50 Jahre UBs: Ein neues Bibliotheksgebäude für die UDE?

Die beengten Verhältnisse der Bibliothek am Campus Essen führten mehrfach zu Bemühungen um die Errichtung eines Neubaus. So schlug die Universitätsbibliothek Anfang des Jahres 1999 – allerdings erfolglos – vor, eine „Informations- und Ausleihbibliothek“ mit knapp 7.500 qm und Platz für 400.000 Bände einzurichten. Dadurch sollten die auf dem Campus verorteten Fachbibliotheken Ingenieur- und Naturwissenschaften aufgegeben und die Flächen für andere Zwecke zur Verfügung gestellt werden können. Aufgegriffen wurde bei dieser Planung der „Scharnier“-Gedanke – dass also die neue Bibliothek durch Austausch- und Informationsangebote eine Brücke schlagen sollte zwischen Campus und Stadt. Erst 2008 wurde schließlich die neue Fachbibliothek Mathematik, Naturwissenschaften, Technik (MNT) mit einem Fenster zur Stadt realisiert.

Die „Scharnier“-Idee war übrigens nicht neu: Schon bei der Standortwahl für die Gesamthochschule zu Anfang der 1970er Jahre sollte die Universität mit der Verortung im ehemaligen Arbeiter:innenviertel Segeroth die Integration des strukturschwachen Essener Nordens in den Stadtkern unterstützen. 30 Jahre später knüpfte das Rektorat an diesen Gedanken an, als es um die städtischen Planungen zur Gestaltung des „Universitätsviertels“ zwischen Berliner Platz, Campus und Friedrich-Ebert-Straße ging. Unter dem Schlagwort „urbane Universität“ wollte sich die Hochschule auf dem zu erschließenden Areal durch ein „Schaufenster zur Stadt“ vertreten sehen. Die Bibliothek schlug dabei vor, Teile der überbordenden Bestände bürger:innennah in einem Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum unterzubringen – ergänzt um einen „Showroom für elektronische Medien sowie einem „Internet- und Literatur-Café“ als Austauschforum. Sogar ein konkreter Entwurf für eine „Wissenschaftsbibliothek“ am nördlichen Rand des Viertels war im Gespräch.

Allerdings verliefen auch diese Planungen im Sande, mittlerweile war ein für die Hochschule weit wichtigeres Thema auf den Spielplan getreten: die vom Land beabsichtigte und im Jahre 2003 durchgeführte Fusion mit der Schwesterhochschule in Duisburg.

Letztmalig erfolgte 2009 ein konkreter Anlauf, als unterstützt durch das Rektorat Radtke sowie durch einen Architektenwettbewerb der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) die Vergabe für einen neuen Bibliotheksbau sowie ein Rotationsgebäude für die UDE in Aussicht stellte. Durch den Rückbau der Bahnlinie am nördlichen Rand des Universitätsviertels wurde die nötige Fläche frei, um dieses Vorhaben zu realisieren. In einem „Turm des Wissens“ sollten dabei nicht nur klassische Bibliotheksangebote untergebracht werden, sondern auch elektronische Medienangebote, Lernorte und Beratungsangebote. Ein großzügig gestaltetes Zentrum wurde von den Architekten KSP Jürgen Engel entworfen mit einer Galerie aller Beratungsangebote für die Studierenden und zugleich die Realisierung einer Öffnung des Campusgeländes zur Innenstadt.

Doch wie schon zuvor kam es zu keiner Realisierung, wobei vor allem die hohen Kosten und andersgelagerte Prioritäten der Politik eine Rolle spielten. Im wörtlichen Sinne ganz neue Baustellen eröffnete schließlich der Sanierungsbedarf auf dem Campus, der die zeitweise Umquartierung ganzer Gebäudezüge erforderlich machte und die UB-Bedarfe in den Hintergrund rücken ließ. Zur vorübergehenden Unterbringung von Instituten und Fakultäten wurde daher 2015 das „Rotationsgebäude“ (S06) errichtet, in dem heute die Bildungswissenschaften untergebracht sind.

Vor diesem Hintergrund geriet die Idee eines Bibliotheksneubaus aus dem Fokus, wenn auch in den vergangenen Jahren immer mal wieder neue Impulse gesetzt worden sind (z.B. ein UB-Erweiterungsbau neben dem Glaspavillon oder ein Kombinationsbau für die UB sowie für die Hochschulverwaltung an der Stelle des Parkhauses an der Essener Universitätsstraße). Doch die Liste von Baumaßnahmen und -plänen der UDE bleibt lang – es wird sich zeigen, inwieweit sich im Zeitalter der Digitalen Transformation der Gedanke einer Universität mit Begegnungs- und Kommunikationsflächen durchsetzt. Denn einladende Lernräume und Anlaufstellen für Informationen sowie virtuelle Lernraumumgebungen sind keine Gegensätze, sondern wichtige wechselseitige Ergänzungen.

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