business interest organisations or trade unions. However, they seem to form an alliance with the media whenever a national election is coming up. What tends to happen is the following: they call attention to the number of older voters in the next election, and they remind the political actors of the cross-age importance of old age issues, such as pensions, health and social inclusion. In other words, they will always point out that these issues concern citizens of all ages, since everyone aspires to become old and is somehow connected to individuals of other ages, usually through their families. Very often, organisations will also contact the older people’s spokespeople in the political parties for public events to ensure they hit their messages home. Sometimes, these old age interest organisations are seconded or overtaken by pensioners’ parties, i.e. political parties that explicitly appeal to older people. For instance, in 2017, the party 50PLUS entered the second chamber in the Netherlands with 4 out of 150 seats.  Senior parties remain notoriously weak, however, and only gain prominence if they shift their programme away from old age (Hanley 2012; Goerres 2009: chap. 4).

The media are keen to cover the initiatives of these organisations or pensioner parties because they can conjure up images of a block of older people that are implicitly or explicitly behind these campaigns. Thus, the media fall prey to a strategic manipulation of public perception because the images that can be sold are much more attractive to the media market than the nuanced tales of heterogeneity and complexity that, for instance, are conveyed in this report and the academic literature.

Another logic that one might speculate about is the disproportionate influence on public discourse of scientists whose primary expertise is in public policies for older people, such as pension policy. Many of these experts know very little about the social and political preferences of older people. Among economists, especially, there seems to be a widespread assumption that older people are united in their interest for public pensions, are happy to change their vote whenever something seems to alter the amount received and that the salience of this issue is the same for everyone in this age group. The reason for this misconception lies in the fact that all economic models of public policy require untested assumptions. The homogeneity of interests of older people is one such simplifying assumption. However, the fact that it is an untested assumption often remains untold and is instead presented as a fact (example of this assumptions in scientific papers can be found in Sanderson and Scherbov 2007; Sinn and Uebelmesser 2002).

Elected politicians are thus confronted with a public discourse that is tilted towards an image of older people as a homogenous group with a unified political interest in “the” older people’s issues. We know very little about what politicians actually think about the “grey vote”. There is some evidence from Ireland that elected politicians, as reported by interviewed civil servants, seem to have a stronger sense of the need of “age-targeting” social policy, thus catering to older people as one group instead of orienting their social policy efforts at needs that cross-cut age (Doyle and Timonen 2013).

As with any elite group, it is very difficult to survey politicians. Even if one had the chance to ask them about their beliefs regarding older people as a political group, politicians like any other respondent would give a constructed story, possibly with some strategic intention. There is one study about the age segmentation of the voter market by political parties in the 2005 British General election (Davidson 2005). Nevertheless, anecdotal evidence seems to suggest that politicians have an overly simplistic view of older people as a political group.

The outcomes of this speculated state of affairs are in line with the following findings. Politicians tread very carefully around any changes to the pension system. Changing demographics objectively necessitate changes to systems that were put in place under very different circumstances decades or even centuries ago. For instance, politicians prefer small-scale, swift changes to the pension system over large fundamental ones (Tepe and Vanhuysse 2012). Alternatively, politicians delegate the development of policy proposals to experts in a cross-party alliance. They pursue this strategy if they are convinced that reforms must be enacted, but there is no electoral win from this (Hering 2012). Seemingly, elected politicians are afraid of facing any electoral backlash by the grey vote for implementing out these reforms.

What politicians believe about older people must be extended to the certainty that is associated with it. Even if politicians had a pretty sound idea about what the political preferences of an ageing democracy were, the institutional set-up of representative democracies would always make elected politicians err on the side of caution. Politicians have a maximum of four or five years before the next election. Almost all of them care about re-election. Imagine a policy proposal that would make the pension systems financially viable for the next 20 years. If the elected politicians would expect with 90% certainty that the majority of older people would go with this proposal and with 10% certainty that they would oppose it and as a consequence change their votes, they would not go through with the proposal. The inner logic of liberal democracies requires politicians to think about their personal re-election in the short-term first, a feature that politicians should not be blamed for. They behave very rationally given the democratic system they operate in.

