Aurora Tag 2 (Freitag, 12. Mai)

Am zweiten Tag ging es erneut um die Fragen: Was ist eine digitale Universität (falls es so etwas gibt)? und Welche Kriterien gibt es, um den Erfolg einer digitalen Universität zu messen.
Einig waren wir uns schnell darin, dass es “die” digitale Universität nicht gibt und dass es nicht darum gehen kann, eine neue Art von Universität zu schaffen. Vielmehr geht es einerseits um eine Perspektive auf die folgenden vier Bereiche:

  1. Forschung, IT, High Performance Computing, Pädagogik, …
  2. Lehre, Digitalisierung der Lehre,
  3. Gesellschaftliche Auswirkungen und Wirkung in die Gesellschaft
    damit verbunden: Ethische Fragen der Digitalisierung
  4. Und schließlich: Steuerung (IT-Governance) und Administration

und zweitens darum, auf die technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die außerhalb der Universität stattfinden, zu reagieren, diese aber auch mitzugestalten. Das war das gemeinsame Verständnis in der Arbeitsgruppe und dafür haben wird den Begriff “digitale Universität” als Slogan oder Abkürzung benutzt. Dies mitgedacht lässt sich fruchtbar über die beiden Fragen: Was ist eine digtale Universität und woran erkennt man deren Erfolg? nachdenken und diskutieren. Und das führt auch zur Frage: Was ist eine gute Digitalisierungsstrategie und wie setzt man sie erfolgreich um?

In allen vier genannten Bereichen (Lehre, Forschung, Wirkung, Steuerung) kann man – das wurde in der Diskussion als hilfreiches Gerüst (Framework) erachtet – zwischen Tools und Topics, also Werkzeugen und Themen unterscheiden. So wäre Learning Analytics z.B. ein Thema für Lehre, die entsprechende Software ein Tool. Genauso ist es mit
virtuellen Räumen und Moodle oder mit Flipped Courses und den zugehörigen Tools (Videos in Moodle).

  • Lehre: z.B. virtueller Raum und Moodle
  • Forschung: HPC und magnitUDE, Social Media und Umfragen, usw.
  • Wirkung: soziale Medien und Netzwerkanalyse oder Monitoring, …
  • Steuerung: IT-Governance und CIO-Dashboards o.ä., ERP und SAP

Hier zeigt sich, dass es nicht immer ein “digitales Thema” und ein zugehöriges “digitales Werkzeug” geben muss. Man kann selbstverständlich einen Forschungsgegenstand wie Social Media auch z.T. mit nicht-digitalen Werkzeugen (z.B. Büchern erforschen).
Genauso kann man (und das ist wohl der häufigste Fall), digitale Werkzeuge auch für nicht-digitale Themen einsetzen. Neben der hohen (und alleinigen) Kompetenz als Ausbildungsstätte könnte ein weiteres mögliches Alleinstellungsmerkmal
die Rolle als “ehrlicher Makler” oder “objektive Instanz” in der “digitalen Transformation” und der damit verbundenene Verunsicherung, Veränderung und Debatte sein.

Die am ersten Tag in der Präsentation vorgestellten Beispiele der UDE:

  • Lehre / e-Learning: Allianz als Thema und Werkzeug
  • Forschung: magnitUDE als Werkzeug (für vielfältige Themen aus dem HPC)
  • Services: dms@ude als Werkzeug für Forschung, Lehre, Wirkung und Steuerung
  • Infrastructure: icm@ude mit LAN, WLAN, usw. als Werkzeug für alle vier Bereiche

fügen sich gut in dieses Schema ein. Das sind allerdings – wie gesagt – nur Beispiele. Sie sollen insbesondere nicht abschließend sein.

Was daran schon deutlich wird: Das IT-Versorgungskonzept behandelt Werkzeuge. Eine Digitalisierungsstrategie muss Themen und Werkzeuge behandeln und sie wird über IT hinausgehen. Vor allem das Thema “Wirkung” hat mit “Bewusstsein” oder “Verständnis” zu tun und erfordert damit unbedingt auch eine geisteswissenschaftliche Sichtweise.

Zurück zur Diskussion auf dem Workshop: Wie kommen die Schwerpunkte einer individuellen (also für eine bestimmte Universität gültigen) Digitalisierungsstrategie
nun mit den oben genannten vier Bereichen Lehre, Forschung, Wirkung und Steuerung zusammen?
Die Verbindung kann über die Beantwortung der folgenden drei Fragen gelingen:
Warum? Was? und Wie?

  • Warum soll die Hochschule eine Strategie für die digitale Transformation erstellen und implementieren? (Auf dem Workshop gab es eine dominante Antwort: “for the sake of its own survival”). Aber das ist natürlich nicht alles.
    • Denn Aurora verfolgt als Gemeinschaftsprojekt von neun europäischen Hochschulen das Ziel,in die Gesellschaft hinein zu wirken, einen sichtbaren Beitrag zur Lösung globaler Probleme zu leisten.
    • Und hier ist die Digitalisierung sowohl Thema (was macht sie mit uns? vor welchen Herausforderungen stehen wir? wie werdenin Zukunft Entscheidungen getroffen? wie entwickelt sich die Arbeit und die Freizeit unter dem Einfluss digitialer Maschinen?) als auch Werkzeug – für Forschung, Lehre, Wirkung und Steuerung.
  • Die kurze Antwort auf die Frage Was (tun)? lautet: In den genannten vier Bereichen Themen und Werkzeuge identifizieren und priorisieren.
  • Bleibt die Frage wie? Hier sollen fürs erste sieben Prinzipien als Vorschlag und Diskussionsgrundlage genügen, die das “Wie” umreißen?
  1. proaktiv
  2. geplant (mit einer Vision und klaren Zielen)
  3. der Reihe nach (das wichtigste zuerst)
  4. zum Nutzen aller (“win-win”)
  5. unter Beteiligung aller (partizipativ)
  6. gemeinschaftlich (durch Zusammenarbeit)
  7. mit Spaß an der Sache

Fazit: Wo steht die UDE?

Die Bausteine für eine Digitalisierungsstrategie sind vorhanden. Die oben genannten Beispiele gehören dazu. Hinzu kommen die Forschungsaktivitäten, die es schon zahlreich gibt. Es gibt also die Themen und es gibt die Werkzeuge. Es geht – um im Bild zu bleiben – darum, den Werkzeugkasten zu ergänzen und zu entscheiden, was man mit den digitalen Werkzeugen zusätzlich zu den vielen Aktivitäten die es schon gibt, machen will. Das wird eine Digitalisierungsstrategie nicht im Detail festlegen, schon gar nicht im Bereich der Forschung. Doch sie kann eine Art Kompass oder auch Karte sein, um sich einen Überblick zu verschaffen und eine Richtung vorzugeben.

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