Universitätsarchiv: Eine Hochschule für Duisburg?

Dass Duisburg eine eigene „vollwertige“ Hochschule erhalten soll, ist zu Beginn des Jahres 1972 beschlossene Sache – zumindest auf dem Papier. Dabei sah das „Nordrhein-Westfalen-Programm 1975“ der sozialliberalen Landesregierung vom März 1970 zunächst vor, eine „Rhein-Universität“ als Gesamthochschule zu errichten. Sie sollte die Standorte Düsseldorf, wo bereits seit 1965 eine „alte“ Universität bestand, sowie Duisburg und Wuppertal einbeziehen. An den letzten beiden Orten sollte dann ein erziehungswissenschaftlicher Schwerpunkt liegen. (Mehr dazu hier

Bild: Werbematerial der Stadt Duisburg (1970)

Die Stadt Duisburg, die aufgrund der bereits seit 1968/69 bestehenden Abteilung der Pädagogischen Hochschule (PH) Ruhr über einen solchen erziehungswissenschaftlichen Schwerpunkt verfügte, bemühte sich allerdings von Anfang an, eine eigenständige „Volluniversität“ mit naturwissenschaftlich-technischen Zweigen zu erhalten. Unterstützung erhielt sie dabei von Kultusminister Fritz Holthoff, der als ehemaliger Beigeordneter und Schuldezernent der Stadt für diese Wahl großen Einsatz zeigte. Durch die Wiedererlangung des Status als Universitätsstandort – von 1655 bis 1818 existierte in Duisburg bereits eine Universität – erhofften sich die Stadtväter folgende Vorteile:

  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit,
  • Hebung des Bildungsniveaus in der Region,
  • Bereicherung des angesichts des Strukturwandels tristen, von Kohle- und Stahlindustrie geprägte Ortsbilds mit neuen Wirtschaftsstrukturen.  

Als im Dezember 1970 der neue Minister für Wissenschaft und Forschung, Johannes Rau, die Pläne für die „Rhein-Universität“ im Zuge der Errichtung von „integrierten Gesamthochschulen“ aufgab, wurde Duisburg tatsächlich eine eigenständige universitäre Einrichtung in Aussicht gestellt – wenn auch nicht in der Gestalt, wie es die Vertreter:innen der Stadt vor Augen hatten. Denn das reformorientierte Konzept der Gesamthochschulen entsprach kaum dem Aussehen einer traditionellen Universität. Dennoch war das Echo auf die Errichtungspläne – zumindest seitens der bestehenden akademischen Einrichtungen – positiv: Der PH-Dekan und zukünftige Gründungsrektor der Gesamthochschule Duisburg, Prof. Helmut Schrey, zeigte großes Engagement bei der Überführung der bereits bestehenden Fachhochschule sowie der PH-Abteilung in die zu gründende Einrichtung.

Literatur zum Thema:

Gerhard Rimbach: Vom Reformmodell zur modernen Universität. 20 Jahre Gesamthochschulen in Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 1992 (in der UB finden)

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