What can be done? There are a variety of remedies that can be taken:

  • Politicians and the public need to be educated about older people and members of other age groups. This is a task for social scientists to bring their findings into the public discourse and to repeatedly show the complex reality about social structures and political preferences of all age groups in a society. There is a simple litmus test to see whether politicians and journalists are on a higher level of understanding. If they are aware of the existence of cohort effects versus life cycle effects in political behaviour, there is already progress being made. If they can, for instance, accept that young people can be more conservative than older people due to cohort socialisation (as seen in the vote for the Alternative for Germany in the 2013 Bundestag election or the Front National in the French 2015 local election), this would already be a sign of deeper understanding.
  • Politicians and public officials are obliged to understand social structures and political preferences in ageing democracies. Thus, it is also their responsibility to seek out and to try to understand the complex findings of social science research.
  • Politicians and public officials must take families seriously, not as a normatively charged term that separates conservatives from progressives, but as an intergenerational transmission belt that keeps age groups together. As long as voters interact intensively with other age groups in the family, they will always be aware of the political interests of those with whom they are closely connected. Even the growing group of childless people interacts intensively with other age groups, namely their own parents and so called social children. Looking at older or younger people without their family contexts suggests an atomised view of political beings that is not helpful.
  • Constitutional rules need to be changed to allow generationally sensitive policy-making. Whereas those who are grown-ups today can seek existing ways of making themselves heard, it is especially children and future cohorts that have yet to be born who are most affected by today’s policy decisions. An easy solution is the idea of an elected ombudsperson to represent these groups. These ombudspersons must be given the right to be heard in all legislative decisions and the resources to substantiate their positions. There are a variety of parliamentary commissions on the rights of future generations, such as in Brazil, Chile, Finland, Germany or Israel. However, the way forward should be a single person with a resourceful apparatus that must be heard. This may be the better way to go as it is likely to have a higher impact. Wales (since 2015) and Hungary (since 2012) are currently the forerunners of such an office in Europe.
  • There needs to be a shift away from older people in the discussion about the politics of ageing democracies. Population ageing implies that other age groups are changing in size, too, and these changes may affect their social and political positions. For example, in Germany, old age poverty is a vivid image in the minds of many Germans with 57% fearing a much lower living standard at old age (Tagesschau 2016). But old age poverty is a small problem in Germany with only 17.2% of 65+-citizens living in poor households in 2015 compared to a mean of 19.7 % in 27 EU-countries. Child poverty with 18.6 % of all 0-16 year old is a bigger problem that is talked about far less (Eurostat 2017). Also, population ageing does not take place independently of other processes: changes in income inequality, changes in the ethnic composition of a society, changes in the labour market – all of these happen alongside population ageing and are intrinsically interwoven with it. An overly strong focus on older people in the politics of ageing democracies is short-sighted and will likely distort any valid conclusions.

 

REFERENCES

Davidson, Scott. 2005. “Grey Power, School Gate Mums and the Youth Vote: Age as a Key Factor in Voter Segmentation and Engagement in the 2005 UK General Election.” Journal of Marketing Management 21 (9-10):1179-92.

Doyle, Martha. 2015. The Politics of Old Age: Older People’s Interest Organisations and Collective Action in Ireland. Manchester: Manchester University Press.

Doyle, Martha, and Virpi Timonen. 2013. “Powerless Observers? Policymakers’ Views on the Inclusion of Older People’s Interest Organizations in the Policy Process in Ireland.” In The Making of Aging Policy: Theory and Practice in Europe, ed. T. S. Linden and R. Ervik. Cheltenham and Northampton: Edgar Elgar.

