Universitätsarchiv: Gesamthochschule oder Universität?

Bauschild der Gesamthochschule Duisburg und städtisches Straßenschild zur “Universität” (15.06.1976)

Ein fortdauernder Streitpunkt stellt die Namensgebung der bald zu errichtenden Gesamthochschulen (GH) in Duisburg und Essen dar: Sollte man den neuen Hochschultyp – zumindest durch einen Namenszusatz – nicht in die jahrhundertealte und vor allem international bekannte Tradition der „Universität“ stellen? Die Landesregierung hat dazu eine klare Meinung, die sie über alle Debatten hinweg beibehalten wird:

Um die mit dem Gesamthochschulkonzept intendierten bildungspolitischen Ziele nicht zu verwässern, rät das Kabinett in seiner Sitzung vom 9. Mai 1972 davon ab, den neuen Hochschulen zu gestatten, sich als Universitäten zu bezeichnen.

Von dieser Richtlinie aus Düsseldorf lassen sich die beiden neuen Hochschulstandorte Duisburg und Essen aber wenig beeindrucken, die Diskussion um mögliche Namenszusätze ist bei den Stadtverwaltungen und den Hochschulen bereits in vollem Gange.

Um die Gleichrangigkeit gegenüber „alten“ Universitätsstandorten wie Köln oder Bonn zu betonen, beruft sich etwa ein Vorschlag aus Duisburg auf den berühmten Kartographen Gerhard Mercator (1512-1594), der einen Großteil seines Lebens und Schaffens in der Stadt am Niederrhein verbracht hatte („Mercator-Universität“). Ein weiterer Vorschlag – zur Betonung der Regionalität – stammt vom Stadtrat: „Universität Duisburg – Niederrheinische Gesamthochschule“. Praktisch umsetzen wird die Stadt dies im Herbst 1972 mit der Verwendung von Straßenschildern mit der Bezeichnung „Universität“. Die Landesregierung sieht diese Bestrebungen allerdings weiterhin kritisch. Im Frühjahr 1973 wird sie daher der Stadt Duisburg mit Hinweis auf die Grundordnung der neuen Gesamthochschule mitteilen, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Namensänderung nicht erwünscht sei.

Die Essener Verantwortlichen sind ebenfalls aktiv in der Namensfindung. Das dortige Rektorat wird nach der Errichtung der GH etwa den Vorschlag „Rheinisch-Westfälische Universität Essen-Gesamthochschule“ einbringen. Gegen einen Vorschlag zur Benennung in „Albert Schweitzer Universität – Gesamthochschule Essen“ werden jedoch Bedenken seitens des Gründungssenats geäußert – vermutlich, weil der berühmte Arzt keinen direkten Bezug zur Stadt besaß. Vor allem das in die neue Hochschule integrierte Klinikum legt großen Wert auf die Führung der Bezeichnung Universität. Allerdings wird schließlich auch die vom Gründungssenat beschlossene Benennung in „Universität Essen – Gesamthochschule“ zu Beginn des Jahres 1973 vom zuständigen Wissenschaftsministerium aufgrund rechtlicher Bedenken verworfen.

Weiterführende Links:

Kabinettsprotokoll der NRW-Landesregierung (1.124 Sitzung) v. 9. Mai 1972 (Nr. III.1): http://protokolle.archive.nrw.de/texte/_1124x.htm

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