Wer tanzt auf dem Kongress? Part II: Reaktionen der TeilnehmerInnen, das Fehlen der perfekten Superliste und neue Ergebnisse

von Achim Goerres

Kurz vor Beginn des DVPW-Kongresses veröffentlichte ich auf zwei Blogs eine kleine Frequenzanalyse zu Nennungen politikwissenschaftlicher Standorte im Konferenzprogramm.

Obwohl ich gehofft hatte, dass diese Frage nach Präsenz beim Kongress auf etwas Interesse stößt, bin ich sehr von der Breite der Reaktionen überrascht worden.

Eins kann ich wirklich sagen: die Kolleginnen und Kollegen halten die Fahne ihres Standortes mit viel Begeisterung hoch,

entweder indem sie sich freuten, dass „ihre Leute“ präsent oder so präsent sind, oder

indem sie mir eine Nachricht schickten, dass ihr Standort fehle, was drei Mal passierte.

Nun freue ich mich auf einer persönlichen Ebene sehr über die Leidenschaft der Kolleginnen und Kollegen für ihren Jobstandort, würde aber gerne methodisch darauf hinweisen, dass ich in dem ersten Beitrag eine klare Definition meines Universums hatte: Standorte im CHE-Ranking 2015, das WZB Berlin und das MPI in Köln sowie alle weiteren Standorte, die ich bei der lexikalischen Suche nach diesen Standorten mitfinden würde (beispielsweise die TU Berlin, weil ich nach „Berlin“ gesucht habe).

Dass das keine ideale Superliste ist, war mir bewusst. Ich habe aber keine leicht zugängliche Liste von politikwissenschaftlichen Standorten gefunden. Dunkel erinnerte ich mich an eine Karte auf Politikon mit allen Studiengängen mit politikwissenschaftlicher Beteiligung. Ich habe allerdings nichts dergleichen mehr gefunden.

Gerne hätte ich Verbesserungsvorschläge zum Vorgehen bekommen als alleine die Hinweise, dass der eigene Standort fehle.

Felix Wurm hat mir inzwischen mitgeteilt, dass die Anmeldungen beim Kongress sehr viel über Privatadressen laufen, so dass eine institutionelle Verortung anhand der Anmeldeliste zeitaufwändig ist.

Aufgrund des großen Interesses habe ich nun doch das Programm händisch durchsucht, was nicht nur zeitaufwändig ist, sondern auch fehleranfällig. Zudem fehlen nun Institute in der Analyse, die nicht vertreten sind. Während vorher der Abgleich mit einer externen Liste erfolgte, generieren sich jetzt die Standorte nur aus denen, die mindestens einmal präsent sind.

Insgesamt habe ich 75 Standorte in Deutschland aus dem Programm identifiziert, bei denen ich nach bestem Wissen annehmen kann, dass politikwissenschaftliche Forschung dort stattfindet. Darunter befinden sich drei FHs und sechs außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Deutschland. Weitere 29 Institutionen aus dem Ausland sind vertreten, die ich im Folgenden nicht weiter berücksichtigt habe.

Die Anzahl der Nennungen dieser Standorte variiert zwischen 1 und 17 mit einem Mittelwert von 4.9, einem ersten Quartil von 2, einem Median von 3 und einem dritten Quartil von 7. Bei einer doppelten Anbindung einer Person habe ich nur die erstgenannte Institution gezählt.

17 verschiedene Standorte aus Deutschland sind einmal als Discussant oder Paper-Giver oder ProdiumsteilnehmerIn im Programm zu finden. 14 Standorte sind mit drei Nennungen zu finden.

Tabelle 1: Die Frequenzen der absoluten Häufigkeitswerte

Abs. Häufigkeitswert

Frequenz

1

17

2

9

3

14

4

3

5

7

6

5

7

5

8

1

9

4

10

1

11

2

12

3

14

1

16

2

17

1

 

Gegenüber der alten Auszählung in der Spitzengruppe der absoluten Nennungen größer 10 ist nun die Goethe-Universität Frankfurt mit 17 Nennungen vorne (die im alten Universum auch drin ist, aber wegen eines Übertragungsfehlers meinerseits versehentlich nicht aufgeführt war). Neu ist die Universität Gießen mit 14 Nennungen. Geblieben sind FU Berlin, Bremen, TU Berlin, Uni Düsseldorf, Uni Göttingen, Uni Heidelberg und Uni Kassel.

Tabelle 2: Absolute Anzahl der Nennungen politikwissenschaftlicher Standorte

Frankfurt (Goethe)

17.00

FU Berlin

16.00

Uni Bremen

16.00

Uni Gießen

14.00

TU Berlin

12.00

Uni Düsseldorf

12.00

Uni Göttingen

12.00

Uni Heidelberg

11.00

Uni Kassel

11.00

Uni Marburg

10.00

Uni Hamburg

9.00

Uni Münster

9.00

Uni Tübingen

9.00

Uni Leipzig

9.00

Erlangen-Nürnberg

8.00

Uni Bamberg

7.00

WZB

7.00

TU Darmstadt

7.00

LMU München

7.00

Uni Osnabrück

7.00

Humboldt Berlin

6.00

GIGA Hamburg

6.00

Uni Koblenz-Landau

6.00

Uni Mannheim

6.00

Uni Passau

6.00

Uni Freiburg

5.00

Uni Hannover

5.00

Uni Kiel

5.00

Uni Konstanz

5.00

Uni BW München

5.00

Uni Trier

5.00

Deutsche Hochschule der Polizei

5.00

Uni Magdeburg

4.00

Uni Siegen

4.00

Uni Hildesheim

4.00

Uni Greifswald

3.00

Uni Jena

3.00

Uni Mainz

3.00

Uni Potsdam

3.00

Uni Köln

3.00

Frankfurt (Viadrina)