Eurostat. People at Risk of Poverty or Social Exclusion by Age and Sex  2017 [cited. Available from http://appsso.eurostat.ec.europa.eu.

Goerres, Achim. 2009. The Political Participation of Older People in Europe: The Greying of Our Democracies. Basingstoke: Palgrave Macmillan.

Hanley, Sean. 2012. “Explaining the Success of Pensioners’ Parties: A Qualitative-Comparative Analysis of 31 European Democracies.” In Ageing Populations in Post-Industrial Democracies: Comparative Studies of Policies and Politics, ed. P. Vanhuysse and A. Goerres. London: Routledge.

Hering, Martin. 2012. “Live Longer, Work Longer? Intergenerational Fairness in Retirement Age Reforms in Germany and the United Kingdom.” In Ageing Populations in Postindustrial Democracies, ed. P. Vanhuysse and A. Goerres. Abingdon: Routlege.

Sanderson, Warren C., and Sergei Scherbov. 2007. “A Near Electoral Majority of Pensioners: Prospects and Policies.” Population and Development Review 33 (3):543-54.

Sinn, Hans-Werner, and Silke Uebelmesser. 2002. “Pensions and the Path to Gerontocracy in Germany.” European Journal of Political Economy 19:153–8.

Tagesschau. 2017. Deutsche fürchten sich vor Altersarmut  2016 [cited 19 April 2017]. Available from https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend-543.html.

Tepe, Markus, and Pieter Vanhuysse. 2012. “Accelerating Smaller Cutbacks to Delay Larger Ones? The Politics of Timing and Alarm Bells in OECD Pension Generosity Retrenchment.” In Ageing Populations in Postindustrial Democracies, ed. P. Vanhuysse and A. Goerres. Abingdon: Routlege.

 

 

 

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How the young get more than the elderly out of society – but not out of the state

Pieter Vanhuysse, University of Southern Denmark

Accusations levelled against the baby boomer generation for hoarding too much wealth and wielding too much “grey power” in an age of “gerontocracy” have become commonplace across Europe. At the centre of this debate lies the question of what resources different generations pass on to each other – and what is fair.

But in a new research paper on intergenerational transfers, demographers Robert Gal, Lili Vargha and I argue that it’s misleading to portray older people as benefiting more from society than younger people.

Complaints of intergenerational unfairness are often based purely on analysis of how much public money is spent on people at different stages of their lives. There are lots of available statistics on these state transfers, which makes them easier to analyse. But focusing on this public spending means researchers often ignore the massive resources that families themselves transfer among generations, in cash and in time.

We found that by looking at the amount of cash and time working aged people give to their own family members, it’s actually the young who turn out to get the most from society – but mainly from their parents, not states.

So much valuable time is spent within families in unpaid household labour, for instance, spent raising children and cooking, cleaning, and caring for them. And it’s often also spent caring for grandparents or great grandparents too if they become frailer.

In our research, we analysed both public policies around state transfers, as well as family cash transfers and time transfers for ten European countries in the early 21st century, including France, Germany, Italy, Spain, Finland and Sweden, and the UK. We found that welfare state spending in all these countries is indeed biased towards the elderly. States do devote significantly more resources per capita to the old than to the young.

But once we also took into account family transfers of cash and time, the picture changes radically. European societies actually transfer more than twice as many per capita resources overall to children as they do to older people. In other words, Europe is a continent of pro-elderly welfare states, embedded within societies composed of strongly child oriented families.

Time is of the essence

Net time transfers from one generation to another are highest among newborns. Quite naturally, babies need the most time intensive care. During their first year of life, European babies receive on average more per capita in time alone than a person in the prime of their working life would earn in a year. In other words, they receive in time transfers the equivalent of more money than an average man aged 30 to 49 working in that country would receive as take home pay.

These time transfers subsequently decrease, but they remain substantial for a long time. In time transfers alone, five-year-olds still receive the equivalent of more than seven months’ wages of the average worker aged between 30 and 49. Children still receive more than a third of this income at age ten, and more than a fifth at age 15. Europeans only start giving time – mainly to children – from age 25.

