Wie innovativ ist die UDE im IT-Bereich?

Wie innovativ ist die UDE im IT-Bereich, und wie ist sie auf strategische Zukunftsthemen eingestellt? Diese Frage kann ich natürlich nicht wirklich qualifiziert beantworten. Vielmehr hoffe ich, im Laufe der nächsten Monate eine spannende und konstruktive Diskussion der relevanten Akteure erleben und begleiten zu dürfen.

Im steten Bemühen, mich in diesem komplexen Feld zu orientieren, habe ich allerdings eine Kurzstudie angestellt, die zumindest Hinweise darauf gibt, welche potentiellen Zukunftsthemen überhaupt an der UDE stattfinden und welche gar nicht (oder nur im Verborgenen).

Titelseite Horizon Report 2012Was sind zunächst strategische IT-Themen für Hochschulen? Der jährlich von New Media Consortium und EDUCAUSE Learning Intiative herausgegebene Horizon Report gilt als wichtige Referenz hinsichtlich der Frage, welche IT-Themen und Technologien im Bereich der Höheren Bildung in den nächsten Jahren das größte Innovationspotential haben. In der diesjährigen Ausgabe wurden folgende Themen identifiziert, wobei die Angabe in Klammern den vermuteten Zeitraum bis zum allgemein verbreiteten Einsatz der Technologie widergibt:

  1. Mobile Apps bzw. deren spezifischer Einsatz in universitärem Lernen und Arbeiten (1 Jahr)
  2. Tablet Computing; aufgrund der besonderen Einsatzmöglichkeiten von Tablets als gesondertes Thema ausgewiesen (1 Jahr)
  3. Learning Analytics: die schnelle, individuelle Anpassung des Studienangebots aufgrund von Leistungs- und Verhaltensanalysen (2-3 Jahre)
  4. Game-based Learning: der umfassende Einsatz von Spielszenarien in Lernkontexten (2-3 Jahre)
  5. Gesture-based computing: die Bedienung von Software durch Gestik und Mimik, z.B. für Simulationen im Medizinstudium (4-5 Jahre)
  6. Internet of Things: die Netzeinbindung von verschiedensten, mit IP-Adressen ausgestatten Objekten oder Sensoren, die Daten (z.B. Temperatur, Standort, Bewegung) speichern und liefern. So kann z.B. ein Museum oder Archiv in Echtzeit hinsichtlich der Raumbedingungen überwacht werden, zusätzlich können die archivierten Gegenstände auf sich selbst bezogene Daten speichern. (4-5 Jahre)

In der Annahme, dass Forschung, Lehre und Debatten an der Universität sich einigermaßen auf deren Website nachvollziehen lassen, habe ich eine Kurzrecherche nach den jeweiligen Themen durchgeführt, um herauszufinden, ob diese Themen überhaupt an der UDE stattfinden. Die Themen 1 und 2 habe ich dabei vernachlässigt, weil sie offensichtlich längst ihren Platz im Alltag haben. Allerdings wäre eine genauere Untersuchung der tatsächlichen Nutzung von Apps und Tablets und der noch ungenutzten Potentiale interessant.

Google durchsucht auf die Anweisung site:uni-due.de „learning analytics“ hin die Domain uni-due.de mit allen Subdomains nach der exakten Wortkombination „learning analytics“. Dabei werden ganze 4 Ergebnisse (teilweise redundant) gefunden, die alle den Horizon Report (2011 oder 2012) zitieren. Es handelt sich dabei um den Blog IT@UDE, der vom ZIM publiziert wird, sowie eine Präsentation aus dem Jahr 2011 einer Mitarbeiterin der E-Kompetenz-Agentur, einer gemeinsamen Stelle von ZIM und UB. Bemerkenswert: Auch im Horizon Report 2011 war das Thema schon vertreten, die Autoren beharren also auf der Position, dass es sich um eine Technologie von strategischer Bedeutung handelt. Fazit: Das Thema wird an wenigen Stellen auf der UDE-Website angesprochen, ist aber zunächst nicht weiter als Gegenstand von Forschung, Lehre oder hochschulinternen Debatten nachweisbar.

Anders sieht es schon mit der Eingabe site:uni-due.de „game-based learning“ aus, die immerhin 68 Ergebnisse ergibt. Sollte es sich dabei vielleicht wieder zu einem Großteil um Zitate des Horizon Report handeln? Die Eingabe site:uni-due.de “game-based learning” -”horizon report” klammert Ergebnisse. aus, die die Wortkombination „horizon report“ enthalten, und liefert immer noch 65 Ergebnisse. Eine weitere Auswertung zeigt, dass das Thema in einigen Projekten und Arbeiten behandelt wird, zudem lassen sich in verschiedenen Fachbereichen eingesetzte Lernspiele finden.

Ähnlich wie bei den learning analytics sieht es allerdings für das gesture-based computing aus (3 Ergebnisse, die den Horizon Report zitieren). Alternative Suche nach dem eingedeutschten „gestenbasiertes computing” ergibt nur einen Treffer. Der Inhalt der Ergebnisse ist übrigens im Wesentlichen deckungsgleich mit denen für learning analytics, es handelt sich also um ein weiteres vermeintliches Zukunftsthema, das an der UDE – zumindest unter diesem Titel – noch nicht stattfindet. Fairerweise muss allerdings gesagt werden, dass der Horizon Report selbst angibt, dass es bislang nur wenige konkrete Einsatzbeispiele gibt.

Viel versprechend ist dagegen schließlich die Situation beim internet of things (155 Ergebnisse) bzw. inernet der dinge (175 Ergebnisse). Eine schnelle Durchsicht der Treffer zeigt, dass das Thema u.a. in Computerlinguistik, Softwareentwicklung, der technischen Informatik, den Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftsinformatik verhandelt wird.

Insofern ergibt diese Kurzstudie ein durchwachsenes Bild, was die Besetzung vermeintlicher strategischer Themen an der UDE angeht. Allerdings bedeutet Strategieentwicklung ja nicht, sich unreflektiert den Setzungen anderer anzuschließen, sondern bewusst und begründet eigene Entscheidungen herbeizuführen. Vielleicht kommt man ja zu dem Ergebnis, dass das gestenbasierte Computing überschätzt wird? Insofern freue ich mich auf die Debatte darüber, welche Zukunftstechnologien Teil unserer künftigen IT-Strategie sein werden.

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