Vor 50 Jahren: Universitätsarchiv – Studentischer Boykott

Foto_Ingenieurschule_1973_Quelle_Stadtarchiv Duisburg (002)

Bildquelle: Stadtarchiv Duisburg;
Die Duisburger Ingenieurschule im Jahr 1973

Der Entwurf des nordrhein-westfälischen Fachhochschulgesetzes vom 19.11.1968 (Landtagsdrucksache 6/984) löst rege Diskussionen mit der Politik, umfangreiche Protestaktionen und schließlich eine Streikwelle an den Ingenieurschulen aus. Sie fordern von der Landesregierung ein fortschrittliches und zukunftsorientiertes Bildungskonzept, um den zukünftigen Ansprüchen von Wissenschaft und Technik gewachsen zu sein. Doch der Gesetzentwurf ebnet diesen Weg nicht. Auch in anderen Bundesländern finden die Studenten für ihre Reformpläne kein Gehör. Vor allem drei Punkte stehen im Vordergrund der Forderungen: die Anerkennung der Absolventen der Ingenieurschulen als Ingenieure in allen Ländern der (damaligen) europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, die Integration der Ingenieurschulen in den Hochschulbereich, verbunden mit der Reform des Ingenieurstudiums.

In Nordrhein-Westfalen beginnt der Streik im März in Münster. Die Studenten der Ingenieurschule Duisburg ziehen Mitte April nach. Innerhalb kürzester Zeit breitet sich der Streik auf ganz Deutschland aus. Die Mehrheit der rund 65 000 Studenten der 140 deutschen Ingenieurschulen boykottieren die Lehrveranstaltungen, ebenso die 6000 Studenten der höheren Wirtschaftsschulen.

Anfang Mai setzt NRW-Kultusminister Fritz Holthoff (SPD) den Studenten das Ultimatum den Streik zu beenden. Kurz zuvor hatte Ministerpräsident Heinz Kühn (SPD) im Landtag erklärt, dass den Streikenden das Semester sonst nicht anerkannt werde. Doch nur wenige kommen der Aufforderung nach. Die Lage entspannt sich erst, als der Gesetzentwurf unter Berücksichtigung verschiedener Änderungsanträge der Fraktionen im Juli erneut in den Landtag eingebracht wird. Am 08.08.1969 wird das überarbeitete Fachhochschulgesetz im Gesetz- und Verordnungsblatt Nummer 48 veröffentlicht.

 

In der Reihe „Vor 50 Jahren“ informiert das Universitätsarchiv regelmäßig über historische Ereignisse.

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