The largest net time contributors are in their thirties to mid-forties. This is the notorious “rush hour of life”, when many adults are simultaneously at the most stressful point in their careers and also shoulder the heaviest household and family care duties. Adults in Europe keep giving – rather than receiving – time from age 25 right until age 79. This reflects the housework, grandparenting, and other civil society activities undertaken by Europeans in their sixties and seventies.

Childhood lasts until 25

When we combined all three types of intergenerational transfer – public policies financed by taxes and social security contributions, and families’ transfers of both cash and time – we could then calculate the full net balance of all resources received at any stage of life.

All in all, children between birth and age nine receive the equivalent of between 12 and 17 months of what an average worker in the prime of their working life tends to earn in their country. This is more than even the very oldest receive – those aged 90 and above. Young Europeans still receive more than three quarters of that income, right until they reach age 17 – close to official voting age.

Our method allows us to define stages of the life cycle according to what we call “net total resource dependency” – the total resources people consume, minus their total contributions. The findings strongly question the conventional idea that childhood lasts until age 18, and old age starts from age 65. Instead, our research showed that childhood in Europe lasts on average until age 25, while old age starts at age 60.

So the key question is why don’t states take a greater role in helping families raise children? After all, children are public goods. Their future taxes, innovations and other contributions will later benefit all of society, including people who don’t become parents.

Since the start of the 21st century, politicians across the EU have increasingly proclaimed state investment in human capital as the new social policy paradigm. The EU continues to emphasise the importance of “social investment” among its member states.

Yet despite much political rhetoric, actual state investment in children is still comparatively small in most of Europe, except for Scandinavian countries. In my research on early human capital investment, I’ve shown that in the first decade of the 21st century, state spending on early childhood education and care averaged only 0.6% of GDP in the Western EU member states, and 0.4% in Eastern member states. This is a tiny fraction of state spending on unemployment, pensions or health care.

The ConversationRemember that children are public goods. Since they are also ever scarcer in ageing societies, the case is even stronger for a lot more state investment in their skills and human capital.

Pieter Vanhuysse, Professor of Comparative Welfare State Research, University of Southern Denmark

This article was originally published on The Conversation. Read the original article.

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There will never be a political age conflict between the young and the old.

This essay is the fifth in a series written by Achim Goerres for the project “Ageing Democracies? Political Participation and Cultural Values Among the Elderly in Europe” financed by the Open Society Foundation. The complete project report with all essays and the reports written by the other project members can be found here. In this essay Achim Goerres argues that there is no such thing as an age cleavage, and that it is highly unlikely to ever become a conflict line along to which the political system organises.

It seems plausible that population ageing in Europe will lead to a permanent conflict between young and old. Most European countries have extensive and therefore expensive welfare states that need to be financed. If an increasing number of pensioners live on the resources being paid into the system, a competition for scarce public resources between them and all other people should result from this. However, I argue that such a conflict does not materialise in the true sense of a political conflict and is unlikely to ever arise.

Social scientists have studied political conflicts for a long time. They have developed the notion of a political cleavage, a permanent line of conflict about material or normative claims. A typical cleavage is the one between workers/employees on the one hand and business owners on the other hand. A cleavage has a number of constituent elements that we will go through one by one in order to see if there really is an age cleavage (Fabbrini 2001). I will show that basically none of the constituent elements is met for an age conflict.

First, we have a clear, objective definition of the groups with opposing interests. Pensioners seem to be a clearly defined group with shared material interests. However, their shared material interests are moderated to a large extent by their overall income situation. Rich pensioners and poor pensioners do not share a lot of interests. And even if they did, who is the opposing group? People of working age may be the obvious answer. They have to pay more into the welfare state while pensioners take resources out of it. However, someone who is within a year of retirement probably has more in common with pensioners than with people in the workforce. Also, the boundary between these two groups is transient. Working middle-aged people aspire to become old and therefore become part of the “opposing group”.