3.00

Uni Bielefeld

3.00

TU Kaiserlslautern

3.00

PH Karlsruhe

3.00

TU Braunschweig

3.00

Uni Bonn

3.00

Uni Hagen

3.00

DIW Berlin

3.00

Uni Witten-Herdecke

3.00

Uni Bochum

2.00

TU Dresden

2.00

Zeppelin Uni

2.00

Sporthochschule Köln

2.00

Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung

2.00

TU Dortmund

2.00

Uni Stuttgart

2.00

FH öffentliche Verwaltung NRW

2.00

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

2.00

RWTH Aachen

1.00

TU Chemnitz

1.00

KU Eichstätt-Ingolstadt

1.00

Uni Halle-Wittenberg

1.00

Uni BW Hamburg

1.00

TU München

1.00

Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln

1.00

Uni Augsburg

1.00

WSI Düsseldorf

1.00

Uni Lüneburg

1.00

Gesis

1.00

FOEV Speyer

1.00

Uni Oldenburg

1.00

PH Schwäbisch Gmünd

1.00

TU Cottbus

1.00

Uni Wuppertal

1.00

Uni Erfurt

1.00

 

Bezüglich der relativen Präsenz hat sich nichts wesentlich geändert. Diese wiederum besteht nur aus dem CHE-Ranking-Universum.

Die Uni Bremen ist am deutlichsten präsent, wenn man anhand ihrer Studierendenzahl gewichtet.

Folgende zwei Berechnungen beschließen endgültig meine Analyse, und ich überlasse es den Anwesenden, diese inhaltlich zu diskutieren. Diese Berechnungen gelten auch nur für das alte Universum.

Reisezeit

Wenn man die Reisezeit für das alte Universum berechnet (schnellste Verbindung Hbf zu Hbf am Mittwochmorgen) und mit der relativen Präsenz korreliert, ergibt sich ein schwacher negativer Zusammenhang (Pearsons r) von minus 0.26. Je länger die Anreise per Bahn dauert, desto geringer ist im Schnitt die relative Präsenz des Standorts beim Kongress.

Drittmittelaufkommen (es fehlen Daten zu 5 Fällen, nur 33 Beobachtungen)

Wenn man die Daten der DFG-Volumina in den Sozialwissenschaften für den Zeitraum 2011 bis 2013 mit der Anzahl der Studierenden als Proxy für die Größe des Fachbereichs gewichtet und diese Zahl mit der relativen Präsenz beim Kongress korreliert, ergibt sich ein schwach positiver Zusammenhang von plus 0.27. Je erfolgreicher ein Fachbereich unabhängig von seiner Größe bei der Einwerbung von Drittmitteln bei der DFG war, desto stärker ist im Schnitt seine relative Präsenz beim Kongress.

Dieser Zusammenhang wird aber durch sechs Ausreißer getrieben. Wenn man die sechs drittmittelstärksten Fachebereiche in absoluten Zahlen mit mehr als 5 Millionen Euro Einwerbung ausschließt, reduziert sich der Zusammenhang in der relativen Betrachtungsweise auf praktisch null (-0.05).

Ich wünsche Ihnen weiterhin einen spannenden Kongress!

Tabelle 3:

Name Abs. # Studis Rel. Präsenz
Uni Bremen 16.00 1170.00 1.37
Uni Düsseldorf 12.00 970.00 1.24
Zeppelin Uni 2.00 170.00 1.18
Uni Heidelberg 11.00 1010.00 1.09
Uni Göttingen 12.00 1160.00 1.03
Uni Tübingen 9.00 900.00 1.00
Uni Mannheim 6.00 620.00 0.97
Uni Kassel 11.00 1190.00 0.92
Uni Bamberg 7.00 800.00 0.88
Uni Passau 6.00 740.00 0.81
Uni Marburg 10.00 1350.00 0.74
Uni Koblenz-Landau 6.00 840.00 0.71
Uni Osnabrück 7.00 1000.00 0.70
Frankfurt (Goethe) 17.00 2570.00 0.66
FU Berlin 16.00 2500.00 0.64
Uni Münster 9.00 1420.00 0.63
TU Darmstadt 7.00 1130.00 0.62
Uni Freiburg 5.00 830.00 0.60
Uni Greifswald 3.00 550.00 0.55
Uni Trier 5.00 960.00 0.52
Uni Hannover 5.00 1070.00 0.47
Uni Kiel 5.00 1080.00 0.46
Uni BW Hamburg 1.00 220.00 0.45
Uni Konstanz 5.00 1220.00 0.41
LMU München 7.00 1730.00 0.40
TU Chemnitz 1.00 260.00 0.38
Uni Jena 3.00 950.00 0.32
KU Eichstätt-Ingolstadt 1.00 370.00 0.27
TU Dresden 2.00 750.00 0.27
Humboldt Berlin 6.00 2650.00 0.23
Uni Mainz 3.00 1420.00 0.21
Uni Potsdam 3.00 1600.00 0.19
Uni Halle-Wittenberg 1.00 660.00 0.15
RWTH Aachen 1.00 810.00 0.12
Uni Bochum 2.00 2650.00 0.08
Jacobs Universität Bremen 0.00 110.00 0.00
Uni Regensburg 0.00 750.00 0.00
Uni Rostock 0.00 660.00 0.00
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