Aus dem Archiv: “Wissenschaftsladen”?!

Was versteht man eigentlich unter einem Wissenschaftsladen? Heute nur noch an wenigen Hochschulen vertreten, versuchte sich die Universität-Gesamthochschule Essen Anfang der 1980er-Jahre an dem Konzept. Nach niederländischem Vorbild verfolgten die sogenannten Wissenschaftsläden (NL: Wetenschapswinkel) das Ziel, Wissenschaft auch den Bürger:innen nahezubringen, die mit akademischen Einrichtungen nicht viel zu tun hatten.

Blog Twitter (E 09.1.15 Nr. 4) (002)Konkret sollte der Wissenschaftsladen zwischen Bürger:innen und Wissenschaftler:innen vermitteln. Einzelpersonen, Gruppen und Bürgerinitiativen hatten etwa die Möglichkeit, Anfragen an der Schnittstelle zur Wissenschaft einzureichen, diese wurden dann von den Mitarbeiter:innen des Wissenschaftsladens eingeordnet und an die passende wissenschaftliche Disziplin zur Bearbeitung weitergeleitet. Als Beispiel ist etwa die Vermittlung von Sozialwissenschaftler:innen an die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitersiedlungsinitiativen zu nennen, welche die Auswirkung der Privatisierung von Arbeitersiedlungen auf das Nachbarschaftsgefüge zu prüfen wünschte. Die Bearbeitung der Fragestellungen wurde teils auch von studentischen Projektgruppen ausgeführt. Die hierbei erbrachten Leistungen konnten sie sich anschließend oft anrechnen lassen.

Wenngleich das Konzept durchaus einleuchtend ist, so erwies sich die praktische Umsetzung als schwierig. Zum einen bargen viele Anfragen politisches Konfliktpotenzial, zum anderen nahmen die Projekte oft viel Zeit in Anspruch. Vor allem aber stieß das Vorhaben auf eine grundsätzliche Skepsis: Neben der Wissenschaft war auch die Universität als Institution nicht wirklich vom Erfolg des Wissenschaftsladens überzeugt. Sie beteiligte sich daher auch nicht konkret an dessen Arbeit. Eine allgemeine Mittelkürzung für die Hochschuldidaktischen Zentren in NRW im Jahr 1983 und der damit zusammenhängende Abbau von Personalmitteln markierten das Ende des Wissenschaftsladens in Essen. An einige Universitäten gibt es allerdings bis heute Wissenschaftsläden, so. z.B. in Bonn und Wuppertal.

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