Second, specific demands on the state must be shared within the group and be differed between groups. Many studies have looked at areas of social policy where differences between age groups might be expected (Busemeyer et al. 2009). When you ask people whether they think there should be more, less or the same amount of spending in education, there are some age-related interests, with younger people being more in favour of education spending than older people. However, the differences are remarkably small. In 1996, the highest estimated difference in Europe between pensioners aged sixty and over and those working between ages 30 and 59 was about 12 percentage points for education spending in France. In the same study, the highest difference in spending preferences in education was in Canada, Australia and the USA, where higher education is largely privatized and the welfare state redistributes very little in this area. In some countries, the difference was actually zero, meaning that there were absolutely no attitudinal differences between potentially opposing groups.

Surely, age matters in explaining policy attitudes, but the differences are not that great and they vary significantly across countries, with the largest differences lying outside of Europe. Moreover, the evidence presented stems from a simple survey question where people have to decide on one issue alone with no trade-off towards other issues and no inter-temporal consideration. This is a very rare political situation in actual democratic politics. It is comparable to referenda on social policy issues with age-related relevance. These exist in very few countries with such referenda. In Europe, the most important example is Switzerland. There, studies on referendum voting do reveal a small, but clear age differences in voting on things such as reforms to pension systems (Bonoli and Häusermann 2009). In other words, these small preferential differences would matter politically in a direct-democratic setting. However, since almost all of Europe consists of representative democracies with only fractions of direct democracy, these differences do not play out.

This argument is not to be mistaken with age differences in referendum results per se. For instance, the early analyses of the Brexit vote showed a higher likelihood to vote “Leave” among older voters (Hobolt 2016; Goodwin and Heath 2016). However, these tendencies are more likely to be due to cohort differences, as we discussed previously in the essay 3 on conservatism, as due to life cycle differences. Cohort differences come and go. A real age cleavage necessitates preferences due to life cycle differences.

Third, members of the group need to share an awareness of their mutual material interests. As mentioned in the essay on social inequalities at old age, rich pensioners and poor pensioners are unlikely to share a common perception of the same interests. Among workers, the situation is highly stratified by education, income and education as well. The low-paid, low-skilled worker is unlikely to share interests with a highly-paid, highly-skilled worker. A rich middle-aged person has little interest in state investment whereas a poor middle-aged person does have exactly that interest. So, even when people are in the same position age-wise, they have very different interests in the state paying in the educational area, for instance. The rich person wants to buy education by him or herself and not pay taxes for others to benefit, the poor person wants to benefit from the redistribution of educational possibilities in the public system.

Fourthly, there must be little day-to-day interactions between social groups for a conflict to fully develop (Collins and Annett 1975). Having as little interaction as possible increases the chances of demonising members of the other group and developing stereotypes that further the antagonism between them. In contrast, if people meet members of a socially constructed group in a unforced manner as equals with common goals and no competition (Pettigrew 1998), stereotypes are dissolved.

Social interactions between age groups are rare in everyday European life, a pattern that should facilitate an age conflict. Social circles of friends and work colleagues are often characterised by a high level of age homogeneity (Verbrugge 1977; Feld 1982). In the former case, this is because we like to surround ourselves by people like us and use age to inform that decision. In the latter case, it is because age correlates with seniority, which often structures the workplace. So, if people were only to associate with friends and work colleagues, age-stereotyping would be facilitated. However, there remains one locus of age-heterogeneous interaction: the family. Within the family, people engage in conversations, in exchanges of money and time across age groups (Albertini et al. 2007). The family is crucial for preventing them from further developing stereotypes about other age groups. This is not to mean that individuals with families do not hold age stereotypes, but these stereotypes are unlikely to demonise family members as members of an adversarial age group with whom one is competing for public resources.

