Universitätsarchiv: Veilchenblau und Tannengrün?

Würde man zurück in das Jahr 1976 an den Campus Essen reisen können, wäre die Orientierung dort vermutlich selbst für erfahrene Studierende unserer heutigen Universität schwierig. Nicht nur glich die Hochschule einer Baustelle mit teils fertiggestellten und bezogenen, andererseits mit noch im Bau befindlichen Gebäuden: Auch das heute berühmt-berüchtigte Leitsystem würde man vergeblich suchen.

Als die Gesamthochschule Essen im Jahr 1972 gegründet wurde, musste ein Provisorium an im ganzen Stadtbereich verteilten Gebäuden die Hochschulangehörigen unterbringen. Schon 1974 konnte aber das „Aufbau- und Verfügungszentrum“ (heute R12) im Segeroth-Viertel bezogen werden. Eine unzureichende Kennzeichnung von Gebäudeteilen und Räumen sorgte allerdings für Verwirrung im Neubau.

Da abzusehen war, dass sich solche Probleme mit der Fertigstellung der weiteren Hochschulgebäude weiter verschärfen würden, begann man 1975 mit der Erarbeitung eines Orientierungs- und Leitsystems. Die Beauftragung hierfür ging an den hochschuleigenen Fachbereich Design. Dort nahm sich die „Arbeitsgruppe Visuelle Leitsysteme“ um die Professoren Franz Rudolf Knubel und Stefan Lengyel des Problems an.

Bereits im April wurde dem Rektorat ein Entwurf vorgelegt, welcher der späteren Umsetzung mit Unterteilung des Campus in vier farblich abgegrenzte Bereiche entsprach. Im Juni 1975 war das vollständige Orientierungs- und Raumsystemkonzept mit der noch heute benutzen Raumcodierung fertiggestellt.

Zusammen mit dem ersten Entwurf des Leitsystems wurde auch der Vorschlag für ein Signet eingereicht. Noch heute erinnert das Logo des Universitätsklinikums Essen an dieses Zeichen.

Ende 1976 wurde schließlich mit dem Anbringen der neuen Beschilderung begonnen. Die Zweckdienlichkeit des neuen Orientierungssystems wurde allerdings schnell in Frage gezogen.  Schon 1982 resümierte Pressereferent Bernd Drescher: „Das System wird anfänglich als zu kompliziert kritisiert, leistet aber im Laufe der folgenden Jahre für die Orientierung der Hochschulangehörigen gute Dienste. Es bleibt auf Dauer zu kompliziert, um Besuchern der Hochschule eine Orientierung im Gelände zu erleichtern.“

—Edit—

Die Gebäude wurden in ein durchnummeriertes Raster eingeteilt, welches sich auch an den Fensterelementen orientierte. In der Konzeptpräsentation vom Juni 1975 hat man dieses visualisiert und beschrieben.

Nach der Einführung  des Orientierungssystems 1976 war die Verwirrung mit den Räumen wohl noch groß genug, dass sich jemand eine Notiz dazu auf dem extra von der Universität veröffentlichten Leitfaden zum Orientierungssystem gemacht hat.

Leitfaden zum Orientierungssystem

Die heute übliche Auflösung der Abkürzungen T für Tannengrün, S für Sandgelb und V für Veilchenblau findet sich in der zeitgenössischen Überlieferung übrigens nirgendwo. Offenbar hat man diese Bezeichnungen erst später zu den bereits in Verwendung befindlichen Buchstaben „dazugereimt“ – zwecks Orientierungserleichterung.

Zur Erläuterung des Raumkonzepts hat das Lehramtswiki einen eigenen Beitrag geschrieben.

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2 Antworten zu Universitätsarchiv: Veilchenblau und Tannengrün?

  1. Hannah sagt:

    Was mich aber wirklich interessiert: welchem System folgt die Nummerierung der Räume auf einem Flur? Ich habe mal die Theorie gehört, dass das etwas mit der Anzahl der Fenster zu tun hätte, konnte das aber bisher nicht verifizieren.

    • bib sagt:

      Hallo Hannah,

      danke für Deine Nachfrage.
      Die Nummerierung der Räume hat tatsächlich etwas mit den Fenstern zu tun. Die Gebäude wurden in ein durchnummeriertes Raster eingeteilt, welches sich auch an den Fensterelementen orientierte.

      Wir haben den Beitrag ergänzt.

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