Wissenschaft und Corona: Was wäre, wenn alles OA wäre?

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Es kann so schnell gehen – das Virus ist da, die Bibliothek ist zu.

Für Studierende, Lehrende und Forschende vieler Fächer bedeutete das in den letzten Wochen eine deutlich erschwerte Literaturversorgung. Der Weg ins digitale Sommersemester war ebenfalls mit Hürden versehen: Zahllose Titel sind digital nicht verfügbar, die Lizenzregelungen der Verlage für E-Books sind höchst divers (was den Kauf für Bibliotheken oft erschwert und manchmal sogar unmöglich macht). Das Einscannen von Texten im großen Stil verbietet sich durch das Urheberschutzgesetz. Entsprechend spürbar war der Enthusiasmus am Campus, als die UB in der letzten Woche ihren Betrieb – wenn auch eingeschränkt – wieder anlaufen ließ: allein am ersten Öffnungstag nach der Schließung gab es rund 2.000 neue Ausleihen. Ein klares Zeichen dafür, dass das gedruckte Buch von Vielen schmerzlich vermisst worden ist. Ohne Paper scheint es an vielen Stellen zu haken.

Für uns Grund genug, einmal zu fragen:

Was wäre, wenn wissenschaftliche Literatur grundsätzlich Open Access erscheinen würde?

Wenn also jeder wissenschaftliche Text (vielleicht auch Forschungsdaten!) frei für jedermann im Internet zugänglich wäre?

Wir haben uns an der UDE umgehört und Kolleginnen und Kollegen aus Forschung und Lehre gebeten, diesen Satz zu vervollständigen:

„Wenn alles OA wäre, ….“

Diskutieren Sie mit! Auf Twitter unter #AllesOA oder hier in den Kommentaren.

Hier einige Stimmen, eingefangen an der UDE:

Prof. Dr. Michael Kerres, Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement, Fak. f. BiWi

  • „Wenn alles OA wäre, wäre öffentlich finanzierte Forschung auch der Öffentlichkeit zugänglich.“

 

Dr. Dietmar Meinel, Institut für Anglophone Studien

  • „Wenn alles OA wäre, könnte ich meine Forschung produktiver und zielgerichteter verfolgen.”
  • , könnte ich mich einfacher und direkter mit Kolleg*innen vernetzen.”
  • , dann wäre die Welt ein besserer Ort.”

 

Eva Weiler, Institut für Philosophie

  • „Wenn alles OA wäre, könnten wir uns nicht mehr darauf freuen, bald wieder mit einem Buch in der Hand dazusitzen, vor und zurückzublättern und uns Seite für Seite in einen Text zu vertiefen”
  • ..., würden Bibliotheken keine Bücher mehr kaufen, sondern nur noch Lizenzen, die jedes Jahr neu bezahlt werden müssen. Hoffentlich dreht da keiner den Geldhahn zu!”
  • , gäbe es dann auch noch die Texte, die es nicht ins OA-Programm der großen Verlage schaffen?”

 

Dr. rer. nat. Nicolas Wöhrl, Fakultät für Physik / Experimentalphysik AG Lorke

  • „Wenn alles OA wäre, könnten sich Resultate und Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien so schnell verbreiten wie Viren.“
  • ..., wäre die Reproduktionsrate R0 für wissenschaftliche Ergebnisse höher als die von pandemischen Viren.”
  • ..., wüssten wir schneller, wie wir uns beim Kampf gegen pandemische Viren verhalten sollten.“
  • ..., bräuchten wir weniger Steuergelder für überteuerte Zeitschriftenabos und hätten mehr Mittel für Impfmittelforschung, Desinfektionsmittel und Toilettenpapier! ;)“

 

Nicole Walger, Leitende Bibliotheksdirektorin:

  • „Wenn alles OA wäre, wäre es nicht nur während der Zeit der Corona-bedingten Schließung von Hochschulen und ihren Bibliotheken einfacher, schnell, dauerhaft und ohne technische Hürden an wissenschaftliche Erkenntnisse, Daten und Bildungsmaterialien heranzukommen und sie problemlos für Lehre und Forschung einzusetzen.
    Als Reaktion auf die Dringlichkeit der gegenwärtigen Situation der Corona-Krise erleben wir gerade, dass eine Reihe von Verlagen nicht nur COVID-19-bezogene Forschung offen zugänglich macht, sondern auch die Zugangsbeschränkungen zu anderen Fachzeitschriften, E-Books und Datenbanken – zumindest für einen begrenzten Zeitraum – lockert. Das begrüße ich sehr.
    Für Lehre und Forschung würde ich mir wünschen, dass das Maß gemeinsamer Nutzung, das derzeit gegeben ist, dauerhaft angewandt wird.”

#OpenAccess #OA #OpenScience

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