Interview mit Ronja von Rönne

Hier das spannende Interview, das Yvette mit Ronja von Rönne – dem Entfant terrible des Feuilletons – vor der Veröffentlichung ihres Roman-Debüts geführt hat.

Viel Spaß beim Lesen!

Sie will einfach „nur unterhalten“

Interview mit Ronja Larissa von Rönne anlässlich der Veröffentlichung ihres Debütromans “Wir kommen”

Ronja Larissa von Rönne, 1992 in Berlin geboren, arbeitet seit Januar 2015 als Redakteurin im Feuilleton der Welt und schreibt seit letztem Dezember eine Dating-Kolumne in der Glamour. Neben ihrer Arbeit als Journalistin ist von Rönne auch als Autorin tätig und veröffentlicht seit 2012 auf ihrem Blog Sudelheft Texte aus dem Leben einer Mittzwanzigerin. Im Juli 2015 trat sie  mit ihrer Kurzgeschichte Welt am Sonntag beim Ingeborg-Bachmann-Preis auf den “Tagen der deutschsprachigen Literatur” in Klagenfurt an.

Das Interview zu ihrem Erstlingsroman Wir kommen führte Yvette Rode:

1. Frau von Rönne, am 4. März 2016 wurde Ihr Debütroman Wir kommen veröffentlicht. Worum geht es in Ihrem Roman?

Viele behaupten ja, Autoren könnten ihr eigenes Werk nicht einschätzen. Das ist natürlich Blödsinn, es geht ganz einfach: Es geht in dem Buch um das Ringen mit der Liebe, artgerechte Schildkrötenhaltung und einen Mord. Möglicherweise sogar zwei. Und um noch schlimmere Sachen, zum Beispiel U-Bahnfahren und das Aufwachsen in der Provinz. Es gibt jede Menge Sex, Liebe, Langweile, Tote, Explosionen und Fahrkartenkontrollen. Das mit den Explosionen war gelogen. Selbstverständlich werden nebenher alle großen Themen der Gegenwart abgehandelt: Gemüse-Kisten-Abos, Flüchtlingswelle, iPads, Polyamorie und Leute, die in Agenturen arbeiten. Mein Buch ist ein packender Thriller, ein Armutszeugnis, ein großer Liebesroman, eine komplette Farce, ein ergreifendes Generationsportrait, ein total unergreifendes Generationsportrait, ein weltweiter Bestseller und echter Geheimtipp. Ein Meilenstein! Eine Papierverschwendung! Ein besonderer Wurf! Ein Rohrkrepierer! Eine neue literarische Epoche! Hilfe.

2. Auffällig ist, dass Ihre Protagonistin Nora ihre Gedanken in Tagebucheinträgen dokumentiert. Wird die Tagebuchform konsequent durchgehalten oder wechselt die an einigen Stellen die Erzählperspektive?

Der Ton wird stellenweise erzählend, aber die Tagebuchform bleibt bestehen.

3. Warum haben Sie sich für die Tagebuchform entschieden?

Das war mein Trick, um mir einzureden, keinen ganzen Roman schreiben zu müssen. Es ist nämlich völlig unmöglich, einen Roman zu schreiben.

4. Würden Sie Wir kommen einem oder mehreren Genres zuordnen?

Am Ende wird es wahrscheinlich heißen: Poproman. Das murmeln Kritiker ja gerne vor sich hin, sobald ein Buch in der Gegenwart verankert ist und zweimal ein Markenname fällt. Ich würde meinen Roman lieber keinem Genre zuordnen.

5. Wie lange haben Sie an Ihrem Roman geschrieben?

Vier panische Monate.

6. Haben Sie eine bestimmte Schreibroutine?

Selbstverständlich habe ich eine Schreibroutine. Ohne geht es ja gar nicht. Das ist sie:

1. Ein, zwei Tage am Buch schreiben
2. dann wochenlang mit schlechtem Gewissen nichts schreiben
3. massive Selbstzweifel
4. zusammenreißen, einen kurzen, lustigen Blog-Post schreiben
5. aus den Likes die Kraft schöpfen, zu Punkt Eins zurückzukehren

7. Wie würden Sie Ihren Schreibstil beschreiben?

Ich versuche eigentlich nur, zu unterhalten. Das Buch ist, wie die meisten meiner Texte, sehr schnell und auf Pointe geschrieben, weil ich so etwas selbst gerne lese. Ansonsten würde ich meinen Schreibstil lieber nicht selbst beschreiben.

8. Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden?

Nein. Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, dass ich eines Tages eine Arbeit am Computer haben würde. Ich durfte nur eine halbe Stunde täglich an den PC, deshalb träumte ich von einer Arbeit am Computer. Welche, war mir eigentlich egal. Ich stellte mir nur vor, wie ich jeden Tag in ein Hochhaus gehe und dann acht Stunden am Computer sitze. Zwischendurch würde ich aus dem riesigen Panoramafenster auf die Passanten unten auf der Straße sehen. Und ich wollte Meetings haben, weil es in Meetings immer Knabberkram gibt. Beim Schreiben bin ich eher zufällig gelandet.

9. Warum sollten die Leute ihrer Meinung nach Wir kommen kaufen?

Weil ich damit schönes Geld verdiene. Um mir Knabberkram zu kaufen.

10. Haben Sie schon Ideen für einen weiteren Roman?

Überhaupt nicht.

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