Voluntary childlessness is a very striking development across Europe and could potentially affect this line of argument. If people choose not to have children, the interaction line with the lower age group is broken. However, studies of the social behaviour of childless people reveal that they tend to substitute the lack of their own children with “social children”, often the children of a preferred sibling (Albertini and Kohli 2009; Kohli and Albertini 2009). The patterns of exchange that are observed between the childless and their social children are very similar, albeit less intense, to those observed for parents and their offspring.

Finally, there must be an elite that organises the political interests of the groups in conflict. This elite must be able to claim some sort of leadership to defend the political interests of their group. It must be able to unify the group, increase awareness of shared interests among its members and take political action. Which organisations would do this in case of an age conflict? Trade unions may be the natural representatives of the working population. However, trade unions do not represent the self-employed and sometimes go a long way towards representing pensioners’ interests as well (Gumbrell-McCormick and Hyman 2013). Seniors’ organisations exist in all European countries, but their organisational structures and political power vary quite a lot (see also the upcoming sixth essay of this series on politicians catering to a non-existent constituency). Some countries, like Germany, have a very heterogeneous landscape of pensioner organisations where not one federation or one organisation can claim to represent a homogenous set of pensioners’ interests. Thus, there is no sign of organisational mobilisation for a potential age conflict.

What remains of the supposed political age conflict? Diffuse lines separating potential groups in conflict, little agreement over common interests within age groups, no organisational structures to represent “the old” or “the young”. However, there remain some attitudinal differences that can be explained by the position in the life cycle. If political outcomes were only determined by direct-democratic means, these attitudinal differences would matter politically. Since almost all political outcomes are based on decisions in representative democracies, however, this is not the case.

 

REFERENCES

Albertini, Marco, and Martin Kohli. 2009. “What Childless Older People Give: is the Generational Link Broken?” Ageing & Society 29 (Special Issue 08):1261-74.

Albertini, Marco, Martin Kohli, and Claudia Vogel. 2007. “Intergenerational Transfers of Time and Money in European Families: Common Patterns – Different Regimes?” Journal of European Social Policy 17 (4):319-34.

Bonoli, Giuliano, and Silja Häusermann. 2009. “Who Wants What from the Welfare State?” European Societies 11 (2):211-32.

Busemeyer, Marius, Achim Goerres, and Simon Weschle. 2009. “Attitudes towards Redistributive Spending in an era of Demographic Ageing: The Rival Pressures from Age and Income in 14 OECD Countries.” Journal of European Social Policy 19 (3):195-212.

Collins, Randall, and Joan Annett. 1975. Conflict Sociology: Toward an Explanatory Science: Academic Press New York.

Fabbrini, S. 2001. “Cleavages: Political.” In International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences, ed. N. J. Smelser and P. B. Baltes. Oxford: Pergamon.

Feld, Scott L. 1982. “Social Structural Determinants of Similarity among Associates.” American Sociological Review:797-801.

Goodwin, Matthew J, and Oliver Heath. 2016. “The 2016 Referendum, Brexit and the Left Behind: An Aggregate‐level Analysis of the Result.” The Political Quarterly 87 (3):323-32.

Gumbrell-McCormick, Rebecca, and Richard Hyman. 2013. Trade Unions in Western Europe: Hard Times, Hard Choices: Oxford University Press.

Hobolt, Sara B. 2016. “The Brexit Vote: a Divided Nation, a Divided Continent.” Journal of European Public Policy 23 (9):1259-77.

Kohli, Martin, and Marco Albertini. 2009. “Childlessness and Intergenerational Transfers: What is at Stake?” Ageing & Society 29 (Special Issue 08):1171-83.

Pettigrew, Thomas F. 1998. “Intergroup Contact Theory.” Annual review of psychology 49 (1):65-85.

Verbrugge, Lois M. 1977. “The Structure of Adult Friendship Choices.” Social forces 56 (2):576-97.

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