Eine Lanze brechen für PDF/A1 – oder wie sich Verschlüs-selungstrojaner (Ransomware) verbreiten

Phishing-Mails mit Office-Makros waren anlässlich der Locky-Ransomware-Welle das Einfallstor in Windows-Systeme.  Damals hatten wir unsere Kunden gewarnt Office-Anhänge zu öffnen und alternativ auf PDF als Austauschformat zurückzugreifen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, weil gut gemachte Phishing-Mails nun auch Verschlüsselungstrojaner über PDF-Anhänge verbreiten. Der Grund dafür sind aktive Inhalte in PDF-Dokumenten. Wenig bekannt ist, dass auch ein PDF-Dokument aktive Inhalte, wie Videos, Audio und auch JavaScript enthalten kann.

Ich habe hier einmal ein Beispiel für ein aktives PDF-Dokument verlinkt. Wenn Sie es im Browser öffnen, sollte nichts interaktiv passieren, sofern Sie einen modernen Browser verwenden. Wenn Sie das Dokument abspeichern und darauf klicken, poppt ein JavaScript „Hallo Welt“ Dialog auf, sofern der Acrobat Reader installiert ist. Der JavaScript-Code könnte auch potentiell gefährliche Dinge mit Ihrem PC anstellen.

Der in Firefox integrierte PDF-Reader ist selber in JavaScript geschrieben und führt keine aktiven Inhalte aus. Zur Erhöhung der Sicherheit auf dem Windows-Desktop kann alternativ zu Adobe Acrobat SumatraPDF verwendet werden, welches ebenfalls keine aktiven PDF-Elemente zulässt. PDF/A1-Dateien für Langzeitarchivierung dürfen per Definition gar keine aktiven Inhalte wie  z.B. Javascript enthalten und sind deshalb als PDF-Austauschformat zu bevorzugen. Ein schöne Anleitung wie Sie ein solches ungefährliches PDF/A1 einfach aus Word heraus erzeugen findet man hier (einfach beim Exportieren als PDF in den Optionen „ISO 19005 kompatibel“ anwählen). Für Dokumente, die nicht weiter bearbeitet werden müssen, sollte ausschließlich PDF/A1 als Austauschformat eingesetzt werden!

Neben Phishing-Mails gibt es weitere Verbreitungswege von Ransomware, wie z.B. Drive-by-Downloads, Verbreitung über das LAN mit Zero-Day-Lücken und neuerdings auch über gekaperte Software-Updateserver. Ein paar Tipps wie man sich gegen Drive-by-Downloads schützen kann, finden sich in unserer Dokumentation.

Gegen schlimme Zero-Day-Lücken, wie bei WannaCry oder gar die Verteilung von Ransomware über Updateserver wie bei NotPetja helfen solche Vorsichtsmaßnamen alleine nicht. Die frühzeitige Warnung unserer Kunden und besonnenes Handeln kann möglicherweise in so einem Fall Schlimmeres verhindern, sofern überhaupt Informationen zum Verbreitungsweg vorliegen. Man darf gespannt sein, was uns in Zukunft noch alles an kreativer Ransomware begegnet. Der aktuelle NotPetja Angriff hat wieder gezeigt, dass hoch zentralisierte Systeme mit „Standardsoftware“ besonders angreifbar sind, wenn es dem Angreifer gelingt in die gemanagte Umgebung einzudringen. Insofern ist die UDE durch die Diversität der eingesetzten Betriebssysteme und der teils dezentralen IT vor einem worst case „IT-Totalschaden“ gesichert. Wenn allerdings zukünftig alle Betriebssysteme virtualisiert auf einer einheitlichen Virtualisierungsumgebung laufen, kann ein erfolgreicher Angriff auf diese die ganze IT der UDE auf einen Schlag lahmlegen. Auch ein erfolgreicher Angriff auf die – oder auch nur ein Fehler in der – Update-Infrastruktur von Microsoft kann zu einem IT-Blackout zu mindestens der MS-Welt führen. Beide Szenarien sind (hoffentlich) sehr unwahrscheinlich und werden hier nur erwähnt, damit ich beim Eintritt Fefes „told you so“-Spruch loswerden kann ;-).

Im Ernst: Die beste Strategie gegen Verschlüsselungstrojaner ist die Erstellung regelmäßiger Backups. Wer alle wichtigen Dateien im Fileservice auf einen unserer Netzwerklaufwerke im ZIM speichert ist auf der sicheren Seite, da diese durch regelmäßige Snapshots unserer NetApp-Dateiserver geschützt sind. Frei nach Marius Mertens: „Es gibt gesicherte Daten und unwichtige Daten“ oder wie es die C‘t formuliert: Kein Backup? Kein Mitleid!

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